09:28 22 Juni 2018
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    Gipfeltreffen von Donald Trump und Kim Jong Un

    „Jedes Mal wird es Feilschen geben“: Was Nordkorea für Einlenken bekommen könnte

    © REUTERS / Jonathan Ernst
    Politik
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    Das jüngste Gipfeltreffen von Donald Trump und Kim Jong Un reicht laut russischen Experten noch kaum aus, um einen wahren Durchbruch im Nordkorea-Streit zu erzielen. Wie ließe sich ein erneutes ergebnisloses Tauziehen verhindern?

    Der russische Politik-Experte Georgi Bowt äußerte in einem Kommentar für den Radiosender BFM, der nordkoreanische Staatschef wolle Washington in einen langen Verhandlungsprozess hineinzuziehen: „Einen Durchbruch infolge eines einzigen Gipfels sollte man nicht erwarten. Die eigentliche Tatsache eines Treffens mit dem US-Präsidenten, was keiner der bisherigen Nordkorea-Herrscher erlebt hatte, lässt Kim nicht mehr als politischen Welt-Paria gelten und in einer renommierteren Kategorie landen. Nun muss er nicht mehr in dieser Kategorie bleiben, ohne die Macht über das eigene Land zu verlieren“, so Bowt.

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    Wie es in der gemeinsamen Erklärung nach dem amerikanisch-nordkoreanischen Gipfel in Singapur hieß, hat Kim seine Zusage zur vollständigen Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel bekräftigt, während Trump Nordkorea Sicherheitsgarantien zugesagt hat. Wie Trump vor Journalisten nach dem Treffen ankündigte, sollen die gemeinsamen Manöver der USA mit Südkorea gestoppt werden. Ihre Truppenpräsenz auf der Halbinsel wollen die USA allerdings nicht reduzieren. Die bestehenden Sanktionen gegen Nordkorea sollen vorerst bleiben. Auch eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen hält Trump für verfrüht.

    Auslandsexperte Alexej Arbatow, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAW), kommentierte nach Angaben der Agentur RIA Novosti: „Jedes Mal wird es Feilschen geben: ein Abbau der Sanktionen im Tausch gegen irgendwelche Schritte seitens Nordkoreas. Was man mit dem waffenfähigen Plutonium und mit dem Uran tun soll, wie sich die Entsorgung der Munition überprüfen lässt – all dies ist sehr kompliziert und wird viel Zeit in Anspruch nehmen.“

    Georgi Toloraja, Asien-Experte des Wirtschaftsinstituts der RAW, hatte noch im Vorfeld des Gipfels in einem Kommentar für die Zeitschrift „Russia in Global Affairs“ geschrieben: „Solange man den Nordkoreanern keine präzise Beschreibung jener ‚Ware‘ vorlegt, die sie als Gegenleistung für die Denuklearisierung bekommen sollen, wird es äußerst schwer sein, sich mit ihnen zu verständigen. Ob der politische Wille von Trump sowie die Fähigkeiten des analytischen Apparates ausreichen, um eine solche Roadmap zu erstellen, weiß ich nicht.“ 

    „Falls ein solcher Plan ausbleibt, wird sich alles auf eine abermalige Runde des Tauziehens zwischen den USA und Nordkorea beschränken – und das Ergebnis wird genauso wie zuvor sein: eine Festigung der Konfrontation auf einer neuen Ebene“, so Toloraja. Er betonte, eine Umsetzung gegenseitiger Zugeständnisse werde viele Treffen und Gipfel erfordern.

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    Artjom Lukin von der russischen Föderalen Universität Fernost unterstrich jedoch die positive Bedeutung des Gipfels in Singapur. Er wies laut RIA Novosti darauf hin, dass vor einem halben Jahr das Risiko eines Militärkonflikts real gewesen sei: „Nun treffen die Staatschefs Nordkoreas und der USA in einer freundlichen Atmosphäre zusammen, von einem Krieg ist keine Rede mehr. An und für sich ist das bereits eine kolossale Errungenschaft. Wir sind vom Rand des Abgrunds zurückgetreten, ein Dialog hat begonnen.“

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    Tags:
    Krieg, Krise, Gipfel, Kim Jong Un, Donald Trump, USA, Nordkorea
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