03:27 24 September 2018
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    „Altersarmut droht“: 48 Prozent der Renten liegen unter 800 Euro – Die Linke

    © AFP 2018 / BARBARA SAX
    Politik
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    Bolle Selke
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    Weniger als 800 Euro Altersrente – damit musste im Jahr 2016 fast jeder zweite Rentner auskommen. Das ergibt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann. Diese stellt der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus.

    „Die größte Angst der Menschen ist Altersarmut“, so die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann. „Alle kennen die Bilder, wo ältere Menschen in Mülltonnen sammeln. Das ist aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, weil die Altersarmut in den letzten Jahren rasant zugenommen hat.“

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    Die Zahlen seien besorgniserregend. 62 Prozent aller Altersrenten betrugen im Jahr 2016 weniger als 1000 Euro, 48 Prozent sogar weniger als 800 Euro. Das mache schon deutlich, dass die Armut im Land auf dem Vormarsch sei. Die Niedriglohnstrategie der letzten Jahre habe dazu beigetragen, dass viele sich keine Vorsorge leisten können und auch wenig in die Rentenkasse einzahlen konnten. Das bedeute natürlich, dass sie später im Alter wenig Rente erhalten.

    Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil (SPD) hat nun milliardenschwere Reformen in Aussicht gestellt. Sein „Rentenpakt für Deutschland“ liegt derzeit im Kanzleramt zur Frühkoordinierung. Darin heißt es unter Anderem: Der Beitragssatz soll nicht über 20 Prozent steigen, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent fallen. Auch die Rentenbeiträge für alle, die weniger als 1300 Euro im Monat verdienen, sollen gesenkt werden. Ohne dass sich dadurch die Rentenansprüche verringern.

    Diese Pläne hält Zimmermann für Nebelkerzen, die nicht viel ändern würden. Vor allem sei wichtig, was danach passiere. Der „Rentenpakt für Deutschland“ gilt nämlich nur bis 2025. Zimmermann kommentiert:

    „Danach hat der Arbeitsminister Hubertus Heil keinen Plan mehr, was dann mit den Menschen passiert, die dann in Rente gehen. So wie die Situation jetzt aussieht, wird die Bundesregierung nicht dagegensteuern. Sie wird dann nach 2025 wieder ein sinkendes Rentenniveau haben, so dass man dann keine ausreichende Absicherung im Alter hat. Das bedeutet für die Menschen, die jetzt in den Rententopf einzahlen, dass sie dann wieder mit sinkenden Renten zu tun haben werden.“

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    Deswegen fordert die Linke eine Erhöhung des Rentenniveaus auf 53 Prozent und eine Mindestsicherung von 1050 Euro. Zimmermann weiter:

    „Der Mindestlohn ist mit 9,19 Euro viel zu niedrig. Selbst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat uns geantwortet, dass 12,63 Euro in der Stunde notwendig sind, um später nicht in Altersarmut zu fallen. Die Niedriglöhne, die es in Deutschland gibt, müssen abgeschafft werden. Bei Leiharbeit wissen wir, dass viele nur bis 1300 Euro verdienen, also 48 Prozent weniger als die Stammbelegschaft. Jobs im Niedriglohnsektor, wie Mini- und Midijobs, müssen abgeschafft werden.“

    Das komplette Interview mit Sabine Zimmermann (Partei Die Linke) zum Nachhören:

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    Tags:
    Arbeit, Mindestlohn, Renten, Armut, SPD, Die LINKE-Partei, Hubertus Heil, Sabine Zimmermann, Deutschland