09:22 20 Juni 2018
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    Sahra Wagenknecht auf dem Bundesparteitag DIE LINKE in Hannover 2017 (Archivbild)

    Bundeskanzlerin Wagenknecht? – Merkels Konkurrenz von links

    CC BY 2.0 / DIE LINKE / Sahra Wagenknecht - Rede auf dem Bundesparteitag DIE LINKE
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Eine überraschende Wendung: Sahra Wagenknecht wird in der Bevölkerung immer beliebter. Die Fraktionschefin der Partei Die Linke könnte laut einer Umfrage eine echte Gefahr für Bundeskanzlerin Merkel werden. Doch ist das ein reines Zahlenspiel? Oder dreht sich der Wind tatsächlich bei den deutschen Wählern?

    Bundeskanzlerin Sahra Wagenknecht? Vielen Deutschen scheint diese Vorstellung zu gefallen. In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa wurden die Bürgerinnen und Bürger befragt, wen sie gern auf dem Chefsessel im Kanzleramt sehen würden. Das Ergebnis spricht eine recht deutliche Sprache …

    Blamage für Merkel

    Demnach würden sich 30 Prozent der Befragten für Amtsinhaberin Angela Merkel aussprechen. Das ist sogar weniger, als die Union bei der vergangenen Bundestagswahl an Stimmen erzielen konnte. Auf Platz zwei der Umfrage folgt direkt Sahra Wagenknecht: Etwa 23 Prozent bevorzugen die Linke-Politikerin als Kanzlerin.

    Weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen folgen dann sozialdemokratische Kandidaten. Vize-Kanzler Olaf Scholz erreicht nur 13 Prozent, SPD-Chefin Andrea Nahles und auch Außenminister Heiko Maas bringen es auf rund 12 Prozent.

    Machbar oder nicht?

    Aber hätte Wagenknecht tatsächlich eine Chance auf den Posten der Bundeskanzlerin? Es ist zwar unwahrscheinlich, dass Merkel bei der nächsten Wahl noch einmal antritt, dennoch wird der Kanzler oder die Kanzlerin nicht direkt vom Volk gewählt. Die nach Prozentpunkten stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag schlägt einen Kandidaten oder eine Kandidatin vor.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel
    © AFP 2018 / Tobias SCHWARZ

    Die Linke müsste also bei der kommenden Bundestagswahl im Jahr 2021 – vorausgesetzt es gibt zwischendurch keine Neuwahlen – stärkste Kraft werden. Das ist laut aktuellen Erhebungen allerdings eher unwahrscheinlich, denn dort erreicht die Partei derzeit 12 Prozent. Es ist dennoch beachtlich, dass 11 Prozent der Menschen, die nicht die Linke wählen würden, dennoch Frau Wagenknecht als Regierungschefin sähen.

    Prominente Unterstützung …

    Außerdem stehen auch innerhalb der Partei die Zeichen auf Veränderung. Die von Wagenknecht und Ehemann Oskar Lafontaine angestoßene Debatte über eine linke Sammelbewegung ist in aller Munde. Hierfür gibt es laut Medienberichten sogar schon prominente Interessenten, etwa den Liedermacher Konstantin Wecker, den Schriftsteller Ingo Schulze und die frühere Grünen-Politikerin Antje Vollmer.

    Vielleicht ist das eine Chance für die linke Fraktionschefin, in den kommenden Jahren noch mehr Unterstützer hinter sich zu vereinen und damit auch entschieden mehr Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Zugegeben, die Möglichkeit ist gering – aber sie besteht. Und die Kanzler-Umfrage hat gezeigt: Das Interesse innerhalb der Bevölkerung ist da. Nun kommt es darauf an, wie sich Wagenknecht in Zukunft positioniert, um enttäuschte Wähler von den übrigen Parteien zu gewinnen. Ein interessantes Gedankenspiel – zumindest theoretisch.

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    Tags:
    Bundeskanzlerin, Bundestagswahl, linke Sammelbewegung, SPD, CDU, Die LINKE-Partei, PdL, Antje Vollmer, Heiko Maas, Andrea Nahles, Olaf Scholz, Angela Merkel, Oskar Lafontaine, Sahra Wagenknecht, Deutschland
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