17:24 13 Dezember 2018
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    Ankunft des US-Präsidenten Donald Trump in Kanada zum G7-Gipfel

    „Sechs gegen einen“: Ob das Risiko für die G7 real wäre

    © AP Photo / Evan Vucci
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    Der Ausstieg aus dem Iran-Deal, die Verhängung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium – US-Präsident Donald Trump hat im Vorfeld des kanadischen G7-Gipfels die Stimmung nervös gemacht. Könnte sein Vorgehen die Großen Sieben gefährlich spalten? Russische Experten beschäftigen sich mit dem Thema.

    Nikita Danjuk, Analyst der russischen Universität der Völkerfreundschaft, sagte gegenüber Sputnik: „Wir  sehen, dass Donald Trump den Grad von Vertrauen und Loyalität gegenüber den USA seitens ihrer traditionellen Verbündeten sehr stark zurückgehen ließ – sowohl wegen seiner protektionistischen Entscheidungen im Handels- und Wirtschaftsbereich als auch wegen seines sehr exzentrischen Verhaltens.“

    Donald Trump (l.) und Emmanuel Macron im Weißen Haus (Archivbild)
    © AFP 2018 / Brendan Smialowski
    Amerika-Experte Alexander Domrin, Professor an der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, sagte in einem Gespräch mit Sputnik: „In der G7-Gruppe entsteht derzeit eine interessante Situation.“

    Der französische Präsident Emmanuel Macron trete als informeller Spitzenvertreter Europas auf, denn er fühle sich sicherer als die britische Premierministerin Theresa May oder die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, so Domrin.

    „Gerade Macron wird mit Trump sprechen, obwohl es sich bei den beiden um zwei absolut ungleichsetzbare Größen handelt (Trump hat dies Macron bei dessen USA-Besuch ziemlich gut gezeigt). Trotzdem wird Macron im Namen einer wesentlichen Gruppe europäischer Länder versuchen, Trump über die europäischen Besorgnisse aufzuklären“, sagte der  Experte.

    Im Vorfeld des G7-Gipfels hatte der französische Staatschef sogar mit einer Ausgrenzung der USA gedroht. „Dem amerikanischen Präsidenten mag es egal sein, wenn er isoliert ist. Genauso wenig aber macht es uns etwas aus, eine Vereinbarung von sechs Ländern zu unterzeichnen, wenn die Notwendigkeit dazu besteht“, twitterte Macron, wie die „Zeit“ in ihrer Onlineausgabe berichtete.

    Wie schwer ist das Zerwürfnis in der G7-Gruppe? Könnte diese theoretisch die USA als Mitglied verlieren? Sergej Utkin, Analyst des russischen Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, hält dies für kaum wahrscheinlich.

    Er sagte dem Radiosender BFM: „Nein, niemand wird natürlich die USA ausschließen. Dies würde das Format großenteils sinnlos machen. Für viele sind die USA ja nach wie vor ein Supermacht-Gradmesser. Für den Westen ist das ein maßgeblicher Teilnehmer – unabhängig davon, wie stark die Differenzen zwischen den Ländern sind.“

    „Da wird wohl das Potenzial der diplomatischen Sprache gefragt sein“, so der Analyst. Wie er erläuterte, reden Kommentatoren derzeit viel davon, dass es sich faktisch um keine Gruppe der Sieben handle, sondern um „sechs gegen einen“. Utkin meinte: „Etwas zu unternehmen, um die Gründe für dieses Reden zu reduzieren, wäre im Moment wohl eben die Hauptaufgabe dieses Treffens.“

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    Tags:
    Auseinandersetzungen, Gipfel, Spannungen, Zerfall, Zerwürfnis, Isolation, Drohungen, G7, Donald Trump, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Westen, Kanada, Frankreich, Deutschland, USA