21:05 20 August 2018
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    Am Absturzort der malaysischen Boeing 777

    Vier Jahre nach MH17-Abschuss: Moskau will bei Ermittlung helfen – Westen lehnt ab

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    Moskau ist laut dem stellvertretenden UN-Botschafter Russlands, Dmitri Poljanski, bereit, Dokumente und Fachkräfte zur Aufklärung des Abschusses des Flugs MH17 über der Ostukraine im Juli 2014 bereitzustellen. Westliche Partner sind laut dem Diplomaten daran jedoch nicht besonders interessiert.

    „Momentan sind wir gar nicht damit zufrieden, wie die Ermittlung durchgeführt wurde. Es entsteht der Eindruck, dass man sich über die sogenannte,russische Schuld‘ von Anfang an einig war, und wir haben keinerlei Illusionen in Bezug auf die Ermittlungsergebnisse“, so Poljanski.

    Er betonte, die Ermittlung müsse die „Positionen aller Seiten einschließen, darunter auch die von Russland“.

    „Russische Akten und russische Daten wurden mehrmals abgelehnt und daher nicht in die Ermittlungsergebnisse aufgenommen. Zugleich gibt es leider viele Verweise auf soziale Netzwerke und sehr fragliche Gruppen im Internet, die in solchen Fällen keine glaubwürdige Informationsquelle darstellen können“, so der Diplomat weiter.

    Sitzung der Ermittlungskommission zum MH17-Absturz in der Ost-Ukraine (Archivbild)
    © Sputnik / Witalij Beloussow
    Ein großer Teil der wichtigen Angaben zur Tragödie sei in dem Ermittlungsbericht gar nicht enthalten: „Sie (die westlichen Länder – Anm. d. Red.) ignorieren uns einfach, wir nehmen an der Ermittlung nicht teil. Und sie sagen, dass sie es entscheiden, ob sie Unterlagen aus Russland in die Ermittlung aufnehmen oder nicht.“

    Dasselbe gelte für die ukrainische Seite: „Wir sind der Meinung, dass die ukrainische Seite viele Informationen hat, die bei ihnen nicht angefragt werden. Genau deshalb gehen wir davon aus, dass die Ermittlung weit davon entfernt ist, fair, umfassend und transparent zu sein.“

    Eine der wichtigsten sei nach wie vor die Frage, warum die Ukrainer zugelassen hatten, dass ein Passagierflugzeug durch den Luftraum über einem Kriegsgebiet fliegt. Das widerspreche allen Regeln der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation.

    Russland lehne die Kooperation keineswegs ab und wolle keinen Fragen ausweichen, betont Poljanski. „Wir haben viel zu sagen und viel zu tun.“

    Australien hat am Dienstag die Hoffnung geäußert, dass unter Zusammenarbeit mit Russland ein Dialog über die Umstände eingeleitet werden kann, die zum Absturz von MH17 geführt haben. 

    „Am 25. Mai hatten Australien und die Niederlanden erklärt, dass wir Russland für die Katastrophe verantwortlich machen. Wir hoffen, dass wir durch Gespräche mit Russland einen Dialog über die Umstände beginnen können, die zum Tod von Unschuldigen geführt haben“, heißt es in einer Erklärung der australischen Außenministerin Julie Bishop.

    Das Joint Investigation Team (JIT) hatte zuvor Zwischenergebnisse der Ermittlung zur Tragödie vorgelegt. Im MH17-Team von JIT arbeiten die niederländische Staatsanwaltschaft und die niederländische Nationalpolizei mit den Polizei- und Justizbehörden von Australien, Belgien, Malaysia und der Ukraine zusammen. Die Ermittler behaupten, dass die Buk-Rakete, mit der die Boeing abgeschossen worden sei, aus der 53. russischen Luftabwehrbrigade stamme, die in Kursk stationiert gewesen sei.

    Das russische Außenministerium kritisierte die Ermittlung jedoch als voreingenommen und einseitig: Die Vorwürfe gegen Russland seien unbegründet und bedauernswert.

    Später beklagte der russische Präsident Wladimir Putin, Russland werde von der Ermittlung der Katastrophe ausgeschlossen. Moskau werde die Ergebnisse nur in dem Fall anerkennen, wenn es an der Ermittlung in vollem Umfang beteiligt sei. Das Argument, die Rakete sei russischer Bauart gewesen, könne man nicht akzeptieren. Schließlich würden beide Seiten im Konflikt fast ausschließlich mit Waffen russischer oder sowjetischer Bauart kämpfen.

     

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    Tags:
    Zusammenarbeit, Schuld, Ermittlungen, Aufklärung, Abschuss, MH17-Absturz, Internationales Ermittlungsteam (JIT), Wladimir Putin, Donbass, Ukraine, Malaysia, Niederlande, Russland
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