21:47 13 November 2018
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    Duda nennt Wolhynien-Massaker „ethnische Säuberung“

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    Der polnische Präsident Andzej Duda hat bei seinem Besuch in der Ukraine das Wolhynien-Massaker als „ethnische Säuberung“ und nicht als Teil des Krieges zwischen Polen und Ukrainern bezeichnet. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, der heute seinerseits zu Besuch in Polen ist, wandte sich an Warschau mit einer Bitte.

    Anlässlich des 75. Gedenktags der Tragödie reiste Duda am Sonntag nach Wolhynien.

    „Das ist ein trauriges Datum für polnische Familien. Das war kein Krieg – das war eine ethnische Säuberung, um die Polen in den Gebieten zu beseitigen, auf denen sie gelebt hatten. Hunderttausend (Menschen – Anm. d. Red.) wurden hier zu Tode gequält“, wird der polnische Präsident von der ukrainischen Agentur Unian zitiert.

    In dieser Zeit seien „lediglich 5.000 Ukrainer“ ums Leben gekommen, betonte der polnische Staatschef weiter. Duda rief die ukrainischen Behörden und das polnische Institut für Nationales Gedenken dazu auf, den Familienangehörigen der getöteten Polen zu ermöglichen, deren Gräber zu besuchen.

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    Polnische Historiker bewerten das Wolhynien-Massaker im Jahr 1943 als Genozid und ethnische Säuberung und sprechen von 100.000 bis zu 130.000 Toten. Ukrainische Wissenschaftler sehen die Ereignisse als Folge der Auseinandersetzung zwischen der polnischen Freiwilligenarmee Armia Krajowa (dt. Polnische Heimatarmee) und der nationalistischen Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), an der auch die Zivilbevölkerung der Region teilgenommen habe. Die ukrainische Seite schätzt ihre Verluste auf 10.000 bis 20.000 Menschen ein.

    Poroschenko äußerte bei der Einweihung eines Monuments zum Gedenken an ermordete Ukrainer im polnischen Dorf Sahryn seinerseits die Hoffnung, dass Warschau seine Position gegenüber den Ukrainern überdenkt.

    „Wir sind gegen einseitige politische Bewertungen der gemeinsamen historischen Vergangenheit, weil sie den Prozess unserer historischen Versöhnung nicht begünstigen. Wir unterstützen Initiativen zur Revision der bekannten Änderungen im polnischen Gesetz über das Institut für Nationales Gedenken und hoffen, dass auch der Artikel überarbeitet wird, in dem es sich um die Bewertung der Ukrainer handelt“, so der ukrainische Staatschef.

    Der polnische Senat (Parlamentsoberhaus) hatte Anfang Februar 2018 ein Gesetz über das Institut für Nationales Gedenken verabschiedet. Es sieht unter anderem eine strafrechtliche Verfolgung für die Leugnung der Beteiligung ukrainischer Nationalisten, die mit dem Dritten Reich zusammenarbeiteten, an den Verbrechen gegen Polen im Zeitraum von 1925 bis 1950 vor. Beschuldigten droht eine Geld- bzw. Haftstrafe von bis zu drei Jahren.

     

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, Gedenken, Verbrechen, Nationalismus, Geschichte, ethnische Säuberungen, Säuberungen, Massaker, Wolhynien, Kiew, Warschau, Polen, Ukraine