20:33 22 Juli 2018
SNA Radio
    Kim Jong-un beim Gipfeltreffen mit Donald Trump

    USA-Experte: „Kim Jong-un wird seine Lebensversicherung nicht abgeben“

    © REUTERS / Jonathan Ernst
    Politik
    Zum Kurzlink
    Bolle Selke
    14863

    „In Nordkorea ist der Nuklearzug abgefahren“, sagt Josef Braml. Man habe gesehen, was mit Staaten passiert sei, die keine Atomwaffen als Lebensversicherung haben. Der Politologe erwartet, dass sich der Fokus wieder auf den Iran richtet: „Ich rechne damit, dass die USA noch in diesem Jahr Präventivschläge gegen den Iran vornehmen werden.“

    „Trump dachte, er könnte den nordkoreanischen Führer ins Bockshorn jagen“, kommentiert der USA-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik Josef Braml im Sputnik-Interview den Nordkoreagipfel. „Der nordkoreanische Führer hat nicht klein beigegeben. Trump musste dann das Spielchen weiterspielen. Jetzt hat man dann einen auf Frieden gemacht. Viele rufen schon den Friedensnobelpreis für die beiden aus. Ich würde nicht so weit gehen. Ich glaube, das war alles Show.“

    Nordkorea habe die Nukleartechnologie und sei gut beraten, diese Kapazität nicht mehr herzugeben. Vor allem, wenn man die Regime anschaue, die ihre Nuklearwaffen aufgegeben hätten:

    „Denken Sie nur an die Ukraine. Die steht heute nicht mehr so gut da. Oder Gaddafi in Libyen: Sein Zelt steht auch nicht mehr. Das hat sich auch nach Nordkorea rumgesprochen. Also werden die einen Teufel tun, ihre Lebensversicherung preiszugeben.“

    Iran im Fokus

    Auch die USA würden wissen, dass da nichts mehr zu machen sei. Deswegen erwartet Braml demnächst einen anderen Fokus – nämlich auf den Iran. Die Amerikaner und vor allem auch die Israelis würden nun dafür sorgen, dass die Iraner keine Nuklearoption bekommen würden. In Nordkorea sei es dafür zu spät. Braml erklärt:

    „Wenn der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier recht hatte, dass man mit diesem Nukleardeal einen Krieg verhindert habe – und ich glaube, da hat er recht – dann muss jetzt auch der logische Umkehrschluss gelten, wenn dieser Deal aufgekündigt wird, dann besteht Kriegsgefahr. Ich rechne damit, dass die USA noch in diesem Jahr Präventivschläge gegen den Iran vornehmen werden.“

    Kim am Ziel

    Kim habe durch den Nordkoreagipfel erhalten, was er innenpolitisch gebraucht habe. Die Tatsache, dass Trump und die USA jetzt auf Manöver mit Südkorea verzichten würden, verunsichere Südkorea und Japan. Das sei allerdings vielleicht auch von Trump gewollt, „damit die künftig noch mehr Tribut zollen, für den Schutz, den die USA gewähren können oder nicht.“

    Trump und Kim haben sich Anfang dieser Woche in Singapur getroffen. Bei dem amerikanisch-nordkoreanischen Gipfel, dem ersten in der Geschichte, einigten sich die Seiten auf eine vollständige Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Die USA gaben Nordkorea im Gegenzug Sicherheitsgarantien.

    Weitere Analysen von Josef Braml gibt es hier.

    Das komplette Interview mit Josef Braml zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Moskau für schnellstmögliche Aufhebung von Nordkorea-Sanktionen
    VIDEO Trump salutiert vor Nordkorea-General – Weißes Haus in Erklärungsnot
    Schnüffelt US-Überschalljet nahe Nordkorea-Grenze? VIDEO
    USA nennen angestrebte Frist nuklearer Abrüstung Nordkoreas
    Tags:
    Kriegsgefahr, Denuklearisierung, Atomabkommen, Atomwaffen, Nordkorea-Gipfel, Muammar al-Gaddafi, Frank-Walter Steinmeier, Josef Braml, Kim Jong-un, Donald Trump, Ukraine, Libyen, Koreanische Halbinsel, Japan, Südkorea, Iran, USA, Nordkorea
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren