15:58 21 Juli 2018
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    Das Schiff Disciotti (Archivbild)

    Migranten oder Piraten? Italien lässt Flüchtlinge nach Enterversuch nicht an Land

    © REUTERS / Antonio Parrinello
    Politik
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    Der italienische Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini hat laut italienischen Medien 67 Flüchtlingen und Migranten, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet und in einen italienischen Hafen gebracht worden waren, verboten, an Land zu gehen. Der Grund dafür ist ein mutmaßlich gewalttätiges Benehmen einiger Flüchtlinge an Bord.

    Zunächst waren Migranten, darunter drei Frauen und sechs Kinder, von dem italienischen Schiff „Vos Thalassa" vor der libyschen Küste an Bord genommen worden. Allerdings sollen einige der Geretteten gegen die Besatzungsmitglieder der „Vos Thalassa" vorgegangen sein, die sich daraufhin aus Angst im Kommandoraum eingeschlossen und die Rettungszentrale in Rom informiert haben sollen, sodass die italienische Küstenwache habe eingreifen müssen.

    Am Sonntag habe das Schiff „Diciotti" der Ölfirma „Total" die Migranten aufgenommen und diese nach Italien bringen wollen. Allerdings untersagte der italienische Innenminister dem Schiff die Einfahrt, da es der libyschen Küstenwache zuvorgekommen sei. Die Passagiere wurden also auf ein Schiff der Küstenwache „umgeladen".

    Boot Migranten aus Afrika im Mittelmeer
    © REUTERS / Hermine Poschmann/ Misson-Lifeline/ Handout

    Laut dem Kapitän des Schiffs „Diciotti" waren ein Ghanaer und ein Sudanese die Anführer der Unruhestifter. Angeblich seien 27 der 67 Migranten Pakistaner, zwölf Sudanesen und zehn Libyer.

    Am Donnerstagmorgen durfte das Schiff mit den Migranten an Bord den sizilianischen Hafen Trapani anlaufen.

    Salvini wollte zunächst Garantien bekommen, dass die mutmaßlichen Täter eine Haftstrafe bekommen und dann in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen. Er erlaube niemandem, das Schiff zu verlassen, sagte Salvini am Rande des informellen Treffens der EU-Innenminister in Österreich. „Wenn es jemand macht, dann auf eigene Verantwortung".

    Am Mittwoch hatte Salvini die mutmaßlichen Täter als „Verbrecher" und „gewalttätige Piraten" bezeichnet, die „in Handschellen" von Bord geholt werden sollten, und das Anlegen in einem italienischen Hafen verweigert.

    Am Donnerstag bestätigte er seinen Beschluss: „Wenn es Gewalt (an Bord der 'Vos Thalassa') gab, werden die Verantwortlichen ins Gefängnis gehen, und wenn es nicht so war, dann hat jemand gelogen und wird die Konsequenzen tragen", äußerte er.

    In einer Mitteilung, die in seinem Twitter-Account veröffentlicht wurde, schrieb Salvini, die italienische Staatsanwaltschaft, der inzwischen zwei Anzeigen wegen Drohungen, persönlicher Gewalt und des Versuches einer Schiffsentführung vorliegen würden, solle so viel Zeit haben, wie nötig sei, um eine Entscheidung zu treffen.

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    Tags:
    Gewalt, Schiff, Migranten, Matteo Salvini, Mittelmeer, Italien
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