09:08 20 September 2018
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    Großer Vaterländischer Krieg (Archiv)

    Geheimarchiv: UdSSR wusste von deutschem Angriff Monate zuvor

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    Das Kommando und der Stab des Baltischen Sondermilitärbezirks sollen im Jahr 1941 bereits zwei bis drei Monate vor der Invasion über Angaben zu dem bevorstehenden Angriff Deutschlands auf die UdSSR verfügt haben. Dies geht aus einem Brief des Generalleutnants Kusma Derewjanko hervor.

    Den freigegebenen und auf der Webseite des russischen Verteidigungsministeriums veröffentlichten Brief hatte der ehemalige stellvertretende Leiter der Aufklärungsabteilung des Stabes der Nord-West-Front, Generalleutnant Kusma Derewjanko, geschrieben. Der Baltische Sondermilitärbezirk hieß so bis 1941, und mit dem Beginn des Großen Vaterländischen Krieges wurde er in Nord-West-Front umbenannt.

    „Das Kommando und der Stab des Militärbezirks verfügten zwei bis drei Monate vor dem Beginn der Kriegshandlungen über glaubwürdige Angaben bezüglich der zunehmenden und konkreten Vorbereitung des faschistischen Deutschlands auf den Krieg gegen die Sowjetunion“, folgt aus Derewjankos Antwort auf Fragen des Generalobersts der Militär-historischen Verwaltung des Generalstabs der Sowjetarmee Alexander Pokrowski.

    Wie aus dem freigegebenen Dokument von Pokrowski hervorgeht, sind 1952 fünf ungeklärte Fragen an die Führung des Baltischen, des Kiewer und des Belorussischen Sondermilitärbezirks entstanden, die sich auf die Zeitspanne der Truppenentfaltung des Westlichen Sondermilitärbezirks nach dem „Plan der Verteidigung der Staatsgrenze 1941“ bezogen haben sollen.

    Pokrowski hat sich die Fragen gestellt, ob der Verteidigungsplan der Staatsgrenze an die Truppen weitergeleitet worden sei. Wenn ja – was und wann sei dann von der Armeeführung und den Truppen für seine Realisierung getan worden. Zudem interessierte er sich dafür, von welcher Zeit an und aufgrund welcher Anordnung die Verlegung der Deckungstruppen in Richtung Staatsgrenze begann und wie viele von ihnen für ihre Defensive entfaltet worden seien. Pokrowski versuchte zu klären, wann im Armeestab die Anordnung des Bezirksstabes über die Truppenbereitstellung im Zusammenhang mit dem Angriff des faschistischen Deutschlands am frühen Morgen des 22. Juni erhalten worden sei, warum sich der überwiegende Teil der Artillerie und der Divisionen in den Militärlagern befand und inwieweit der Stab der Armee auf die Führung der Truppen vorbereitet war.

    Derewjanko hat in seiner Antwort auf die aufgeworfenen Fragen zudem darauf verwiesen, dass die Gruppierung der faschistischen Truppen im Vorfeld des Krieges im Memel-Gebiet (ehemaliges Territorium Ostpreußens, heute Litauen – Anm. d. Red.), in Ostpreußen und im Gouvernement Suwalska (heute litauisches, polnisches und weißrussisches Territorium) in den letzten Tagen vor dem Krieg dem Stab ziemlich vollständig und detailliert bekannt gewesen war.

    „Die aufgedeckte Gruppierung der faschistischen Truppen wurde am Vorabend der Kriegshandlungen von der Aufklärungsabteilung als eine Offensiveinheit mit bedeutender Ausrüstung von Panzern und Motoreinheiten bewertet“, schrieb er.

    Derewjanko zufolge wurde ab der zweiten Kriegswoche viel Aufmerksamkeit der Organisation der Einheiten gewidmet, die in das Hinterland des Gegners zum Zweck der Aufklärung und der Diversion geschickt wurden, sowie der Schaffung von Funkaufklärungsgruppen im Hinterland des Gegners und von Funknestern auf dem von unseren Truppen besetzten Territorium im Fall ihres erzwungenen Abzuges.

    „In den nächsten Monaten hatten sich die von unseren im Hinterland des Gegners wirkenden Gruppen und Abteilungen erhaltene Informationen stets verbessert und stellten einen großen Wert dar. Es wurde von der (…) beobachteten Truppenkonzentration in den Grenzgebieten ab Ende Februar (1941 – Anm. d. Red.), von den von den deutschen Offizieren entlang der Grenze durchgeführten Erkundungen, von der ansteigenden Errichtung langfristiger Verteidigungseinrichtungen im Grenzgebiet sowie von Gas- und Bombenkellern in den Städten von Ostpreußen berichtet“, verlautet aus dem Brief des stellvertretenden Leiters der Aufklärungsabteilung des Stabes der Nord-West-Front.

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    Tags:
    Aufklärungsabteilung, Kriegshandlungen, Angaben, Angriff, Generalstab der Sowjetarmee, Stab der Nord-West-Front, Bsltischer Sondermilitärbezirk, Verteidigungsministerium Russlands, Alexander Pokrowski, Kusma Derewjanko, Suwalska, Memel-Gebiet, Ostpreußen, Sowjetunion, Litauen, UdSSR, Deutschland, Russland