10:42 25 September 2018
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    Herstellung von Röhren für die Gaspipeline Nord Stream 2 (Archivbild)

    „Europa wird sich kaum den USA beugen“: Experten zu Pompeos Kritik an Nord Stream 2

    © Sputnik / Aleksandr Kondratyuk
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    Die USA setzen sich seit Jahrzehnten gegen Gaspipelines von Russland nach Europa ein – meistens aber ohne Erfolg. Das betont ein russischer Energie-Experte im Hinblick auf die jüngsten Einwände des US-Außenministers gegen die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Ein anderer Analyst spricht von zunehmenden Differenzen zwischen den USA und der EU.

    Sergej Prawossudow, Leiter der russischen Denkfabrik National Energy Institute, sagte gegenüber Sputnik: „Die USA haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass sie gegen Nord Stream 2 sind – ebenso wie einst gegen Nord Stream 1 und überhaupt gegen alle Gaspipelines von Russland nach Europa.“

    Seit den 1960er Jahren sei kein einziges solches Pipeline-Projekt von den USA unterstützt worden. Doch nur im Fall South Stream sei es ihnen gelungen, den Bau zu verhindern: „Denn es stellte sich heraus, dass Länder wie Bulgarien und Serbien nicht in der Lage sind, dem amerikanischen Druck zu widerstehen.“

    Die Deutschen haben indes traditionell ihre Interessen verteidigt – und tun das weiter. Nicht weil sie ‚für Russland‘, sondern weil sie vor allem für sich selbst sind. Deshalb werden all diese Projekte eben umgesetzt – Jamal-Europa, Nord Stream und nun auch Nord Stream 2. Ich denke nicht, dass es den Amerikanern da gelingen wird, etwas zu machen“, so Prawossudow.

    Der russische Politik-Experte Jewgeni Ben äußerte gegenüber Sputnik: „Die Differenzen zwischen den USA und der EU sind real, sie nehmen zu und lassen sich nicht abtun. Die US-Administration gießt nur Öl ins Feuer.“

    >>Mehr zum Thema: „Kein merklicher Einfluss“: Europas neue Alternative zu russischem Gas

    „Was kann man mit diesem Druck in Sachen Nord Stream 2 erreichen? Europa wird sich kaum den USA beugen, denn die Aussichten sind sehr zweifelhaft“, sagte Ben.

    Wie er erläuterte, bestehen die möglichen Alternativen zu diesem Pipelineprojekt darin, dass entweder die USA ihr Flüssigerdgas nach Europa liefern, oder die russischen Gaslieferungen hauptsächlich über die Ukraine erfolgen würden.

    „Doch bei dieser Konstellation könnte Europa künftig mit einem Gas-Mangel konfrontiert werden. Das sind ernsthafte Risiken in Bezug darauf, wie die EU in den nächsten Jahrzehnten beheizt werden soll. Die Bemühungen der USA sind also vergeblich – die Vereinigten Staaten lassen ihre Differenzen mit der EU zunehmen“, so der Kommentar.

    US-Außenminister Mike Pompeo hatte jüngst für weitere Schritte gegen den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 plädiert, die über die Ostsee von Russland nach Deutschland verlegt werden soll. Pompeo sagte, die EU sei von russischem Gas abhängig und deshalb in ihren Möglichkeiten, sich Moskau entgegenzusetzen, begrenzt: „Wir haben eine reale Möglichkeit, ihre Abhängigkeit von Russland zu reduzieren.“ Dies könne durch verschiedene Optionen erreicht werden, wie etwa durch Energielieferungen über den Kaukasus und über weitere Länder, so der US-Chefdiplomat.

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    Gaslieferung, Projekt, Kritik, Pipeline, Interessen, Nord Stream 2, EU, Mike Pompeo, USA, Russland, Deutschland