10:56 26 September 2018
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    US-Armee während der Übungen in Deutschland (Archiv)

    NATO-Veteran zu US-Konvoi in Europa: „Sie wollen, dass wir uns an Truppen gewöhnen“

    CC BY 2.0 / 7th Army Training Com / 1/1 CD draws EAS, Apr. 28, 2014
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    Ein US-Konvoi von 400 Fahrzeugen und rund 1.000 Militärs wird vom 29. Mai bis 1. Juni das Territorium Tschechiens Richtung Estland passieren, wo er an der NATO-Übung Saber Strike teilnehmen wird. Dabei sind bislang übliche „Freundschaftstreffen“ mit tschechischer Bevölkerung und die Vorführung von Militärtechnik nicht geplant.

    Zur künftigen Aktion äußert sich Martin Zapletal, NATO-Veteran im Kosovo und im Kuwait. Der Ex-Militär wurde landesweit berühmt, als er vor zwei Jahren versucht hatte, einen US-Konvoi bei der Ausfahrt aus Vyskov mit nacktem Hintern zu stoppen.

    >>Mehr zum Thema: US-Truppenverlegung: Der lange Marsch an die Ostfront

    „Leider werde ich mich in dieser Zeit in Westeuropa aufhalten, denn ich bin zurzeit Lkw-Fahrer. Deshalb werde ich keine Möglichkeit haben, an Protestaktionen teilzunehmen, was mich ärgert“, sagte Zapletal in einem Sputnik-Interview.

    „Mehrere Menschen haben Kontakt zu mir – per Telefon oder persönlich. Mein Protest löste weltweit ein starkes Echo aus, darunter von früheren Militärs in den USA, Großbritannien, Frankreich oder Italien, aber auch Menschen in Zentral- und Osteuropa, in Russland, Serbien und Polen oder in Asien“, fuhr der Tscheche fort.

    Er möchte, dass seine Landsleute sich nicht nur in Bars zum Problem äußern, sondern etwas unternehmen. Proteste sollten aber friedlich, ohne Gewalt verlaufen. Er sei sich darüber im Klaren, dass US-Militärs nicht schuld seien, sondern wie ihre russischen, australischen oder chinesischen Kollegen nur Befehle erfüllten.

    „Aber die Politik der USA ändert sich nicht. Washington steuert seit Jahren ein und denselben Kurs, der die Sicherheit Europas, Russlands und der ganzen Welt, die Sicherheit meines Landes gefährdet. Truppenverlegungen sind aus psychologischer Sicht an und für sich nicht harmlos. Ich denke, das Ziel dieser Operation bestehe darin, dass wir uns an Truppenbewegungen gewöhnen. Dass wir freundlich gesinnte US-Militärs sehen, die allein schon durch ihre Präsenz die Demokratie nach amerikanischer Art etablieren wollen, deren weltweite Folgen wir seit Jahren kennen.“

    Zapletal zufolge ist die NATO nur ein Instrument der US-Politik. Er könne nicht akzeptieren, dass tschechische Amtsträger die US-Politik befürworten und die Interessen Washingtons durchsetzen helfen. „Ich werde meine Proteste fortsetzen, allerdings in beschränktem Ausmaß, weil ich weder Zeit noch genug Geld habe. Alles hat seinen Preis.“

    Auf die Frage, ob Menschen in Europa davon überzeugt sind, dass die Unterstützung des Kremls Profite bringt, sagte der Ex-Militär: „Manche glauben tatsächlich, dass wir Agenten des Kremls, dass wir prorussische Agenten sind, dass wir von Moskau, von (Präsident Wladimir) Putin finanziert werden. Entschuldigung, aber ich habe keinen einzigen Rubel, keinen einzigen Euro und keinen einzigen Dollar bekommen – weder von Putin noch von jemand anderem.“

    >>Mehr zum Thema: Nato-Übung „Atlantic Resolve“ ähnelt Unternehmen Barbarossa

    „Wir alle, die gegen die Politik der USA und der EU sind, werden automatisch als Faschisten, Rassisten und Xenophoben abgestempelt. Wir werden von der tschechischen Polizei beobachtet… Unsere Telefongespräche werden abgehört. Wir Aktivisten, die gegen den Krieg sind, werden automatisch als Staatsfeinde eingestuft, was ich nicht hinnehmen will. Ich hatte mehrmals davon gesprochen, dass ich hier weder russische noch chinesische noch amerikanische Soldaten sehen möchte. Wir Tschechen sollen ein souveräner Staat sein und mit allen Ländern kooperieren“, betonte Zapletal.

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    Tags:
    Übungen, Sicherheit, Konvoi, NATO, Wladimir Putin, Europa, Russland, USA