00:42 21 Juni 2018
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    Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow (r.) mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi (Archiv)

    Poker um Nordkorea: „Russlands Rolle nimmt zu – und das ist richtig“

    © Sputnik / Eduard Pesow
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    Zunächst besucht der russische Außenminister Pjöngjang, dann verhandelte er mit seinem chinesischen Amtskollegen über die Korea-Regelung – was kann die Regierung in Moskau mit ihren diplomatischen Bemühungen erreichen? Russische Experten analysieren die Lage.

    Der russische Asien-Pazifik-Experte Wladimir Terechow sagte gegenüber Sputnik im Hinblick auf das jüngste Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi, bei diesem Gespräch sei die Position der beiden Länder im Vorfeld des geplanten amerikanisch-nordkoreanischen Gipfels erörtert worden.

    Terechow prognostizierte, dass Russland und China den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un über ihre gemeinsame Position informieren würden: „Russlands Rolle nimmt also zu – und das ist richtig. Nordkorea ist ein Nachbar, der uns nicht gleichgültig ist.“

    Lawrow und Wang waren am Sonntag in Pretoria zusammengetroffen. Wie das chinesische Außenministerium mitteilte, wurde dabei vereinbart, die Koordinierung und das Zusammenwirken in Bezug auf die Lage auf der Koreanischen Halbinsel zu intensivieren. Kurz zuvor hatte Lawrow Nordkorea besucht und mit Kim Jong Un gesprochen.

    Die russische Orientalistin Irina Lanzowa, Dozentin an der Staatsuniversität St. Petersburg, sagte in einem Gespräch mit Sputnik: „Dass ein Vertreter der höchsten russischen Polit-Elite Nordkorea offiziell besucht hat, ist natürlich ein sehr wichtiger Schritt in den bilateralen Beziehungen.“

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    „Was Russlands Rolle bei der Normalisierung der Situation auf der Koreanischen Halbinsel betrifft, muss man begreifen: Russland ist vorerst nicht sehr aktiv an diesen Vorgängen beteiligt, strebt aber eine Beteiligung an. Lawrows Besuch ist ein Beleg dafür“, so Lanzowa.

    „Dabei sollte Russland derzeit sehr diskret Vorschläge unterbreiten, die die Beteiligten künftig mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit interessieren würden. Denn es ist bereits jetzt offensichtlich, dass der Dialog zwischen Kim und Trump nicht gerade der einfachste ist. Auch weiterhin wird es offenbar so sein: ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück. Vor diesem Hintergrund könnte eine vorsichtige und ausgewogene Position Russlands eine positive Rolle spielen, um die beiden allmählich einander näherzubringen und ein gegenseitig akzeptables Muster für eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel auszuarbeiten“, sagte die Expertin. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag bestätigt, dass er am 12. Juni in Singapur mit Kim Jong Un verhandeln wolle.

    Wassili Kaschin, Experte des russischen Fernost-Instituts, schrieb in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“: „Dank der Intensivierung seiner Kontakte mit Russland festigt Nordkorea zusätzlich seine Verhandlungspositionen im Dialog mit den USA. Pjöngjangs Lage ist ohnehin sicherer geworden – dank der beiden erfolgreichen Besuche von Kim Jong Un in China, dem einzigen Land, das über wirksame Instrumente für Druck auf die nordkoreanische Wirtschaft verfügt.“

    „Außerdem agiert China im UN-Sicherheitsrat in der Regel nicht einmal bei jenen Initiativen im Alleingang, die für es selbst wichtig sind. Bei solchen Fragen, bei denen Differenzen mit den USA bestehen, wird China eine Rückendeckung durch Russland anstreben“, so die Prognose von Kaschin.

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    Tags:
    Treffen, Rolle, Krise, Regelung, UN-Sicherheitsrat, Donald Trump, Kim Jong Un, Sergej Lawrow, Wang Yi, China, Russland, Nordkorea