22:33 25 September 2018
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    Prodkution von Röhren für Gaspipeline Nord Stream 2 (Archivbild)

    „Keine Alternative zu Nord Stream 2“ – Energieexperte über Europas Gasbedarf

    © Sputnik / Sergej Guneew
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    Natalia Pawlowa
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    Die europäischen Länder brauchen alternative Transportwege, um ihre Energiesicherheit zu garantieren. Neben der im Bau befindlichen Pipeline Nord Stream 2 ist dabei auch über ein Projekt Nord Stream 3 nachzudenken. Energieexperte Stephan Kohler im Sputnik-Interview anlässlich Wladimir Putins Besuch in Wien.

    Während des Besuches des russischen Präsidenten Wladimir Putin am 5. Juni in Wien soll der in diesem Jahr gefeierte 50. Jahrestag des Beginns der Gaslieferungen aus der UdSSR nach Europa angesprochen werden. Aus europäischer, aber auch aus russischer Sicht habe die 50-jährige Zusammenarbeit eine positive Entwicklung genommen, wie der namhafte deutsche Energieexperte Stephan Kohler im Sputnik-Gespräch sagte.

    „Wir Deutschen, aber auch Europäer, konnten Erdgas sehr stark als Energieträger nutzen, was für die Wärmeversorgung sehr wichtig ist, aber auch in Kraftwerken. Deshalb war die Zusammenarbeit wirtschaftlich hochinteressant, weil wir dadurch einen zusätzlichen Energieträger neben Kohle und Erdöl haben, womit wir unsere Energieversorgung sichern können.“

    Im Gasbereich hätten Russland und die Europäische Union (EU) heute stabile Verhältnisse, so Kohler, obwohl Nord Stream 2 von der EU viel diskutiert und auch kritisiert werde. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Peter Altmaier hätten klargestellt, dass Nord Stream 2 wichtig sei, um die Energieversorgung zu sichern, und zwar zu einem Preis, der die deutsche Wirtschaft konkurrenzfähig mache. Kohler erklärt dazu:

    „Wir stehen in Europa vor großen Herausforderungen. Wir wollen in Deutschland aus der Kernenergie aussteigen. Wir wollen aus Klimaschutzgründen die Nutzung der Kohle reduzieren. Deshalb brauchen wir unbedingt Erdgas als Energieträger. Dazu kommt, dass europäische Erdgasquellen weniger genutzt werden oder zur Neige gehen. Gerade in Holland, einem großen Erdgasproduzenten, hat es Erdbeben (Februar 2018) gegeben, weshalb die Förderung reduziert worden ist. Ich denke, die Zusammenarbeit mit Russland beim Erdgasbezug ist stabil und muss weiter ausgebaut werden.“

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    Die Versuche einiger europäischer Länder und der USA, die Gaspipeline Nord Stream 2 zu behindern, hängen mit eigenen Interessen zusammen. Die Amerikaner wollen ihr Erdgas, das sie durch Fracking gewinnen, an Europa verkaufen. Kohler erklärt dazu:

    „Das können sie natürlich nicht, weil sie konkurrenzunfähig gegen das Pipelinegas aus Russland sind. Das hat nichts mit Solidarität zu tun – die USA haben klare wirtschaftliche Interessen. Auch aus der Ukraine kommt viel Wiederstand (gegen Nord Stream 2). Sie will kein Erdgas aus Russland kaufen, gleichzeitig möchte sie die Durchleitungsgebühr, zwei Milliarden Euro, von russischem Erdgas über das ukrainische Territorium einnehmen. Das halte ich für verlogen.“

    Die Zukunftsperspektive der Verlängerung von Türkisch Stream via Bulgarien, wovon beim jüngsten Treffen von Präsident Putin mit dem bulgarischen Premier Bojko Borisow in Moskau die Rede war, sei für Südeuropa sehr wichtig, betonte der Energieexperte: „Die südeuropäischen Länder benötigen Erdgas. In diesen Ländern werden keine oder sehr wenige Atomkraftwerke gebaut – im westlichen Italien, Österreich, usw. Es macht Sinn, eine gute, differenzierte Pipelineinfrastruktur zu bauen, um den steigenden Bedarf an Erdgas in Europa zu decken.“

    Bezüglich des Baus von Nord Stream 3, das heute auch in Deutschland viel diskutiert wird, sieht Stephan Kohler Handlungsbedarf: Man müsse eine Reserve in der Infrastruktur haben, um beim Ausfall einer Pipeline die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Das sei aber eine Sache der Zukunft. Heute müsse man sich darauf konzentrieren, Nord Stream 2 durchzusetzen und zu bauen. Es gebe keine Alternative zu Nord Stream 2, betonte Kohler.

    „Europa steht vor Herausforderungen, um die Klimaschutzziele zu realisieren, die in Paris verabschiedet worden sind. In Deutschland können wir unsere CO2-Emission im Kraftwerkbereich um 15 Prozent reduzieren, wenn wir von Braunkohle auf Erdgas gehen. Und deshalb ist es eine notwendige Strategie auch unter Klimaschutzgesichtspunkten.“

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    Tags:
    Klimaschutz, Gasprojekt Türkish Stream, Nord Stream 2, EU, Wladimir Putin, Russland, USA, Deutschland, Österreich