20:22 21 Oktober 2018
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    S-400-Raketenabwehrsystem (Archivbild)

    Waffendeal mit USA: Ankara bezichtigt Washington der Erpressung

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    Politik
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    Der türkische Verteidigungsminister Nurettin Canikli hat die Forderung der USA, den Kaufvertrag über russische Fla-Raketen-Komplexe S-400 aufzukündigen und damit der von den USA gestellten Bedingung für die Lieferung von F-35-Jagdbombern an die Türkei nachzukommen, als Erpressung eingestuft.

    „Die Erfüllung dieser Bedingung ist unannehmbar. Diese Situation kann als Erpressung gewertet werden“, zitiert die Agentur Anadolu den Minister.

    Eine derartige Forderung gehe über den Rahmen aller zulässigen diplomatischen Normen und Handelsbeziehungen hinaus, so Canikli. Ihm zufolge erwartet Ankara von Washington termingerechte Lieferungen von F-35-Jagdflugzeugen entsprechend dem geschlossenen Abkommen.

    „Die Seiten hatten die Verpflichtungen aus dem Vertrag über F-35 übernommen. Die Türkei hat ihren Teil der Forderungen erfüllt. Neun Nato-Mitgliedsländer haben unter der Schirmherrschaft der USA eine Beratung abgehalten und die gemeinsame Produktion von F-35 beschlossen. Nun ist die Lieferung fällig“, sagte der Minister.

    Canikli verwies darauf, dass Ankara laut dem Vertrag rund elf Milliarden Dollar für 100 Jagflugzeuge fünfter Generation zu zahlen habe. 800 Millionen davon seien bereits überwiesen worden.

    „Ankara kommt seinen Verpflichtungen nach und erwartet nun naturgemäß, dass die Jagdflugzeuge geliefert werden“, so Canikli. Er erinnerte daran, dass der türkische Flugzeugbaukonzern TAI einen Teil von Bauteilen für F-35-Maschinen herstelle.

    Die Türkei und Russland hatten im Dezember 2017 ein Kreditabkommen über die Lieferung des russischen Raketenabwehrsystems S-400 unterzeichnet. Demnach soll Ankara zwei S-400-Batterien erwerben, die von türkischen Soldaten bedient werden sollen. Die Seiten vereinbarten auch eine technische Zusammenarbeit bei der Aufnahme der Produktion solcher Waffen in der Türkei.

    Die USA und andere Nato-Länder haben Ankara wiederholt wegen des Deals mit Russland kritisiert. So hat der Berater des US-Außenministers, Wess Mitchell, warnend darauf hingewiesen, dass der Kauf von S-400-Anlagen sich auf die Lieferung von F-35-Maschinen an die Türkei negativ auswirken könne. Eine Gruppe von Senatoren legte dem US-Kongress einen Gesetzentwurf über die Einschränkung dieser Lieferungen vor.

    Daraufhin versprach der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, Gegenmaßnahmen, darunter eine Kooperation mit Russland in diesem Bereich, zu ergreifen, sollte die Lieferung von US-Kampfjets an die Türkei blockiert werden.

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    F-35, Vertrag, Lieferungen, S-400, Agentur Anadolu, Mevlüt Çavuşoglu, Türkei, USA, Russland