08:57 23 Oktober 2018
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    Syrische Soldaten an jordanische Grenze

    Belagerte Festung: Syrische Extremisten an jordanische Grenze getrieben

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    Politik
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    Die syrische Armee startete Ende Mai eine Offensive im Süden des Landes, direkt nach der Befreiung des Bezirks Muhajam al-Jarmuk – des letzten Bollwerks der Terroristen im Großraum Damaskus. Was die Kontrolle des südlichen Teils des Landes für die syrischen Truppen bedeutet und wohin sie sich weiter bewegen werden – erfahren Sie in diesem Artikel.

    Zug gen Süden

    Drei Panzer, mehrere Schützenpanzerwagen, zwei Flakgeschütze, 40 Panzerabwehrraketen, Granatwerfer, Schusswaffen und fast 1500 Kisten mit Munition – dieses Arsenal haben Extremisten der illegalen bewaffneten Gruppierungen in der Stadt Isra in der Provinz Deraa bei ihrem Abzug zurückgelassen. Isra ist 30 Kilometer nördlich von Deraa entfernt. Ein bedeutender Teil der gleichnamigen Provinz steht unter der Kontrolle der bewaffneten Opposition und Extremisten der Terrororganisationen, darunter Dschebhat an-Nusra und Ahrar asch-Scham.

    Im Westen grenzt sie an die Provinz Quneitra und die umstrittenen Golan-Höhen, im Osten an die teilweise befreite Provinz Suweida, im Süden an Jordanien. Gerade über die Grenze zu Jordanien sollen die Extremisten laut General der syrischen Armee, Isar Ismail, Waffen, Munition und Nachschub bekommen. Die Kontrolle über die Grenzposten ist das Hauptziel der südlichen Offensive der syrischen Armee. Die Kontrolle wurde bereits teilweise an einem Abschnitt von der administrativen Grenze der Provinz Suweida bis zur Ortschaft as-Summakijat wiederhergestellt. Die syrische Armee will weiter vorrücken.

    Wie der Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums berichtete, überzeugte das russische Zentrum zur Versöhnung der sich gegenseitig bekämpfenden Seiten in Syrien die Einwohner von 27 Ortschaften der südlichen Deeskalationszone in den Provinzen Quneitra, Suweida und Deraa, sich freiwillig dem Waffenstillstand anzuschließen und die syrische Regierung zu unterstützen. Jetzt werden in diesen Ortschaften die Funktionen der staatlichen Organe wiederhergestellt, es wird am Wiederaufbau der sozialen Infrastruktur gearbeitet. Das ist sozusagen „ das Zuckerbrot“. Für jene, die sich nicht an den Verhandlungstisch setzen wollen, hat die syrische Armee auch eine „Peitsche“.

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    Extremisten leisten in mehreren Ortschaften im Süden Syriens weiterhin erbitterten Widerstand. Die Armee hat es geschafft, in die Region bedeutende Kräfte zu verlegen, die zuvor bei der Befreiung von Damaskus eingesetzt worden waren. Die Soldaten agieren kompromisslos gegenüber den unversöhnlichen Extremisten. Am 5. Juli nahmen die Regierungstruppen die Stadt Saida an einer strategisch wichtigen Kreuzung der Autobahnen 109 und M5 ein. Die Autobahn 109 führt die syrische Armee nach Deraa aus westlicher Richtung, die M5 zur Passierstelle Dschaber an der syrisch-jordanischen Grenze. Das ermöglichte die Übernahme der Stadt Saida, die die Extremisten nicht kampflos überlassen wollten. Somit könnten die Regierungstruppen gleichzeitig zwei Ziele erreichen.

    Humanitärer Aspekt

    Wie es oft in bewaffneten Konflikten unter Teilnahme von vielen Gruppierungen vorkommt, beginnen die Extremisten, die die letzten Ressourcen verlieren, sich gegenseitig zu bekämpfen. Am stärksten trifft es dabei die friedliche Bevölkerung.

    „Die Einwohner der Ortschaften in der südlichen Deeskalationszone berichten von einer kritischen humanitären Lage in den von Extremisten kontrollierten Gebieten wegen des ständigen Kampfes zwischen den dort agierenden Einheiten um den Einfluss und Kontrolle über die Lebensmittellager“, heißt es in einer Mitteilung des Zentrums zur Versöhnung der sich gegenseitig bekämpfenden Seiten. „Die örtlichen Einwohner leiden an einem starken Mangel an Lebensmittel, Wasser und Medikamenten“.

    Das russische Militär versucht die Lage der friedlichen Einwohner zu verbessern. Laut Generalmajor Alexej Zygankow wurden innerhalb eines Tages aus der südwestlichen Deeskalationszone mehr als 3800 Syrer in Sicherheit gebracht. Viele wurden in Flüchtlingslager gebracht. In die problematischsten Gebiete wird humanitäre Hilfe geleistet. Am 5. Juli wurden den Einwohnern in Al-Karak in der Provinz Suweida 1000 Lebensmittelpakete mit einem Gesamtgewicht von 4,5 Tonnen übergeben.

    Das sind keine Einzelaktionen, doch in einigen Gebieten der Provinz kann die Hilfe wegen des Widerstands der Extremisten nur schwerlich bereitgestellt werden. Die humanitäre Lage wird dadurch erschwert, dass Jordanien trotz der Forderung der UNO, sich weigert, die Grenzen für syrische Flüchtlinge zu öffnen. Wie die jordanische Staatsministerin für Angelegenheiten der Medien, Jumana Ghunaimat, sagte, widerspricht das den Interessen des Königreichs.

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    Nach Deraa

    Allerdings ist die Befreiung Deraas und der benachbarten Provinzen nur eine Frage der Zeit. Sie kann nur durch die äußere Einmischung verhindert werden. Beispielsweise, „humanitäre Bombenangriffe“ der USA und deren Verbündeten unter dem Vorwand eines weiteren „C-Waffen-Angriffs“.  Doch wenn es dazu kommt, würde das wie früher eher eine symbolische Bedeutung haben. Zu einer umfassenden Militärintervention würden sich die USA kaum entscheiden.

    Die Befreiung des Südens des Landes bedeutet noch nicht den Abschluss der aktiven Kampfhandlungen in Syrien. Bislang ist unklar, wie es mit der Provinz Idlib weitergeht, wo sich bis zu 30.000 bewaffnete IS-Extremisten* befinden können. Sie wurden hierher mit Bussen im Tausch gegen die Niederlegung der Waffen gebracht. Bereits Mitte März berichteten russische Medien, dass in der Provinz ein Konflikt zwischen der Fraktion Hayat Tahrir asch-Scham und Dschebhat Tahrir as-Surija ausbrach. Der Widerstand hält an – Extremisten beider Organisationen teilen sich die Einflussbereiche auf, ohne Munition und Menschen zu schonen. Früher oder später muss die syrische Armee zur Offensive in dieser Richtung übergehen.

    Doch selbst wenn die syrischen Behörden die Situation um Idib auf dem friedlichen bzw. militärischen Wege lösen, bleiben immer noch große Gebiete im Osten und Norden des Landes, die von den kurdischen Militäreinheiten mit Unterstützung der USA und ihrer Verbündeten kontrolliert werden. Mit Waffengewalt würden diese Gebiete unter Kontrolle von Damaskus kaum zurückgebracht. Das heißt, dass der syrische Krieg wohl mit diplomatischen Methoden fortgesetzt wird. 

    * IS – eine in Russland verbotene Terrororganisation

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    Unterstützung, Befreiung, humanitäre Katastrophe, Krieg, Kontrolle, Einfluss, Bekämpfung, Grenze, Uno, IS, USA, Deraa, Golanhöhen, Jordanien, Syrien