20:26 18 November 2018
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    Ein Soldatenhelm an der Frontlinie im Donbass (Archivbild)

    Menschen-Safari im Donbass: Europäer sollen für Schüsse auf Zivilisten gezahlt haben

    © Sputnik / Waleri Melnikow
    Politik
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    Die Milizen der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk im Osten der Ukraine erheben schwere Vorwürfe gegen die ukrainischen Regierungstruppen: Deren Soldaten sollen im Kampfgebiet das Schießen auf Zivilisten anbieten – gegen Bezahlung.

    Der Donezker Volkswehr sind nach ihren eigenen Angaben mehrere Fälle der „kommerziellen Jagd auf Menschen“ bekannt. Erst vor wenigen Wochen sollen ukrainische Soldaten vier Ausländer gegen Bezahlung an ihre Stellungen südwestlich der abtrünnigen Millionenmetropole Donezk gelassen und Schüsse auf Zivilisten jenseits der Frontlinie erlaubt haben.

    „Uns ist bekannt, dass vier betuchte Westeuropäer Anfang Juni im Raum Marjinka eingetroffen waren. Sie bezahlten ukrainische Kommandeure, um an die Stellungen zu kommen“, berichtete Hauptmann Daniil Bessonow von der Donezker Volkswehr am Sonntag vor Journalisten in Donezk.

    Geschossen hätten die „Jäger“ aus einem „Karabiner mit gezogenem Lauf, der nicht zur Standardausrüstung der ukrainischen Armee gehört“. „Nach unseren Aufklärungsangaben werden solche Safaris bei der 30. Brigade Marjinka und der 93. Brigade Dokutschajewsk betrieben“, sagte Bessonow weiter.

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    Erstmals habe es diese Art von „Attraktion" nach dem Formatwechsel der ukrainischen Militäroperation im Kampfgebiet gegeben, nachdem der ukrainische Geheimdienst SBU seine Verantwortung dem Militär übertragen habe.

    Die ukrainischen Offiziellen haben diesen Vorwurf vorerst nicht kommentiert.

    Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte Ende April die seit vier Jahren laufende „Anti-Terror-Operation“ im abtrünnigen Donbass für beendet erklärt und zugleich den Beginn einer „Operation der Vereinten Kräfte“ angekündigt. Der symbolische Formatwechsel hat den Waffeneinsatz in der Region in Friedenszeiten legalisiert.

    Im Osten der Ukraine schwelt seit mehr als vier Jahren ein militärischer Konflikt. Die ukrainische Regierung hatte im April 2014 Truppen in die östlichen Kohlefördergebiete Donezk und Lugansk geschickt, nachdem diese den nationalistischen Staatsstreich in Kiew nicht anerkannt und unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Bei den Gefechten zwischen dem Kiew-treuen Militär und den örtlichen Bürgermilizen sind laut UN-Angaben mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Formell gilt in der Region Waffenstillstand, der von beiden Seiten jedoch verletzt wird.

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    Donbass, Ukraine