11:15 17 Oktober 2018
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    US-Soldat während NATO-Manövers in Polen (Archivbild)

    „Unterirdische Truppen“: Gegen wen wollen die USA in der Kanalisation kämpfen?

    © Sputnik / Stringer
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    Medienberichten zufolge soll das Pentagon mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar für die Ausbildung von Soldaten für die Kampfführung in bebautem Gelände sowie in Katakomben und Tunneln ausgeben. Russische Experten haben im Interview mit dem TV-Sender RT erläutert, gegen welches Land diese Einsetze gerichtet sein könnten.

    Vor kurzem hatte Oberst Townley Hendrick von der Infanterieschule der US-Armee in Fort Benning (US-Bundesstaat Georgia) gegenüber dem Webportal Military.com mitgeteilt, dass die US-Soldaten extra für die Kampfführung im Untergrund und in stark bebautem Gelände ausgebildet werden:

    „In der letzten Zeit richten wir unsere Aufmerksamkeit besonders aktiv darauf, dass es in jeder Millionenstadt eine U-Bahn, Abwasserleitungen und andere unterirdische Leitungen gibt", sagte er.

    US-Militärexperten hätten beschlossen, die unterirdische Kampfführung neu zu bewerten, so Hendrick. Im November 2017 sei ein Lehrbuch herausgegeben worden, das dem Orts- und Häuserkampf gewidmet sei, sowie Kämpfen in unterirdischen Korridoren und Tunneln, darunter auch in völliger Dunkelheit und unter Bedingungen, in denen die standardisierte Kommunikationsausrüstung oft nicht funktioniere.

    Laut dem Portal soll das Pentagon 572 Millionen US-Dollar für Ausbildung, Ausrüstung und Kommunikationsmittel ausgeben. 26 von 31 Teileinheiten, zu deren Aufgaben Militäreinsätze in engen und abgeschlossenen Räumen (wie beispielsweise in Tunneln oder stark bebauten Stadtvierteln) gehören, sollen umgeschult werden. Zurzeit werde Ausrüstung getestet, die Störresistenz aufweist.

    Die US-Truppen hätten bereits viel Erfahrung mit der Kampfführung in Katakomben in Afghanistan, Syrien und dem Irak, denn die Taliban und die Kämpfer im Nahen Osten würden aktiv die unterirdische Infrastruktur der Großstädte nutzen und dort Feuernester einrichten.

    Nun erwäge das US-Verteidigungsministerium Änderungen in der Militärdoktrin, schreibt Military.com. Das Online-Portal bringt die ernsthaften Einschnitte bei der Ausbildung in den USA mit möglichen Konflikten mit Nordkorea, China und Russland in Zusammenhang.

    Provokation oder Fake?

    Der Chef des Zentrums für militärdiplomatische Analyse und Prognosen, Waladimir Winokurow, bewertete diese Informationen eher skeptisch. Die Bildung von „Untergrund-Truppen" sei nicht auf antirussische Bestrebungen des Pentagons zurückzuführen, sagte er gegenüber dem TV-Sender RT.

    „Die Pläne der US-Amerikaner können lediglich mit einer möglichen Konfrontation der USA mit der nordkoreanischen Armee zusammenhängen. Das hat eindeutig nichts mit Russland zu tun. Eine derartige Veröffentlichung in der westlichen Presse ist entweder eine Provokation oder ein Fake."

    Medien hatten mehrmals von stark verzweigten unterirdischen Kommunikationen in Nordkorea berichtet. Nordkoreanische Militärs sollen rund zwanzig Tunnel gebaut haben, darunter sollen vier unterirdische Gänge nach Südkorea führen. Pjöngjang hat diese Informationen bislang nie kommentiert.

    Nordkorea hat tatsächlich ein verzweigtes Netz von unterirdischen Tunneln, das zu militärischen Zwecken benutzt wird", sagte Irina Lanzowa, Korea-Expertin von der Sankt Petersburger Universität, gegenüber dem TV-Sender. „Eine derartige Infrastruktur ist ein wesentlicher Bestandteil der Kampffähigkeit des Landes."

    Diese „Katakomben" seien im Laufe von Jahrzehnten errichtet worden, sagte sie. Allerdings sei das nordkoreanische Katakomben-System ein Rätsel für die Nachrichtendienste der führenden Großmächte einschließlich der Vereinigten Staaten.

    Aggressive Pläne der USA gefährden Friedensregelung

    Während der Verschärfung des Konflikts mit Nordkorea hätten die USA verschiedene Optionen von Schlägen gegen Nordkorea behandelt, darunter auch einen Bodeneinsatz, sagte Lanzowa. „Selbstverständlich müssten die US-Truppen bei solch einer Entwicklung bereit sein, Gefechte in der Hauptstadt des Landes oder unter der Erde anzunehmen. Trotz der „Erwärmung" (in den Beziehungen — Anm. d. Red.) wäre es merkwürdig, wenn das Pentagon auf seinen Invasionsplan verzichtet würde."

    Der Bericht über die Ausbildung von „unterirdischen Truppen" in den USA sei von provokativem Charakter, betonte die Expertin. Nordkorea werde sicher auf diese Informationen aufmerksam werden „Ich glaube zwar nicht, dass die nordkoreanischen Behörden nun auf einen öffentlichen Streit mit Washington eingehen. Der Verlauf der Friedensregelung könnte von den aggressiven Plänen der USA jedoch durchaus beeinflusst werden", resümierte sie.

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    Tags:
    unterirdisch, Militäreinsatz, US-Armee, Pentagon, Nordkorea, USA