14:16 19 Oktober 2018
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    Ueli Maurer (links) neben Botschafter Sergej Garmonin beim Empfang der russischen Botschaft in Bern am 14. Juni 2018

    Schweizer Minister Ueli Maurer: „Ohne Russland geht es nicht“

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    Tilo Gräser
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    Beide Seiten müssen sich aufeinander zu bewegen. Das sieht der Schweizer Bundesrat und Chef des Finanzdepartements Ueli Maurer als Chance für ein besseres Verhältnis des Westens zu Russland. Er sieht die neutrale Schweiz in der möglichen Vermittler-Rolle, während sie derzeit noch die westliche Position gegenüber Moskau mitträgt.

    Ueli Maurer kommt von der Schweizer Volkspartei (SVP), war deren Vorsitzender und ist seit 2008 Bundesrat. Als solcher ist er seit 2016 Departementsvorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), was dem Amt eines Finanzministers entspricht. 2013 war er ein Jahr lang Bundespräsident der Schweiz – ein Amt, das jährlich ein anderer Bundesrat übernimmt. Beim Empfang der Botschaft Russlands in Bern am Donnerstag aus Anlass des Nationalfeiertages und der Fußball-WM-Eröffnung hatte Sputniknews die Möglichkeit, mit dem Schweizer Politiker zu sprechen. Im Interview äußert Maurer sich zum Verhältnis Schweiz-Russland und gibt einen Tipp für die WM ab.

    Herr Maurer, Sie sind heute beim Empfang der russischen Botschaft aus Anlass des Nationalfeiertages Russlands und der Übertragung des Eröffnungsspiels zur Fußball-WM in Moskau. Warum haben Sie als Minister der Schweizer Regierung diesen Anlass wahrgenommen?

    Ich bin eigentlich eher privat hierhergekommen, weil ich Russland schätze. Ich habe viele Bekannte von dort. Der Sport ist sozusagen immer eine hervorragende Brücke. Und ich denke, wir haben das mit Russland im Moment etwas nötig, wieder Brücken zu bauen.

    Wie schätzen Sie als Politiker das russisch-westliche Verhältnis und das russisch-schweizerische Verhältnis ein? Gibt es da Unterschiede? Hat die Schweiz ein anderes Verhältnis zu Russland in diesen schwierigen Zeiten?

    Ja, in diesen schwierigen Zeiten haben wir natürlich auch ein nicht so einfaches Verhältnis – wir tragen diese Sanktionen mit. Aber Russland ist das Land, mit dem wir seit 200 Jahren politische Beziehungen pflegen, 50 Jahre länger als mit Deutschland. Das ist eine lange Geschichte. Die war immer sehr, sehr freundschaftlich. Wir haben immer noch recht viele Beziehungen mit Russland. Wir sind etwas weniger frostig vielleicht als gerade Europa. Aber ich denke, wir haben eine ähnliche Position wie Deutschland. Wir glauben eigentlich, dass es für europäische Probleme am Schluss immer wieder auch Russland braucht. Ohne Russland geht das nicht.

    Der russische Botschafter Sergej Garmonin hat in einem Interview die politische Position der Schweiz sehr gelobt und sich erfreut gezeigt. Wie schätzen Sie als Schweizer Politiker das ein: Was könnte getan werden, um das Verhältnis des Westens zu Russland wieder zu verbessern?

    Wahrscheinlich brauchen wir dafür erstens etwas Zeit. Und es braucht ein Entgegenkommen von beiden Seiten.

    In welchen Bereichen zum Beispiel?

    Ich habe eigentlich das Gefühl, man hat sich vor allem persönlich etwas entfremdet. Herr Putin ist zu so einem Schreckensbild geworden, das er ja vielleicht auch ist. Aber ich denke, man muss so etwas immer wieder auch persönlich mit Brücken überwinden. Vielleicht hilft der Sport – weil ich mich viel im Sport bewege –, und der Sport kann eigentlich Brücken bauen. Man sieht das jetzt bei Korea. Vielleicht löst Russland und die Weltmeisterschaft etwas Ähnliches aus.

    Spielt die Schweiz in diesen schwierigen Verhältnissen eine aktive Vermittlerrolle, die sie ja in verschiedensten internationalen Konflikten immer wieder einnimmt?

    Wir haben aktuell Mandate von Russland in Georgien. Wir haben freundschaftliche Beziehungen, aber nicht mehr. Ich denke, wir können und wollen auch nicht gegen die EU etwas machen. Aber vielleicht kann man wie heute Abend hier ein Zeichen setzen und sagen: Trotz allem, wir bleiben Freunde.

    In Deutschland setzt sich die AfD auch für ein anderes Verhältnis zu Russland ein. Was sagen Sie als SVP-Politiker dazu?

    Ich denke, die Schweiz nimmt bewusst eine Rolle als neutraler Staat ein und pflegt diese. Das ist auch die Rolle, die wir als SVP pflegen. Aber neutral sein heißt eben auch, niemanden wirklich auszuschließen. Und gerade in schwierigen Zeiten braucht es Länder, die dann wieder eingreifen können, die vermitteln können. Vielleicht kommt der Schweiz wieder einmal eine solche Rolle zu.

    Ein Tipp noch von Ihnen für die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Schweiz ist wie Russland dabei. Was ist Ihr Tipp? Wie weit kommen beide? Und wer wird Weltmeister?

    Das kommt darauf an, ob wir Deutschland im Achtelfinale schlagen (lacht). Für mich ist Deutschland einer der Favoriten, ganz klar. Sie haben einfach ein gutes System. Sie sind eine Wettkampf-Mannschaft. Russland dürfte vielleicht die Achtelfinale schaffen, und die Schweiz auch. Dann ist Endstation für beide.

    Die Schweiz hat viele Spieler aus der Bundesliga, dort aktiv und ehemals aktiv. Ist das eine Chance, vielleicht nah an Deutschland heranzukommen?

    Nein, Deutschland ist schon noch eine Klasse besser. Wir haben sehr viele Fortschritte gemacht. Wir haben gute Individualisten, jetzt auch ein gutes Team. Aber wir haben nicht die Klasse als Team, die Deutschland hat.

    Herzlichen Dank für das Gespräch.

    Das vollständige Interview mit Ueli Maurer zum Nachhören:

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    Tags:
    Sanktionen, Neutralität, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Fußball-WM 2018, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Schweizerische Volkspartei (SVP), Ueli Maurer, Deutschland, Russland, Schweiz