06:41 19 Juni 2018
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    Arkadi Babtschenko (i.d.Mitte) bei Pressekonferenz in Kiew

    Kiew: „Getöteter“ russischer Journalist erscheint plötzlich auf Pressekonferenz

    © REUTERS / Valentyn Ogirenko
    Politik
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    Überraschende Wende im Fall Arkadi Babtschenko: Der russische TV-Journalist, dessen angebliche Ermordung in Kiew am Dienstag weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat, ist am Leben. Am Mittwoch erschien der 42-Jährige auf einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes SBU und erzählte, dass das Attentat nichts weiter als Theater gewesen sei.

    Am Dienstag hatte die ukrainische Polizei mitgeteilt, dass Babtschenko mit Schusswunden am Rücken in seiner Kiewer Wohnung aufgefunden worden und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben sei. Russland, andere Staaten und internationale Organisationen verurteilten das Attentat und forderte von Kiew eine Aufklärung.

    SBU-Chef Wassil Grizak beschuldigte auf der Pressekonferenz Geheimdienste Russlands, einen Mordanschlag auf Babtschenko in Auftrag gegeben zu haben. Das Attentat sei jedoch durch den SBU verhindert worden. Die Inszenierung sei nötig gewesen, um die Anschlagspläne zu enttarnen.

    Der „Drahtzieher“ des Anschlags sei „vor drei Stunden in Kiew“ festgenommen worden, so Grizak auf der Pressekonferenz, die im ukrainischen Fernsehen live übertragen wurde.

    Der Journalist selbst sagte auf der Konferenz, er habe vor rund einem Monat vom SBU erfahren, dass ein Attentat auf ihn geplant werde. Ihm sei angeboten worden, an einer „Sonderoperation“ teilzunehmen.

    Selbst seine Frau habe von der Inszenierung des Mordes nichts gewusst und ihn für tot gehalten. „Ich möchte mich bei meiner Frau entschuldigen — für die Hölle, die sie in diesen beiden Tagen erlebt hat“, sagte Babtschenko. Er dankte dem ukrainischen Geheimdienst für die „Rettung seines Lebens“.

    "Äußerst dumme Provokation"

    Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow, Chef des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrats (russisches Parlamentsoberhaus) sagte, er bedauere, dass Babtschenko „an dieser Provokation der ukrainischen Geheimdienste teilgenommen hat“.

    Kossatschows Vize Wladimir Dschabarow bezeichnete die SBU-Inszenierung als „äußerst dumme Provokation“. Nach seiner Einschätzung hat sich Kiew damit "vor der ganzen Welt blamiert".

    Der Duma-Abgeordnete Michail Jemeljanow („Gerechtes Russland“) verwies auf Gemeinsamkeiten zwischen dem „Attentat“ auf Babtschenko und dem auf die Russen Sergej und Julia Skripal in Großbritannien, die nach Angaben der britischen Behörden mit einem gefährlichen Giftstoff angegriffen worden waren, jedoch genesen konnten.

    Tags:
    Inlandsgeheimdienst der Ukraine (SBU), Kiew, Ukraine