21:51 18 Dezember 2018
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    Ex-FBI-Chef James Comey (Archiv)

    Ex-FBI-Chef Comey über „Russia-Gate“: „Putin hasst Hillary Clinton“

    © AP Photo / Jose Luis Magana
    Politik
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    Alexander Boos
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    James Comey, früherer Chef des FBI, macht in Berlin Werbung für sein neues Buch. Er spricht über seine Entlassung durch US-Präsident Donald Trump sowie seinen Glauben an eine angebliche „russische Einmischung“ in die US-Wahlen. Aktuelle Berichte von mehreren US-Behörden belegen, dass es diese nicht gab. Sie kritisieren ebenso Comeys Führungsstil.

    Viele gute Polit-Thriller beginnen mit dem Ende. Auch die Geschichte vom Abtritt des James Comey als Direktor des Federal Bureau of Investigation (FBI) lässt sich vom Ende her gut erzählen. Im Mai 2017 erfuhr er in den Fernseh-Nachrichten von seiner Entlassung durch US-Präsident Donald Trump. „Ich hatte Trump wiederholt mitgeteilt, weshalb die Russland-Ermittlungen für die US-Regierung wichtig seien und er diese ernst nehmen solle“, sagte Comey auf der Veranstaltung am Dienstagabend im Berliner „Kino International“. Zu dieser hatten das Magazin „Die Zeit“, das US-amerikanische Forschungsinstitut „American Academy in Berlin“ sowie der DroemerKnaur-Verlag geladen. Letzterer gibt die aktuelle Autobiografie „Größer als das Amt“ vom Ex-FBI-Chef auf Deutsch heraus.

    Ex-FBI-Chef James Comey
    © REUTERS / Joshua Roberts
    „Ich dachte“, erzählte Comey, „wenn ich Trump die Wichtigkeit der FBI-Untersuchungen zu den angeblichen russischen Wahl-Beeinflussungen mitteile, ergibt es für ihn keinen Sinn, den Chef des FBI zu feuern.“ Der Jurist war damals in Los Angeles bei einer Veranstaltung zur Rekrutierung von FBI-Agenten, als er die Nachricht von seiner Entlassung über die TV-Bildschirme flimmern sah.

    Angebliche russische Wahl-Manipulation

    Was war der Entlassung vorausgegangen? Bereits seit dem Amtsantritt von Trump hatte Comey laut Eigenaussage bemerkt, dass er wohl nie mit diesem Präsidenten zusammenarbeiten könne. Trump forderte von ihm „persönliche Loyalität. So wie ein Mafia-Boss. Diese stellte der neue Chef im Weißen Haus sogar über die politische Neutralität der Institution FBI.“

    Ex-FBI-Chef James Comey (links) während der Veranstaltung im „Kino International“ in Berlin.
    © Sputnik / Alexander Boos
    Ex-FBI-Chef James Comey (links) während der Veranstaltung im „Kino International“ in Berlin.

    Schon bei „meinem ersten Treffen mit Donald Trump im Trump Tower am Freitag, dem 6. Januar 2017, forderte Trump von mir Loyalität“, berichtete Comey vor mehreren Hundert Zuhörern. „Ich traf ihn zusammen mit den Chefs der anderen US-Geheimdienste – auch um Trump einen Report zu überreichen. Diesen geheimen Bericht hatte noch Obama angeordnet, um minutiös und detailliert die russische Einmischung und Manipulation der US-Präsidentschaftswahlen 2016 zu untersuchen und zu dokumentieren.“

    Keine Beweise für Wahl-Manipulation

    Der aktuelle Russland-Bericht des Geheimdienst-Ausschusses des US-Senats wurde im Mai 2018 veröffentlicht und zeichnet ein völlig anderes Bild. Der Report gibt faktenbasiert an, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Russland in die US-Präsidentschaftswahlen 2016 eingegriffen oder sie manipuliert hat. Zu diesem Schluss kamen die Politiker im US-Geheimdienst-Gremium. Ungeachtet dessen hat Comey das mehrfach in seinem Buch behauptet. Auch an dem Abend in Berlin sprach er wiederholt davon. Beweise? Fehlanzeige.

    Keine Fragen für Sputnik zugelassen?

    Sputnik hätte Comey gern damit konfrontiert. Wenn schon kein Interview mit dem ehemaligen FBI-Chef möglich war, dann eben in der Fragerunde. Doch vor Ort wurde die geduldige Handmeldung des Sputnik-Korrespondenten vom „Zeit“-Journalisten, der durch den Abend führt, entweder nicht gesehen – oder ignoriert. Comey sagte aber von sich aus einiges zu Russland und zum russischen Präsidenten.

    „Ich sprach von Putin. Trumps Reaktion? Dunkle Wolken …“

    „Wladimir Putin hasst Hillary Clinton“, sagte Comey auf der Veranstaltung. „Denn er wirft ihr vor, vor sechs Jahren in Moskau Anti-Putin-Demonstrationen organisiert zu haben. Das hat mehrere Gründe: Putin zieht erstens jeden Kandidaten einer US-Präsidentin Clinton vor. Und zweitens: Putin denkt, mit Geschäftsleuten wie Trump besser zusammenarbeiten zu können, so bessere Deals abschließen zu können.“

    >>Mehr zum Thema: Kein Trump-Moskau-Komplott: US-Präsident äußert sich zu Notizen von Ex-FBI-Chef

    Der ehemalige FBI-Chef nahm ebenso Stellung zu einem Interview, das Trump Anfang 2017 mit dem bekannten US-Fernseh-Moderator Bill O’Reilly geführt hatte. In diesem Gespräch hatte Trump den russischen Präsidenten gelobt. „Wir sind nicht solche Killer und Mörder wie Wladimir Putin“, habe Comey bei einem Treffen im Weißen Haus daraufhin zu Trump kurz nach dem TV-Interview gesagt. „Trumps Reaktion? Es war wie eine dunkle Wolke, die daraufhin durch das Oval Office zog. Trumps Gesicht verdunkelte sich. Er pausierte – und dann beendete er das Meeting. Reince Priebus, der damalige Stabs-Chef im Weißen Haus, begleitete mich raus. Ich ging zu meinem Team und schrieb ein Memo, um das Gespräch zu dokumentieren. Und sagte zu meinen Leuten: ‚Jetzt habe ich wohl die letzte Chance vertan, je ein gutes Verhältnis zu US-Präsident Trump zu haben.‘ So war das damals.“

    Verschwörung im FBI gegen Trump?

    In den letzten Wochen legten weitere Berichte die FBI-Aktivitäten unter Comeys Führung offen. Insbesondere der Mitte Juni von Generalinspekteur Michael Horowitz veröffentlichte Report vom US-Justizministerium zur Email-Affäre von Hillary Clinton wirft kein gutes Licht auf den gefeuerten FBI-Boss. Darin ist ein brisanter Dialog zwischen FBI-Juristin Lisa Page und dem Agenten Peter Strzok zu finden. Page sagte, Trump werde doch hoffentlich niemals Präsident werden? Strzok antwortete: „Nein. Nein, wird er nicht. Wir werden das stoppen.“

    Auf dieses Gespräch angesprochen, behauptete Comey, es habe „keine Verschwörung im FBI“ gegeben, um Trumps Präsidentschaft zu verhindern. „Nein!“, sagte er. „Es gab zwei Leute in dem Team, das die Clinton-Untersuchung leitete. Codename: ‚Midyear‘. Dieses Midyear-Team bestand aus zwei Mitgliedern. Der eine: Peter Strzok, ein erfahrener Agent. Die andere: Lisa Page, eine junge FBI-Juristin. Was ich damals nicht wusste: Die beiden hatten eine Affäre. Ungeachtet dessen, dass beide verheiratet waren. Um diese Affäre geheim zu halten, nutzten sie das Telefon-System und Handys des FBI und keine privaten Anrufe. Sie texteten sich oft. Obwohl sie wussten, dass wir jeden Anruf aufzeichnen. Das ist vielleicht auch ein Zeichen, dass wir vom FBI nicht die Allerklügsten sind. In diesen Texten zogen sie über jeden her: Über mich, über Kollegen, über Clinton, Bernie Sanders – und über Donald Trump. So kam das zustande.“

    In den Tagen vor der Entlassung Comeys hatte Trump getwittert, die FBI-Ermittlungen zu Russland seien „eine vom Steuerzahler finanzierte Scharade und totaler Schwindel.“

    „Wird ‚Russiagate‘ zum Rohrkrepierer?“

    Zwar sei der Ex-FBI-Direktor bei der Untersuchung der Email-Affäre klar von Normen seiner Behörde abgewichen, sei aber angeblich nicht politisch beeinflusst gewesen. „Auf 568 Seiten liefert Horowitz Fakten für den Schluss, dass Anti-Trump-Vorurteile beim FBI entscheidend zur Niederlage der demokratischen Gegnerin Trumps beitrugen“, schrieb die Print-Ausgabe der Schweizer „Sonntagszeitung“ am 17. Juni zum Horowitz-Bericht.

    >>Mehr zum Thema: Hat FBI Trumps Wahlkampagne unterwandert? US-Präsident fordert Untersuchung

    Die „Russiagate“ genannte Affäre – von dem „Watergate“-Skandal unter US-Präsident Richard Nixon abgeleitet – werde „zum Rohrkrepierer“. Das berichtete „RT Deutsch“ am Dienstag. Nun stehe Sonderermittler Robert Mueller, übrigens ein alter Vertrauter von Comey, selbst unter Druck. Er hatte Anklage gegen russische Privatfirmen wegen angeblicher Beeinflussung der US-Wahlen eingereicht. Diese droht nun, in sich zusammenzubrechen.

    James Comey: „Größer als das Amt – Der Ex-FBI-Direktor klagt an“, DroemerKnaur, München, 384 Seiten, 1. Auflage 2018. Die Autobiografie ist seit April im Buchhandel erhältlich.

    Die Radio-Reportage zur Veranstaltung mit Ex-FBI-Chef James Comey zum Nachhören:

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    Tags:
    US-Wahl, Einmischung, Manipulationen, Ermittlung, FBI, Donald Trump, James Comey, Hillary Clinton, Wladimir Putin, USA, Russland