01:25 23 Oktober 2018
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    Sowjetische Truppen verlassen Afghanistan im Februar 1989

    Afghanistan erwartet von Russland Entschuldigung für Sowjet-Einmarsch – Botschafter

    © AP Photo / Vitaly Zaporozhchenko/ File
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    Den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan im Jahr 1979 hat der afghanische Botschafter in Russland, Abdul Kajum Kutschai, als Fehler bezeichnet, für den das afghanische Volk von Russland eine Entschuldigung erhalten möchte. Dies sei für ein gutes Verhältnis zwischen den beiden Ländern von großer Bedeutung.

    „Wir sind daran interessiert, dass sich unsere Beziehungen entwickeln, damit sich die früheren Fehler nicht wiederholen. Zum Beispiel Fehler wie im Jahr 1979“, sagte Kutschai bei einem Treffen mit der LDPR-Fraktion in der Staatsduma (russisches Parlamentsunterhaus).

    „Im Jahr 1978 waren linke Kräfte an die Macht gekommen, die aber in der Tat nicht links waren. Sie hatten nur einen Wunsch – die Macht. Die Sowjetunion beging ihren ersten Fehler, als sie die Regierung von Amin und Taraki anerkannte – dies war keine selbstständige, sondern eine Marionetten-Regierung“, so der Diplomat weiter.

    Der zweite Fehler war laut ihm der Einmarsch der sowjetischen Truppen, infolge dessen „mehr als zwei Millionen Afghanen und eine große Zahl von sowjetischen Soldaten“ getötet worden seien. Auch die gesamte Infrastruktur des Landes sei zerstört worden.

    „Unter Nachbarn kann so etwas vorkommen (…). Aber jetzt rechnen wir damit, dass die russische Regierung dem afghanischen Volk eine Art Entschuldigung ausspricht. Eine solche Erklärung wird zur Vertiefung und Verstärkung unserer Beziehungen beitragen“, so Kutschai.

    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte sich 2015 zum Krieg in Afghanistan geäußert. Er sagte damals, er wolle dem Einsatz der Sowjet-Truppen „keine politischen Bewertungen“ geben: „Natürlich gab es viele Fehler, aber es gab auch reale Gefahren, welche die sowjetische Führung mit dem Einmarsch der Truppen nach Afghanistan zu hemmen versuchte“.

    Im Jahr 1973 brach in Afghanistan ein Militärkonflikt zwischen Regierungskräften und islamistischen Guerilla-Grupperungen, bekannt als Mudschaheddin, aus. Die Mudschaheddin wurden politisch und materiell von den führenden Staaten der Nato und der islamischen Welt unterstützt. Am 27. April 1978 übernahm die kommunistische Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) unter Nur Muhammad Taraki die Macht. Taraki hatte seit Ende 1978 mehrfach um sowjetische Militärhilfe gebeten, um innere Unruhen zu bekämpfen. Im Jahr 1979 entschied sich die sowjetische Führung dafür, in Afghanistan einzumarschieren. Der sowjetische Militäreinsatz dauerte von 1979 bis 1989. Nach unterschiedlichen Angaben kamen in dieser Zeit bis zu 1,5 Millionen Zivilisten ums Leben. Millionen von Afghanen flohen aus ihrem Land.

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    Zivilisten, Opfer, Tote, Entschuldigung, Einsatz, Einmarsch, NATO, Sowjetunion, Russland, Afghanistan