05:28 24 Oktober 2018
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    „Schuss ins Knie“: Bei Österreichs Firmen wächst Unmut über antirussische Sanktionen

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    Politik
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    In Oberösterreichs Wirtschaft wächst der Unmut über die EU-Sanktionen gegen Russland, die der heimischen Wirtschaft massiv geschadet haben. Das schreibt die Zeitung „Oberösterreichische Nachrichten“ unter Bezugnahme auf lokale Geschäftsleute und Ökonomen.

    Das Blatt beruft sich auf den Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider. Die Exporte der EU nach Russland seien von 2013 bis 2016 um ein Drittel auf 72 Milliarden Euro gesunken. Der Exportrückgang in Österreich habe rund zehn Prozent betragen. „Im Wirtschaftskrieg haben auch oberösterreichische Unternehmen Kollateralschäden hinnehmen müssen“, sagt Schneider.

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    „Die Sanktionen waren de facto ein Schuss ins Knie der Betriebe“, meint Gottfried Kneifel, der Geschäftsführer des Münzbacher Fleischverarbeiters Greisinger.

    Nach einer langjährigen Kooperation seit den 1990er-Jahren sei wegen der antirussischen Sanktionen ein Umsatz des Unternehmens in der Höhe von 13,5 Millionen Euro praktisch über Nacht weggefallen. Damals seien das mehr als 12,5 Prozent der Bruttoeinnahmen gewesen. 50 Leute hätten um ihren Arbeitsplatz bangen müssen.

    „Wir konnten das dann auf andere Exportziele umlenken, mussten dafür aber unser Verkaufsteam verdreifachen“, sagt Franz Greisinger. „Die Folgen hat man dann am Ergebnis gesehen.“

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    Laut dem Chef des Backmittelherstellers Backaldrin, Peter Augendopler, musste seine Firma rasch reagieren und ihre Produkte in einem Drittland produzieren lassen, um sie weiterhin nach Russland liefern zu können. „Das kostete eine Million Euro. Um ein Haar wäre unsere Arbeit von 22 Jahren in Russland hinfällig gewesen“, so Augendopler. Mittlerweile produziert Backaldrin in Russland selbst. Die Zehn-Millionen-Investitions-Entscheidung habe man von heute auf morgen treffen müssen, um die Abnehmer zu beruhigen.

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    Auch Vertreter von Unternehmen, die nur indirekt von den Sanktionen betroffen sind, fordern die Beendigung der Abschottung von Russland. „Es hat sich gezeigt, dass davon keiner reich wird. Vielmehr sollten Zölle reduziert werden“, zitiert die Zeitung den Geschäftsführer des Innviertler Felgenherstellers Borbet Austria, Helmuth Huber.

    Augendopler fordert die Bundesregierung zu einer Reaktion auf. „Wir dürfen nicht der Büttel der USA sein, die uns ja zu diesen Sanktionen gezwungen haben“.

    Nach dem Beitritt der Krim zu Russland im Jahr 2014 hatten die USA und die EU politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland verhängt. Moskau konterte mit einem Einfuhrverbot für eine ganze Reihe von Lebensmitteln aus den Ländern, die zuvor Beschränkungen gegen Russland auferlegt hatten.

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    Firmen, Russland-Sanktionen, Handelsbeziehungen, Handelspartner, Verletzung der Sanktionen, Sanktionsspirale, Handelseinschränkungen, Sanktionsliste, Handelskrieg, Unternehmen, Sanktionspolitik, Business, Wirtschaft, Russische Föderation, EU, EU-Länder, Europäische Union, Europa, Österreich, USA, Russland