00:44 13 Dezember 2018
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    Bundeswehr-Soldat bei einem Nato-Programm in Oberviechtach

    „Zur Lachnummer geworden“: Schweizer Blatt gibt Bundeswehr den Gnadenschuss

    © AP Photo / Matthias Schrader
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    Die schweizerische Zeitung „Tages-Anzeiger“ hat am Dienstag einen höchst kritischen Artikel unter dem Titel „Deutschlands Militär ist zur Lachnummer geworden“ über den Zustand der Bundeswehr veröffentlicht. In dem Beitrag wird die Einsatzfähigkeit des deutschen Armee grundsätzlich infrage gestellt.

    „Die Bundeswehr macht derzeit vor allem sich selber Angst“, meldet der „Tages-Anzeiger“ und führt „Schreckensmeldungen“ an, die die deutsche Öffentlichkeit immer wieder „verstören“. Demzufolge wären beispielweise „nur 4 von 128 Kampfflugzeugen des Typs Eurofighter im Ernstfall voll einsatzbereit“. „Alle sechs deutschen U-Boote“ seien gerade „unpässlich“. Die Versorgung des Personals sei auch jämmerlich: „Den Soldaten fehlen selbst elementare Dinge wie Schutzwesten und lange Unterhosen.“

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    Die Meldungen sollen sowohl „auf alarmierende Missstände hinweisen“ als auch „mindestens ebenso sehr ein Schrei um Aufmerksamkeit“ sein. Derzeit arbeite die neue Große Koalition an den Budgets bis 2021. Je „drastischer die aktuelle Not der Bundeswehr“ in diesem Zusammenhang erscheine, „umso eher erhält sie in der Zukunft zusätzliche Milliarden“, meint die Zeitung.

    Laut dem Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstitut (SIPRI) gab Deutschland 2017 knapp 45 Milliarden Dollar für Rüstungszwecke aus, was 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bedeutet. Damit landete die BRD auf dem neunten Platz unter den Ländern mit den höchsten Militärausgaben weltweit.

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    Dem „Tages-Anzeiger“ zufolge wird der deutsche Wehretat möglicherweise steigen müssen. Ein Grund dafür sei die Forderung des US-Präsidenten Donald Trump an Deutschland und andere europäische Länder, mindestens zwei Prozent ihres BIP für die Aufrüstung zu verwenden. „Die USA (…) wollen die ‚Trittbrettfahrerei‘ nicht länger hinnehmen.“

    Die erhöhte Finanzierung der Bundeswehr könne in der „mehrheitlich pazifistisch gesinnten deutschen Gesellschaft und Politik“ kaum auf ein Einsehen hoffen. „Mental versteht sich das Land vor allem als ‚Friedensmacht‘. Ökonomisch hat es sich daran gewöhnt, die im Kalten Krieg für Panzer und U-Boote eingesetzten Mittel lieber als ‚Friedensdividende‘ in Kitas und Renten zu investieren.“

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    Eine bedeutende Aufrüstung der deutschen Streitkräfte würde wahrscheinlich über diese kritischen Stimmungen stolpern. „Keine andere Nation steht ihren Streitkräften so skeptisch oder gleichgültig gegenüber wie Deutschland“, behauptet die Zeitung mit Verweis auf ausländische Beobachter.

    „Dies demoralisiert nicht nur die Truppe, sondern behindert auch die Bemühungen, jene Fachkräfte zu rekrutieren, die die Bundeswehr für die Herausforderungen der Zukunft so dringend benötigt, etwa im Cyberspace“, so das Blatt. Unter Berufung auf Verteidigungsexperten schätzt es ein, dass die „Bundeswehr mindestens zehn Jahre benötigt, um die Lücken in ihrer Ausrüstung zu schließen – vorausgesetzt, der Etat wächst stetig“.

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    Zuvor war berichtet worden, dass Deutschland bis Oktober 2019 eine Nato-Zentrale in der baden-württembergischen Stadt Ulm fertigstellen würde.

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