13:12 06 August 2020
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    Deutschland dämmert es langsam: die Türkei war wahrscheinlich nie wirklich westlich

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    Der Sieg von Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan bei den Präsidentschaftswahlen in der Türkei stößt vielen in Deutschland bitter auf. Denn die hier wahlberechtigten Türken bzw. Deutschen mit türkischen Wurzeln haben nicht nur in größerer Zahl als zum Verfassungsreferendum mitgewählt, sondern auch zu beinahe zwei Dritteln für Erdogan gestimmt.

    Deutschland ist mal wieder erschrocken und fassungslos, auch empört.

    Dabei ist das wirklich Erschreckende die unverdrossene Realitätsverweigerung deutscher Politik und vieler Medien. Das betrifft sowohl die Realitäten in der Türkei als auch in der türkischen Community in Deutschland.

    In der veröffentlichten Meinung gibt es mehrheitlich immer noch ein idealisiertes Türkeibild. 

    Dabei zeigte schon die Präsidentschaftswahl 2014 überdeutlich, dass selbst Istanbul eben nicht die Türkei und eben nicht die pro-westliche Hochburg ist, zu der sie immer wieder gemacht wird. Wahrscheinlich ist Istanbul noch nie so westlich gewesen, wie viele romantisierend annehmen. Schon 2014 gewannen in Istanbul nicht die pro-westlichen Kräfte, sondern Erdogan. Spätestens nach dem Verfassungsreferendum 2017 hätte man hierzulande aufwachen können. Ein Blick auf eine Türkeikarte mit den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen 2014 und 2018 sowie des Verfassungsreferendums zeigt, dass die Türkei stabil dreigeteilt ist. Der liberale westliche Rand, der kurdisch orientierte Südosten, aber die übergroße Mehrheit ist klar in der Hand der AKP und damit Erdogans. Selbst die Touristenhochburgen Antalya und Alanya haben für Erdogan gestimmt. Nur Deutschland will das einfach nicht wahrhaben.

    So wie das Verhalten der türkischen Wahlberechtigten in Deutschland. Selbst unter Berücksichtigung einer geringen Wahlbeteiligung, aber die letzten drei Wahlen haben statistische Fakten bestätigt, die man hierzulande einfach ignoriert. Aber vielleicht hat das mit der Angst vor bestimmten Wahrheiten zu tun. Zum Beispiel: die Mehrheit der türkischen Einwanderer nach Deutschland stammt schon immer und bis heute aus dem traditionell konservativen Kernland der Türkei. Zum Beispiel: die Art und Weise, des Umgangs Deutschlands mit den türkischen Einwanderern der ersten Generation. Die hat zu keiner Loyalität gegenüber dem Gastland geführt, das für ja oft zur zweiten oder auch ersten Heimat wurde, sondern zu einer Loyalität gegenüber der Türkei, die oft eher Trotz, Verletzung, Kränkung ausdrückt als echte Sympathie für Erdogan.

    Und die Reaktionen deutscher Politiker und Medien auf die neuerlich eindeutigen Wahlergebnisse in der türkischen Gemeinde in Deutschland, diesmal sogar mit deutlich höherer Wahlbeteiligung, offenbaren einfach nur eine beleidigte Attitüde. Es scheint die Erwartung zu geben, die türkische Gemeinde in Deutschland habe gefälligst Dankbarkeit zu zeigen. Aber wofür eigentlich?

    Und warum wird in dieser Hinsicht nicht endlich ein wirklich ernsthafter und ehrlicher Dialog mit der türkischen Gemeinde in Deutschland gesucht, der im Zweifel auch klar unabdingbare Erwartungen beider Seiten benennt?

    Solange Deutschland in dieser Hinsicht nicht endlich aufwacht und grundlegend umsteuert, so lange wird es eben die Wahlergebnisse geben, wie sie nun wieder zu Tage getreten sind.

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    Tags:
    Präsidentschaftswahlen, Kritik, Kurden, Parlamentswahl, Wahlen, Regierungspartei für Gerechtigkeit und Entwicklung AKP, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Deutschland
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