01:58 19 September 2018
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    Chinas Flugzeugträger (Archiv)

    Chinas Flugzeugträger: Peking rüstet zum Handelskrieg gegen USA

    © AP Photo / Hu Kaibing/Xinhua
    Politik
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    Chinesische Leitmedien streiten über Chinas Atomprogramm. Und wie es in solchen Fällen meistens ist, lenken die Beobachter das öffentliche Interesse dadurch auf ein größeres Thema: Das deutliche Erstarken der chinesischen Streitmacht insgesamt.

    Peking drücke bei der Entwicklung neuer Atomwaffen aufs Tempo, meldet die Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong. Die chinesische Führung führe durchschnittlich bis zu fünf Atomtests pro Monat durch, womit sie den Rivalen USA deutlich überholt habe. Die Tests fänden natürlich als Simulationen statt, dennoch geht es laut dem Artikel um die Entwicklung von Atomwaffen neuer Generation.

    Die „Gobal Times“ aus der chinesischen Hauptstadt stimmt zu: Ja, fünf Tests pro Monat, das sei schon unwahrscheinlich viel und vor allem unnötig. Doch eigentlich, räumt das Blatt ein, würden Russland, die USA, Großbritannien und Frankreich ebenfalls Simulationen solcherart durchführen – nicht nur, um neue Sprengköpfe zu entwickeln, sondern auch, um die Einsatzbereitschaft der alten zu prüfen.

    Und das Sprachrohr der chinesischen Führung, die Zeitung „Renmin Ribao“, beschwichtigt: China verfüge doch über das kleinste Atomwaffenarsenal aller offiziellen Atommächte – heißt: An neuen Sprengköpfen werde in der Tat gebastelt, aber bitte keine Übertreibungen, es ist nichts Außergewöhnliches daran.

    Parallel dazu veröffentlichen chinesische Medien ausführliche Artikel über den Aufbau der chinesischen Flugzeugträgerflotte. Die „Liaoning“ fährt ja gerade in den südlichen Meeren vor der chinesischen Küste herum: die erste Testfahrt. Die Einsatzbereitschaft habe der chinesische Flugzeugträger nun erreicht. Es könne ein Flugzeugträgerverband gebildet werden, um Einsatzmissionen zu erfüllen (auch Nachteinsätze, die die Piloten jüngst trainiert haben), berichten die Zeitungen.

    >>Mehr zum Thema: „Grundausstattung der Seemächte“: Chinas neuer Flugzeugträger auf Testfahrt

    Insgesamt verfügt China also schon über zwei schwimmende Flugplätze – ein dritter wird gebaut. Was die chinesischen Medien betonen, ist, dass die Volksrepublik aus strategischen Gründen mindestens drei bis vier Flugzeugträgerverbände einsatzbereit haben müsse. Was laut den meisten Quellen bis 2025 auch erreicht sein wird.

    Der „strategische Bedarf“ ist der eigentliche springende Punkt in diesen ganzen Berichten über Atomwaffen und Flugzeugträger. Der Clou ist, dass China sein Umrüstungs- und Modernisierungsprogramm zur gleichen Zeit wie Russland gestartet hat. Und aus dem gleichen Grund. Seit 2012 üben die USA nicht nur auf Moskau starken Druck aus, sondern auch auf Peking.

    Als wichtigster Hebel in der Konfrontation mit Russland dient den USA die Ukraine, als Hebel gegen China benutzt Washington die umstrittenen Gebiete im südchinesischen Meer. Eben deshalb tritt die Entwicklung von Atomwaffen für Peking hinter den Aufbau einer Flugzeugträgerflotte zurück. Neulich sind wieder Kriegsschiffe der USA in die umstrittenen Gewässer eingefahren und wurden von chinesischen Kampfjets verjagt. Alles war wie immer, mit der Ausnahme, dass in der Nähe gerade die „Liaoning“ auf Testfahrt war…

    Da gibt es übrigens noch einen Aspekt. US-Präsident Trump hat wieder einmal seine Unberechenbarkeit demonstriert. Erst vor wenigen Tagen haben sich die Amerikaner und die Chinesen bei Verhandlungen darauf geeinigt, dass es keinen Handelskrieg geben wird: Weder die USA noch China führen für den Anderen Importzölle ein, so der Deal. Plötzlich lässt Trump aber wissen: Es werde nun doch Zölle geben. Auf welche Waren erfahre man am 15. Juni via einer entsprechenden Liste. Sanktionen gegen chinesische Hightechfirmen würden ebenfalls verhängt werden, egal was vorher vereinbart worden sei.

    Wie soll man in so einer Situation überhaupt mit den Amerikanern umgehen? Natürlich wird wieder verhandelt werden. Die Seiten werden versuchen, einander Zugeständnisse abzupressen, und dann bricht Amerika wieder sein Wort. Insofern ist klar: Wenn mit derart harten Bandagen gekämpft wird, dann ist es irgendwie beruhigender, über ein angemessenes Atomarsenal und ein paar Flugzeugträger zu verfügen.

    >>Mehr zum Thema: Wer übernimmt globale Führungsrolle? Antwort liegt in Afrika verborgen

    Dmitri Kossyrew

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    Tags:
    Handelskrieg, Aufrüstung, Flugzeugträger, Atomwaffen, Armee, Medien, Sanktionen, Donald Trump, USA, China