02:32 12 Dezember 2018
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    Chinas Reizfaktoren – und Chancen auf Beistand im Streit mit Trump

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    Politik
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    Einst hat Nixon mit seinem Besuch in Peking den Weg für Kontakte mit China geebnet – nun lässt Trump die Differenzen eskalieren, wie ein russischer Fernost-Experte einschätzt. Ein anderer Analyst prognostiziert, dass China versuchen würde, bei Europa, Kanada und Mexiko Unterstützung zu suchen, um sich den USA im Handelsstreit zu widersetzen.

    Wladimir Portjakow, Vizechef des Fernost-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, schreibt in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“, der China-Besuch von US-Präsident Richard Nixon im Jahr 1972 sei ein Wendepunkt der Zeitgeschichte gewesen. Ihm sei später ein aktiver Ausbau der Kontakte zwischen China und den USA gefolgt.

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    Die Geschichte des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses sei aber ein krasses Beispiel dafür, wie ein Partner zu einem Konkurrenten werden könne. Die unter Barack Obama gestartete „Rückkehr“ der USA nach Asien habe eigentlich darauf abgezielt, die sich abzeichnende Dominanz Chinas in der Region zu verhindern, unterstreicht der Experte und verweist auf die Eskalation der Differenzen unter Donald Trump.

    „Die Frage nach dem Status Taiwans ist bei weitem nicht das einzige chinesische Fettnäpfchen, in welches die USA aktiv und nicht ohne Vergnügen treten. Ein Reizfaktor in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen ist seit Jahren das Thema Südchinesisches Meer“, hießt es im Kommentar mit Verweis darauf, dass China weite Teile dieses Meeres beansprucht, während die USA dort hin und wieder sogenannte Operationen zur Sicherung der Navigationsfreiheit durchführen.

    „Hinzu kommt der von Trump in die Wege geleitete groß angelegte Handelskrieg gegen China, der zu einem Höhepunkt der Reibungen zwischen den beiden Ländern wurde. Komischerweise nennt der US-Staatschef den chinesischen Präsidenten nach wie vor einen 'Freund', als sei nichts passiert“, so Portjakow.

    Trump hatte kürzlich 25-prozentige Strafzölle auf chinesische Waren im Gesamtwert von 50 Milliarden US-Dollar jährlich verhängt. Wie der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer erläuterte, sollen die Zölle ab 6. Juli erhoben werden. China kündigte Vergeltungszölle an.

    Alexander Gabujew, Asien-Pazifik-Experte des Carnegie Moscow Center, prognostizierte gegenüber Sputnik: „China wird jetzt versuchen, eine gemeinsame Front mit der EU, Kanada und Mexiko zu schmieden, um sich den USA zu widersetzen; es wird versuchen, davon Gebrauch zu machen, dass Trump beim jüngsten G7-Gipfel in Kanada mit dem kanadischen Premier Justin Trudeau und mit EU-Spitzenvertretern in Zank geraten war. Natürlich werden die Chinesen versuchen, einen gemeinsamen Block mit ihnen aufzubauen.“

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    Allerdings wies Gabujew darauf hin, dass es noch Zeit gebe, bis die neuen US-Zölle in Kraft treten würden: „Möglicherweise wird man jetzt Maßnahmen treffen, um einen Kompromiss zu erzielen. Denn diese 50-Milliarden-Dollar-Tarife sind ein weiterer Schritt in dem Drama, das wir in den letzten Monaten beobachten. Dabei kommt es periodisch zu einer Zuspitzung, dann findet ein Besuchsaustausch von Delegationen statt und es gelingt, Vereinbarungen zu treffen, doch daraufhin platzt der jeweilige Deal – oder die USA gehen eine Eskalation ein, um Bedingungen auszuhandeln, die besser wären als zunächst vereinbart.“

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    Tags:
    Handelskrieg, Strafzölle, Konflikt, Streit, EU, Donald Trump, Europa, Taiwan, China, USA