11:56 17 Juli 2018
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    A mock road sign for Damascus, the capital of Syria, and a cutout of a soldier, are displayed in an old outpost in the Israeli controlled Golan Heights near the border with Syria, Thursday, May 10, 2018

    „Der Teufel, den man kennt, ist besser“: Experte zu Israels Haltung zu Syrien

    © AP Photo / Ariel Schalit
    Politik
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    Trotz der zunehmenden Spannung in den syrische-israelischen Beziehungen scheint Tel Aviv seinen Ton gegenüber dem syrischen Präsidenten gemildert zu haben. Der israelische Sicherheitsexperte Dr. Mark Heller hat in einem Interview mit Sputnik diesen Tonwechsel Israels kommentiert.

    Zuvor hatten Medien unter Verweis auf einen ranghohen israelischen Beamten berichtet, dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bei seinem jüngsten Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert, Tel Aviv versuche nicht, den syrischen Präsidenten BAshar al-Asad zu stürzen, und werde sich nicht in syrische Angelegenheiten einmischen, falls die bestehende Vereinbarungen eingehalten werden sollten.

    Diese Äußerung sei eine Art Anerkennung des fast unvermeidlichen Ergebnisses des langjährigen Krieges in Syrien, sagte Heller: Das „Regime" der syrischen Regierung werde fast auf dem gesamten Territorium des Landes wiederhergestellt werden, darunter in den Gebieten, die in direkter Nähe zu Israel liegen würden.

    Israel sehe ein, dass es notwendig oder wünschenswert wäre, „eine gewisse Verständigung mit diesem Regime" zu erreichen, „unter der Annahme, dass der Teufel, den man kennt, vielleicht besser ist als der Teufel, den man nicht kennt", äußerte er.

    Am Mittwoch hatte Israel in Gegenreaktion auf eine vermutliche Verletzung seines Luftraumes durch eine syrische Drohne Stellungen der syrischen Armee attackiert. Laut Heller könnte das ein wesentliches Eskalationsrisiko in sich bergen:

    Er glaube zwar nicht, dass die syrische Regierung zurzeit eine direkte Konfrontation mit Israel brauche. Sie habe andere Prioritäten, die dringender seien. Dabei bestehe immer in den syrischen Streitkräften eine Wahrscheinlichkeit, die Kontrolle zu verlieren.

    Ein weit wichtigeres Problem sei jedoch die Nutzung des syrischen Luftraums durch andere Akteure wie der Iran oder die von ihm kontrollierte Hisbollah-Bewegung, „die auf dem syrischen Territorium agiert, um Israel anzugreifen oder dessen Sicherheit zu unterminieren".

    In Bezug auf eine mögliche Rolle, die Russland beim Stabilisieren des syrisch-israelischen Verhältnisses spielen könnte, betonte Heller, dass Russland permanente Beziehungen nicht nur zu Israel und Syrien, sondern auch zum Iran unterhalte:

    Für Israel wäre hier von großer Bedeutung, dass der Iran und die von ihm kontrollierten Organisationen möglichst weit von den israelischen Gebieten gehalten wären, sagte Heller. Ideal wäre, wenn sie außerhalb Syriens ferngehalten wären.

    „Die Interessen von Israel und die von Russland scheinen sich hier in einem gewissen Sinne zu überschneiden", so Heller weiter. „Denn Israel glaubt, Russland ist ebenfalls nicht an der Sicherung und Verbreitung des iranischen Einflusses sowie der iranischen Kontrolle über das gesamte syrische Territorium interessiert". Die wichtigste Frage dabei sei: Inwieweit sei Russland bereit und fähig, zu einer Aufgabe beizutragen, zu der sich Israel anscheinend vorbehaltlos bekenne, und zwar zum Ausschluss Irans von den syrischen Angelegenheiten? „Wir müssen abwarten und sehen, ob das tatsächlich passiert", so Heller abschließend.

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    Tags:
    Einfluss, Bashar al-Assad, Benjamin Netanjahu, Russland, Iran, Israel, Syrien
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