20:35 16 Dezember 2018
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    Roland Tichy bei der Aufzeichnung des 24. Bonner Wirtschaftstalk am 24.8.2016 in der Bundeskunsthalle

    Zu rechts für die Ludwig-Erhard-Stiftung? Roland Tichy erhitzt die Gemüter

    CC BY 2.0 / Marcus Harzem / BWT24_0112.jpg
    Politik
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    Ilona Pfeffer
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    Polit-Prominente wie Otto Graf Lambsdorff und Altkanzler Gerhard Schröder gehörten zu den Preisträgern, Gesundheitsminister Jens Spahn und der Wirtschaftsweise Lars Feld sind Mitglieder. Die Rede ist von der namhaften Ludwig-Erhard-Stiftung. Nun sorgt Friedrich Merz für einen Eklat, weil er den Preis ablehnt, den ihm die Stiftung verleihen wollte.

    Boykottierte Friedrich Merz (CDU) die diesjährige Preisverleihung der Ludwig-Erhard-Stiftung, weil ihm der Vorsitzende der Stiftung zu rechts ist? Laut einem Bericht des Handelsblattes sollte Merz mit dem renommierten Preis für seine Verdienste um die Soziale Marktwirtschaft ausgezeichnet werden. Er lehnte jedoch den Preis ab. Der Politiker selbst habe dazu keine Stellung genommen. Jedoch soll aus einer internen Email von Jury-Mitgliedern hervorgehen, dass der Preisträger „nicht mit dem Vorsitzenden der Stiftung auf einer Bühne auftreten wolle“. Gemeint ist Roland Tichy, der seit 2014 den Vorsitz der Stiftung hat.

    „Risse im konservativen Lager“

    Unter der Regierung Kohl war Tichy im Planungsstab des Bundeskanzleramtes. Später arbeitete er für Daimler Benz. In seiner journalistischen Karriere leitete Tichy das Berliner Büro des Handelsblatts und war sieben Jahre lang Chefredakteur der Wirtschaftswoche. In die Kritik geriet er jedoch wegen seines Meinungsportals „Tichys Einblick“. In seinen Beiträgen überschreite er aus Sicht der Kritiker regelmäßig die Grenze zum Rechtspopulismus, schreibt das Handelsblatt.

    „Viele der dort erscheinenden Beiträge deckten sich politisch stark mit Positionen der AfD, wird Tichy vorgeworfen. Vor wenigen Tagen zweifelte ein Gastautor auf ‚Tichys Einblick‘, ob es die rechte Terrorgruppe NSU so gegeben habe, wie es im Prozess dargestellt wurde“, so das Handelsblatt weiter.

    Mehrere Jury-Mitglieder sollen Tichy vorgeworfen haben, die Ludwig-Erhard-Stiftung als „Reputationsmaschine“ für seinen Blog zu missbrauchen.

    Die Absage von Friedrich Merz habe namhafte Jury-Mitglieder dazu bewogen, ihre Arbeit bei der Stiftung niederzulegen. Die Journalisten Rainer Hank, Ulric Papendick, Nikolaus Piper und Ursula Weidenfeld sollen bereits ihren Austritt aus dem Gremium erklärt haben. Ein weiteres Mitglied soll ihnen am Wochenende gefolgt sein. Dahinter sieht das Handelsblatt „Risse im konservativen Lager“. Seit Ausbruch der Flüchtlingskrise gebe es nicht nur in den Unionsparteien Streit, sondern auch in den ihnen nahestehenden Stiftungen und Organisationen.

    Die Absage von Friedrich Merz hat dem CDU-Politiker auf Twitter Lob eingebracht, auch über Parteigrenzen hinweg. So bedankt sich FDP-Vize Alexander Lambsdorff bei Merz dafür, dass dieser Roland Tichy entlarvt habe.

    Grünen-Abgeordnete Renate Künast schreibt, sie habe auf die Diskussion schon länger gehofft:

    „Sachlich schwacher Angriff“

    Kurz nach der Publikation des Handelsblatts erschien bei „Tichys Einblick“ eine Antwort. Autor Fritz Goergen ist der Ansicht, hier soll „eine von den Moralmedien ungeliebte Stimme“ geschädigt werden. Das Handelsblatt präsentiere einen „sachlich schwachen Angriff“ auf Roland Tichy und stelle sich selbst ein schlechtes Zeugnis aus. Die Vorwürfe gegen Tichy seien an den Haaren herbeigezogen, relevante Details seien ausgelassen worden. Ein Gespräch habe man Tichy nie angeboten.

    „Die Methode, mit der das Handelsblatt Roland Tichy am Zustandekommen dieses Artikels ‚einbezogen‘ hat, ist journalistisch eine besonders üble. Die Story ist fertig, aber es macht sich besser, wenn man ein paar Zitate des Angegriffenen hat. Also legt man ihm mit sehr kurzer Fristsetzung schriftlich ultimativ Fragen vor, die er nun beantworten kann oder nicht. Beantwortet er sie nicht, schreibt man, hat sich dem Gespräch verweigert. Dass ein Gespräch nie angeboten, geschweige denn geführt wurde, nicht einmal telefonisch, fällt dann unter den Tisch. Antwortet der Angegriffene, kann man die Antwortteile nehmen, die in die längst fertige Geschichte passen, andere ignorieren und auf einzelne Antwortsätze, die den Schreibern nicht passen, draufsetzen, es war doch so, wie wir behaupten – ohne einen Beleg anzuführen.“

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    Tags:
    Medien, Journalismus, Rechtsruck, Ludwig-Erhard-Stiftung, NSU, Bundeskanzleramt, Daimler AG, CDU, Roland Tichy, Alexander Graf Lambsdorff, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Friedrich Merz