00:25 10 Dezember 2018
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    Polizisten auf den Straßen von Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, während der Wahlkampagne 2016 (Archivbild)

    Russland besetzt Afrika kampflos

    © AFP 2018 / Issouf Sanogo
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    Jewgeni Krutikow
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    Als in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik jüngst das zweite Amtsjahr des Staatschefs Touadéra gefeiert wurde, erschien der Präsident vor seinem Volke in Begleitung hellhäutiger Soldaten ohne Erkennungszeichen. Westliche Beobachter wurden nervös.

    Bald nach der Feier wurde bekannt, dass die hellhäutigen Leibwächter die Präsidialverwaltung, den Fuhrpark und den Sicherheitsdienst des Präsidenten kontrollieren, sowie uneingeschränkten Zugang zu allen Schlüsselpersonen in Touadéras Umgebung haben. Hellhäutige Patrouillen sind auch in den Straßen von Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, aufgetaucht, wie auch auf Armeestützpunkten außerhalb der Stadtgrenzen.

    Da erklärte ein Sprecher der Präsidialverwaltung, dass es von nun an einen „Verband russischer Spezialeinheiten“ im Lande gebe, um den Schutz des Präsidenten zu verstärken. Im präsidialen Sicherheitsdienst sei sogar ein spezielles Amt, das des Sicherheitsdirektors, eingerichtet worden, das von einem russischen Offizier bekleidet werde. Dieser befehlige auch Touadéras Leibgarde.

    Schon am Tag nach der Feier, am 31. März, marschierte bei einer Parade eine kleine Kompanie (circa 200 Mann) am Präsidenten vorbei, die von Kopf bis Fuß nach russischem Muster ausgerüstet war. Geführt wurde dieser Kleinverband auch von einem Russen. Dass die Truppen der Zentralafrikanischen Republik nach russischem Vorbild ausgerüstet und ausgebildet werden sollen, war schon im Oktober des Vorjahres bei einem Besuch Touadéras in Sotschi vereinbart worden.

    Damals hatte der Präsident darum gebeten, rund 1.500 Mann (also zwei Bataillone) mit Maschinengewehren, Granatwerfern und Panzerfahrzeugen auszurüsten. Voraussetzung dafür war, dass die Vereinten Nationen ihr Waffenembargo für die Zentralafrikanische Republik aufheben. Wenig später nahm die Uno Moskau vom Embargo aus, sodass schon Anfang dieses Jahres eine Il-76 der russischen Luftwaffe in Bangui landen konnte.

    Von den westlichen Beobachtern weniger beachtet wird Russlands Kooperation mit Mosambik. Zunächst hatten die Verteidigungsminister der beiden Länder vereinbart, dass russische Schiffe die Häfen dieses südostafrikanischen Landes frei anlaufen dürfen. Auch die russische Marine darf dort nun nach einem vereinfachten Verfahren ihre Schiffe warten und auftanken. Einen vollwertigen Stützpunkt wie etwa im syrischen Tartus bieten die Seehäfen von Mosambik den russischen Streitkräften zwar nicht, aber immerhin…

    Dann unterzeichneten Russland und Mosambik ein Abkommen über militärtechnische Zusammenarbeit – das heißt, Russland liefert Waffen an das afrikanische Land und bildet dessen Militärpersonal aus.

    „Dieses Abkommen im Militärbereich ist Teil eines Gesamtprozesses, um die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und Mosambik in Gang zu bringen“, hieß es aus dem mosambikanischen Außenministerium.

    Zu einer echten Überraschung wurde die Beziehung zwischen Russland und der Republik Kongo – einem Land, in dem Russland, entgegen allen Bemühungen, in Afrika Fuß zu fassen, nicht mal zu Sowjetzeiten präsent war. Eine Zusammenarbeit hatten Moskau und Brazzaville schon 1999 vereinbart, doch bestand die Vereinbarung bis vor Kurzem nur auf dem Papier: Wegen der prowestlichen Position Kongos trat das Abkommen nie in Kraft – bis es vor wenigen Tagen reanimiert worden ist.

    Die Lage habe sich gewandelt, „wir befinden uns in einer Konfrontation mit dem Westen. Und da Russland in Afrika Präsenz zeigt – wir sehen sein Engagement in der Zentralafrikanischen Republik – erneuern wir ein altes Abkommen“, sagte ein kongolesischer Politiker. Laut dem neuen Dokument wird Russland Waffen und Ausrüstung nach Kongo liefern. Außerdem werden kongolesische Fachleute in Russland ausgebildet.

    Moskau verhandelt außerdem mit dem ölreichen Südsudan – das Land braucht dringend Panzerfahrzeuge und schwere Artillerie –, sowie mit Dschibuti, das sein Gebiet dem Meistbietenden für den Bau von Stützpunkten feilbietet.

    Über den Bau eines russischen Stützpunkts nahe dem bereits bestehenden chinesischen und unweit des amerikanischen wurde seit Langem schon verhandelt – mit kurzer Unterbrechung während der Finanzkrise. Für Dschibutis Regierung ist die Präsenz fremder Truppen auf dem Territorium des Landes keine ideologische Frage, sondern eine Einnahmequelle. Dass aber auch Russland einen Flugplatz und eine Marinebasis in dem afrikanischen Staat am strategisch wichtigen Golf von Aden erhält, dagegen sind die Amerikaner. Aber die Verhandlungen gehen weiter.

    Die Amerikaner behaupten, die verstärkte russische Präsenz auf dem Schwarzen Kontinent sei der Auftakt zu einem „Kampf um Afrika“, in dem aber im Unterschied zu Stellvertreterkriegen weniger die militärischen als die polittechnologischen Mittel zum Einsatz kommen werden. Es wird auch behauptet, Russland fahre ein „afrikanisches Projekt“. Ob es ein solches tatsächlich gibt, ist schwer zu sagen. Eines ist gewiss. Zu einer „Konkurrenzzone“, wie es neumodisch heißt, ist der afrikanische Kontinent schon geworden.

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    Tags:
    Finanzhilfe, Finanzkrise, Armut, Privatsoldaten, Zusammenarbeit, Präsident, Sicherheitsdienst, UN, Faustin Archange Touadera, Demokratische Republik Kongo, Kongo, Dschibuti, Sowjetunion, Westen, Russland, Afrika, Zentralafrikanische Republik