13:35 18 Juni 2018
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    Im Sputnik-Interview sprach Hannes Hofbauer bei der Präsentation der russischen Ausgabe seines Buches „Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung“ über Amerikas Sanktionen und die Zwiespältigkeit der US-Politik unter Trump, das Doppelspiel Deutschlands sowie über Fußball und Politik.

    Herr Hofbauer, wie hat sich das Russlandbild im Westen verändert, seitdem Ihr Buch 2016 herausgegeben wurde? Ist es freundlicher geworden?

    Das Russlandbild ist nicht freundlicher geworden. Mit den ersten Sanktionen im März 2014 gab es ein gewisses Erstaunen von Leuten, dass Russland plötzlich unter Sanktionen gesetzt wird. Das haben viele nicht verstanden. Vor allem leidet die Wirtschaft, die mit Russland Handel betreibt. Aber auch die einfachen Leute haben das nicht verstanden, warum Russland plötzlich als Feind dargestellt wird. Mittlerweile hat sich dieses feindliche Bild durch die Medien sogar verfestigt. Es ist nicht mehr so selbstverständlich, dass man dagegen auftritt. Es war lange Zeit so, dass die Leute gemeint haben, das ist eigentlich ein Blödsinn, diese Sanktionen. Aber sie schaden uns nicht. Jetzt haben die Amerikaner die Sanktionen stark verschärft. Da werden die Stimmen leiser, die sich dagegen auflehnen.

    Andererseits gibt es wiederum von der amerikanischen Seite, von Donald Trump, nicht eine Politik, sondern verschiedene Positionen. Der Staat in Amerika ist absolut antirussisch. Donald Trump selbst ist jedoch nicht antirussisch eingestellt. Da er aber keine eigene Politik machen kann, gibt es von Donald Trump immer wieder Signale zu einer ausbilanzierteren Politik gegenüber Russland, beispielsweise seine Forderung, Russland wieder in die G8 aufzunehmen, die dann sofort von Deutschland zurückgewiesen wurde. Es ist ein Doppelspiel, und das Publikum ist schon müde, darüber informiert zu werden. Das ist schon ein Problem.

    Sie haben gesagt, Trumps Politik ist widersprüchlich. Man spekuliert jetzt über ein Treffen von Trump und Putin, und Wien hat schon seine Vermittlung angeboten. Was halten Sie davon?

    Das wäre toll, wenn es zu so einem Treffen kommen würde. Eigentlich wäre es eine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, wo es so eine gefährliche Situation gibt. Wir haben ja zwei Kriege – in der Ostukraine und in Syrien zwischen den Amerika-geführten Nato einerseits und russischen Verbündeten und Russland andererseits –, die quasi als Stellvertreterkriege stattfinden. Es ist höchst an der Zeit, so ein Treffen zu veranstalten. Es kann zu nichts Schlechtem führen, es kann nur zu etwas Positivem führen, auch wenn vielleicht bei einem ersten Treffen nicht sehr viel herauskommt. Dazu muss man sagen, dass eben die Positionen im Westen unterschiedlich sind. Mich hat zum Beispiel verwundert, dass Angela Merkel auf die Ansage von Donald Trump, Russland wieder in die G8 aufzunehmen, sofort „Nein“ gesagt hat, ohne nachzudenken. Da hätte sie sich doch mit einer Reihe von Leuten aus ihrem Kreis oder auch mit anderen EU-Staaten beraten können, beispielsweise mit der neuen italienischen Regierung, die ja ganz offensichtlich die Russland-Feindschaft nicht mehr will. Aber sie hat spontan „Nein“ gesagt, und das ist wiederum kein gutes Zeichen. Umso notwendiger wäre jetzt ein Putin-Trump-Treffen.

    Warum verhält sich Angela Merkel so? Sie sprach ja vor kurzem mit Putin in Sotschi, und es schien, dass sich die Situation zwischen Deutschland und Russland etwas verbessert hat…

    Es gibt die Europäische Union als geeinte Kraft nicht mehr. Das ist lange bekannt. Es gibt keine europäische Außenpolitik, sondern jeder spielt da auf seinem eigenen Klavier. Aber mittlerweile gibt es auch keine einheitliche amerikanische Politik mehr. Das ist schon neu. Zumindest in den letzten Jahren neu geworden, weil ein Präsident an der Macht ist, der überhaupt nicht mit dem militärisch-industriellen Komplex in irgendeiner Form verbunden ist. Und der militärisch-industrielle Komplex hat meiner Meinung nach sehr viel Macht in den USA. Er ist eindeutig russlandfeindlich eingestellt, und Donald Trump ist offensichtlich nicht in der Lage, vielleicht auch nicht willens, irgendetwas daran zu ändern.

    Es ist aber durch die Sanktionen, die der Senat und der Kongress in diesem Jahr verschärft haben, klar geworden, dass der amerikanische Präsident allein die Sanktionen nicht mehr aufheben kann. Da hat sich eine Information ergeben, die in völligem Widerspruch zur eigentlichen Machtfülle des amerikanischen Präsidenten steht.

    Wir sprechen am Vorabend der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft in Russland. Manche Politiker wollen aus diesem Anlass nach Russland kommen. Die britischen Politiker rufen aber auf, diese Spiele zu boykottieren. Ist die Politik etwa mit Fußball verbunden?

    Man sagt immer, der Sport soll nicht politisch instrumentalisiert werden. Er ist aber immer politisch instrumentalisiert gewesen. Da braucht man sich keinen Illusionen hingeben. Die Frage ist nur, in welche Richtung. Sind die Kräfte stark, die den Sport nutzen, um etwas Verbindendes politisch auf die Beine zu stellen, oder sind die Kräfte stark, die den Sport nützen, um weitere Keile zwischen Russland und dem Westen zu treiben?

    Und da gibt es im Westen eben sehr starke Kräfte, die das Zweite wollen. Das ist schlecht. Auf der anderen Seite kommt es letztlich darauf an, wer dann im Finale spielt! Es ist zu wünschen, ein bisschen scherzhaft formuliert, dass Talente im Finale spielen, deren Präsidenten dann auf jeden Fall nach Moskau kommen. Leider ist Österreich nicht dabei…

    Zum Thema:

    „Verzerrtes Medienbild von Russland“: Diskussion mit Chruschtschows Enkelin in Berlin
    Tags:
    Medienbeiträge, Hetze, Buch, Russen, Russophobie, Interview, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Fußball-WM 2018, Hannes Hofbauer, Donald Trump, Angela Merkel, Wladimir Putin, Westen, Sotschi, Wien, Österreich, Deutschland, USA, Russland
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