07:55 17 Dezember 2018
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    Der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus

    FPÖ-Klubobmann Gudenus über WM-Stimmung, Sanktionen und Sympathie für Russland

    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Politik
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    Nikolaj Jolkin
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    Der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus ist begeistert, dass er viele Menschen aus allen Ländern der Erde freundlich auf den Gehsteigen von Moskaus spazieren gesehen hat, die Spaß haben, jubeln, einfach gerne in Russland sind und ihren Mannschaften zujubeln und fiebern.

    Das sei das Ziel dieser Fußball-Weltmeisterschaft, über ein sportliches Ereignis Völker zusammenzubringen und im Endeffekt ein Stück Frieden mehr auch zu bewirken, sagte er in einem Interview mit Sputnik. Die Aufrufe an Staatsführer und Politiker, dem Turnier aus politischen Gründen fernzubleiben, hält er genauso wie die Sanktionen gegen Russland prinzipiell nicht für angemessen.

    Die FPÖ müsse aber die politischen Realitäten anerkennen, so Gudenus. Die Sanktionen seien eine Entscheidung der Europäischen Union. „Wir arbeiten seitens der Freiheitlichen Partei und der österreichischen Bundesregierung darauf hin, diese Sanktionen Schritt für Schritt abzubauen.“

    Allzu viel FPÖ-Sympathie für Russland?

    Es gebe negative Menschen, antwortet FPÖ-Klubchef, „denen sympathische Menschen anscheinend nicht geheuer sind, und wir sind anscheinend anderen Ländern und auch Russland gegenüber sympathisch. Warum sollte man besondere Freundschaften nicht auch weiter pflegen? Wir lassen uns nicht reinreden. Es liegt im Interesse Österreichs, speziell zu Russland, aber auch zu anderen Ländern, aber in erster Linie zu Russland gute Kontakte zu haben.“

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    Johann Gudenus erinnert daran, dass man vor zwei Wochen 50 Jahre Vertrag OMV — Gasprom gefeiert habe. „Es ist eine ganz wichtige Sache für Österreich, für beide Länder und für die Energiesicherheit. Das war immer verlässlich — im Kalten Krieg und jetzt auch. Und das soll weiter gehen und vieles andere mehr. Wir haben gute Handelsbeziehungen, leider eingeschränkt durch die Sanktionen, aber in vielen Bereichen doch wieder wachsend. Und das wollen wir ausbauen.“

    Er habe überhaupt kein Interesse daran, diese guten Beziehungen irgendwie zerstören zu lassen. „Sollen andere Länder handeln wie sie wollen, wir versuchen zu allen Teilen der Erde gute Beziehungen zu pflegen. Und zu Russland gibt es besondere Beziehungen.“

    Abbau antirussischer Sanktionen in Sicht?

    „Wir arbeiten daran, sie schrittweise abzubauen“, so Gudenus, „aber gehen gemeinsam mit den europäischen Partnern. Und man sieht schon, dass einige Wahlgänge in verschiedenen Ländern der EU in letzter Zeit gezeigt haben, dass es ein Umdenken gibt. Die Menschen haben schon längst umgedacht, und das äußert sich jetzt auch in der Politik und in Wahlergebnissen, Beispiel Italien und Visegrad-Staaten usw. Schade, dass es so langsam in die richtige Richtung kommt.“

    Putin und Trump nach Wien holen

    Der FPÖ-Politiker sagt weiter: „Wir werden das weiter verfolgen und schauen, dass wir auch einen Beitrag dazu leisten können, möglicherweise auch im Rahmen des EU-Ratsvorsitzes Österreichs, wo wir eine Dialogplattform darstellen, den neutralen Status Österreichs präsentieren und ausbauen wollen. Wir wollen auch schauen, dass wir Putin und Trump nach Wien einladen, damit dieses kleine Land Österreich dann doch eine vergleichsweise größere Rolle erhält, nämlich als Brückenbauer. So sehen wir unsere Rolle.“

    Wenn man den Menschen zuhöre, solle die Politik danach auch handeln, und man ein normales Verhältnis zu Russland und zu den USA haben, ist sich Gudenus sicher, aber kein einseitiges Verhältnis. Dies tue niemandem weh. „Und es ist ja nicht ausgeschlossen, Trump dort auch zu kritisieren. Man kann alles Mögliche kritisieren, aber deswegen soll man keine wirtschaftlichen Beziehungen abbrechen. Wenn man danach geht, dass der Menschenrechtsstatus da und dort nicht in Ordnung ist, dann müsste man die Beziehungen zu zwei Dritteln der Welt abbrechen. Unrealistisch.“

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    Trump treffe sich mit Nordkorea, so der FPÖ-Klubobmann. „Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Wenn man jetzt schaut, dass die Türkei noch einen Beitrittsstatus zur Europäischen Union hat, wogegen wir auftreten, und dort werden die Menschenrechte mit Füßen getreten. Russland wird aber sanktioniert. Erdogan festigt seine Macht autokratisch und führt einen Angriffskrieg nach Syrien hinein, ohne Abstimmung mit der UNO und anderen Partnern.“

    Diese Politik sei unseriös, so Gudenus, „und die Menschen merken das. Wir sehen aber eine Politik, gemessen an ihren Interessen.“

    Das komplette Interview mit Johann Gudenus zum Nachhören:

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    Tags:
    Sanktionen, Verhältnisse, Boykott, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, OMV, EU, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), Donald Trump, Wladimir Putin, Türkei, Russland, Österreich