18:19 19 November 2018
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    Russlands Präsident Wladimir Putin (l. in d. M.) und Israels Premier Benjamin Netanjahu in Moskau (Archiv)

    Wieso Israel sich weigert, Putin als Feind zu betrachten - Jüdische Rundschau

    © Sputnik / Witali Belousow
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    Die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hat in ihrem aktuellen Beitrag Gründe genannt, warum sich Israel im Gegensatz zum Rest der westlichen Welt weigert, Putin als Feind zu betrachten.

    Nach der Wiedervereinigung der Krim mit Russland und dem Ausschluss Moskaus aus der G8 habe Israel dem Aufruf der Bundeskanzlerin Angela Merkel und des damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Frühjahr 2014, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen und Wladimir Putin als Feind zu betrachten, nicht gefolgt.

    Stattdessen entschloss sich Jerusalem dafür, sich in Bezug auf den Krieg in der Ukraine neutral zu verhalten, obwohl es sich diesbezüglich nicht öffentlich äußerte.

    Israels Streben nach Neutralität reiche zehn Jahre zurück — zum Kaukasuskrieg im Sommer 2008, als die Olmert-Regierung sich weigerte, sich an der Verurteilung des Einmarsches der russischen Truppen in Südossetien (nach Georgiens Offensive gegen Südossetien, um Georgien zum Frieden zu nötigen — Anm. d. Red.) durch die Bush-Regierung zu beteiligen. Jerusalem erklärte damals  lediglich, es erkenne „Georgiens territoriale Kontiguität an“.

    Ebenso habe sich Israel verhalten, als insgesamt 26 europäische Länder, die USA und Kanada Ende März 2018 im Zuge des Skandals um die angebliche Vergiftung des Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter knapp 150 russische Diplomaten ausgewiesen hatten.

    Obwohl Israel das versuchte Attentat verurteilte, verwendete es in seiner Stellungnahme das Wort „Russland“ jedoch in keinerlei Form.

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    Wie es weiter heißt, hat Israel hart daran gearbeitet, nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen in der Folge des Sechstagekriegs von 1967, die Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen.

    Neben dem Austausch von Botschaftern mit der Sowjetunion in den letzten Tagen ihres Bestehens im Jahr 1991 habe Israel mit Russland  jahrzehntelang Handel getrieben.

    Israel habe russisches Öl gekauft, während Russland  einer der größten Abnehmer von israelischem Obst und Gemüse geworden sei. Bei manchen Gemüsesorten, wie etwa Karotten, Radieschen und Paprika, seien sogar 80 Prozent auf den russischen Markt entfallen.

    Die Nähe Russlands spiele wegen dessen Nähe und  Reichtum an Naturressourcen eine wichtige Rolle für die israelische Wirtschaft.

    Aber der Grund für Israels Neutralität sei nicht etwa der Handel, dessen Jahresumfang 2014 mit zwei Milliarden US-Dollar einen Höchststand erlangt habe.

    Das neutrale Verhalten Israels in den Spannungen zwischen dem Westen und Russland ist laut dem Blatt vielmehr auf jüdische Umstände und die Kriege im Nahen Osten zurückzuführen.

    Zudem sei Putins Held Peter der Große und nicht Lenin. Obwohl Putin ein imperiales Russland anstreben soll, sei er darauf eingestellt, weder die Ideen des Westens zu bekämpfen noch die Welt zu erobern, so die Zeitung.

    Ein solches Russland ist laut den Israelis kein Rivale des Westens und noch viel weniger Israels.

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    Tags:
    Neutralität, Öl, Sergej Skripal, Wladimir Putin, Westen, Kanada, Israel, USA, Russland