13:55 21 Oktober 2018
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    Raketenabwehrkomplex S-400 (Archiv)

    „Ohrfeige für USA“: Deshalb droht Washington Ankara mit Sanktionen wegen S-400-Kauf

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    Die Androhungen der USA, Sanktionen gegen die Türkei wegen der vereinbarten Lieferungen der russischen Flugabwehrsysteme S-400 zu verhängen, würden davon zeugen, dass Washington Ankara nicht dazu habe zwingen können, auf die russischen Systeme zu verzichten. Diese Auffassung haben russische Experten im Interview mit dem TV-Sender RT geäußert.

    Zuvor hatte der stellvertretende US-Außenminister für europäische und euroasiatische Angelegenheiten Wess Mitchell die Türkei vor Konsequenzen gewarnt, mit denen das Land konfrontiert werden könnte, falls es nicht auf den Kauf von russischen S-400-Systemen verzichten sollte.

    „Wenn wir feststellen werden, dass eine tatsächliche Übergabe von Technologien stattgefunden hat, werden wir Sanktionen verhängen", sagte er vor dem Außenausschuss des US-Senats. Die USA könnten unter anderem die Lieferungen von Jagdflugzeugen der fünften Generation vom Typ F-35 an die Türkei einstellen, so Mitchell.

    Zugeständnisse kaum wahrscheinlich

    Diese Äußerung zeuge von einer „strategischen Spaltung" in den Beziehungen von Washington und Ankara, sagte der Politologe Geworg Mirsajan von der Finanzuniversität bei der russischen Regierung gegenüber dem TV-Sender. Jegliche Zugeständnisse von Seiten der Türkei wären in dieser Situation kaum wahrscheinlich:

    „Derartige Äußerungen gibt es nicht zum ersten Mal. Die Tatsache, dass sie veröffentlicht werden, und zwar in dieser Form, bedeutet jedoch, dass die Türkei und die USA keine Einigung erreicht haben".

    Dieses Ergebnis sei vorhersehbar gewesen — trotz der strategischen Vereinbarungen zwischen den beiden Ländern wie beispielsweise beim Abzug der kurdischen Einheiten aus der syrischen Stadt Manbidsch, so der Experte: „Eine strategische Spaltung zwischen Amerika und der Türkei ist zustande gekommen. Mit dem öffentlich angekündigten Ultimatum treiben sie in dieser Situation die türkischen Behörden in die Ecke. Ich zweifle sehr, dass Erdogan bei dieser Vorgehensweise einlenken wird".

    Sanktionen auch für die USA unvorteilhaft

    Als eine „Ohrfeige für die USA" bezeichnete Viktor Nadein-Rajewski vom Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen die Lieferungen der russischen Flugabwehrsysteme an die Türkei, die einen „Brückenkopf der Nato im östlichen Mittelmeer" darstelle und „die zweitstärkste Armee mit Kampferfahrungen" habe.

    Die S-400-Lieferungen würden einen „Schirm" ermöglichen, der die Türkei vor jeglichen Angriffen schützen werde. „Gerade das verletzt die Amerikaner, das ist eine recht ernsthafte Ohrfeige. Das wird ernsthafte finanzielle Verluste für sie bereiten, geschweige schon die Nato-Solidarität", betonte der Experte.

    Was die Einführung von Sanktionen und die Einschränkung der rüstungstechnischen Zusammenarbeit betreffe, so würden sie die USA selbst beeinträchtigen:

    Es wäre „äußerst unvorteilhaft" für die US-Amerikaner, solch einen wichtigen Verbündeten wie Ankara und solch eine wichtige Militärbasis wie der Luftstützpunkt Incirlik zu verlieren. „Sie (die USA — Anm. d. Red.) versuchen zu überzeugen, am Rande der Verbote zu balancieren. Die Türken geben nicht auf, sie haben die Lieferungen teilweise doch bezahlt und kommen den Amerikanern vorläufig nicht entgegen. Es scheint mir, sie werden eine Form finden, in der sie Druck auf die USA ausüben und einen Ausweg finden können".

    Am 21. Juni hatte der US-Rüstungskonzern „Lockheed Martin" auf der Militärbasis Fort Worth (US-Bundesstaat Texas) das erste F-35-Kampfjet an die Türkei feierlich übergeben. Ein Abkommen zwischen den USA und der Türkei sieht die Lieferung von insgesamt hundert Flugzeugen dieses Typs vor.

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