17:03 20 August 2018
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    AfD-Mitglieder bei der Abstimmung (Symbolbild)

    Vom Friedensfahrer zur AfD: Prof. Rothfuß stößt im Netz auf Ablehnung und Zustimmung

    © AFP 2018 / Christof STACHE
    Politik
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    Paul Linke
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    Der Mitbegründer der Friedensinitiative "Druschba Global e.V." Professor Rainer Rothfuß will zur AfD wechseln. Rothfuß organisierte zahlreiche Friedensfahrten nach Russland. Unter den Freundschaftsfahrern trifft sein Vorhaben auf Verwunderung, Ablehnung, aber auch Zustimmung.

    Am 26. April 2018 hat der Druschba-Vorsitzende Professor Rainer Rothfuß den Aufnahmeantrag für die Partei Alternative für Deutschland (AfD) gestellt. Eine definitive Bescheinigung der Mitgliedschaft habe er noch nicht erhalten, sagt er gegenüber Sputnik. „Ich habe mich entschieden, in Zukunft stärker auf politischer Ebene für unser Herzensanliegen friedlicher Russlandbeziehungen zu kämpfen. Da die Druschba-Bewegung aber unparteiisch bleiben sollte, um als unabhängige Friedensinitiative ihre Wirkung zu erzielen, habe ich mich entschieden, mich aus dem Orga-Team und Vorstand von Druschba Global e.V. zurück zu ziehen“, heißt es im Facebook-Kommentar von Prof. Dr. Rainer Rothfuß. Für das „momentan glaubwürdigste Sammelbecken wirklich kritischer Menschen, die weg von einer Interventionsarmee und hin zu guten Russland- Beziehungen wollen“ hält Rothfuß die rechtskonservative Partei und weist darauf hin, dass fast alle in der AfD die Friedensfahrten kennen und schätzen würden.

    Seit Jahren werden der Druschba-Friedensbewegung Verbindungen zu rechten Kräften, zu Verschwörungstheoretikern und russischen Propaganda-Kanälen nachgesagt.

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    Rechter Stempel für alle Friedensfahrer?

    Sorgen, dass sich das Engagement für die Rechts-Konservativen negativ auf die Druschba-Bewegung auswirken könnte, hat der ehemalige Vorsitzende der Initiative nicht: „Deswegen habe ich das mit dem Vorstand vorab abgesprochen, dass ich mich aus der Führungsposition zurückziehe. Wir hatten letztendlich schon immer überparteiisch agiert. Und hatten nie Berührungsängste zu den Linken, zu der CDU. Und die Frage der Friedensfahrten bleibt sowieso unberührt von meiner persönlichen Entscheidung.“

    Verwunderung, Enttäuschung, Lob

    Auf Verwunderung und Kritik traf die Ankündigung von Rothfuß unter den Friedensfahrern und den Anhängern der Initiative. Die Nutzerin Dana Moscow kommentierte die Erklärung des Vorsitzenden folgendermaßen: „Wenn die Freundschaftsfahrt Russland offensichtlich mit der AfD sympathisiert, frage ich mich ob die russischen Mitglieder die Tragweite dieser Verbindung verstehen. Ich distanziere mich und verabschiede mich hiermit von einer ursprünglich sehr guten Idee.“

    Andere zeigten sich irritiert, wie Anuna Stevenowski: „Du hattest für dein bisheriges Tun meinen allergrößten Respekt und ein wenig ist das ins Wanken geraten. Ich finde allerdings, dass du dich an dieser Stelle sehr gut erklärt hast! … Ich persönlich habe erhebliche Zweifel, dass die Betätigung in dieser Partei dem gerecht werden kann, aber ich wünsche dir persönlich, dass du für dich einen guten, einen richtigen Weg findest.“

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    Auch Lothar Zöllner hält es für falsch „eine Partei zu stärken, weil man mit einigen, vielleicht auch nur wenigen Parteipunkten konform ist“.

    Richtig und wichtig findet die Entscheidung die Facebook-Userin Birgit Gehrmann, „denn gerade auf der politischen Ebene fehlen uns Kompetenzen, die die globalen Zusammenhänge erfassen und begreifen können und somit positiv einwirken können“, so Gehrmann.

    Verständnis für rechtsextreme Bekundungen?

    Die viel kritisierte Äußerung des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland, wonach er Stolz auf die Wehrmacht einforderte, bezeichnet Rothfuß als „sehr schädlich“. „Gerade ich, der mit vielen Friedenfahrten in Russland unterwegs war und gespürt habe, wie die heutige Bevölkerung noch leidet unter den 27 Millionen Toten, die bei diesem Krieg mit Deutschland hervorgerufen wurden, da muss ich sagen, das ist extrem taktlos in der Wirkung, was Gauland da gesagt hat“, kritisiert Rothfuß und beschuldigt zugleich die Mainstream-Medien: „Wenn eine Partei im Mediendiskurs bekämpft wird, dann reicht der kleinste Fehler aus, dieser wird total überzeichnet und damit wird die Partei als indiskutabel dargestellt“, stellt der Politologe fest. Auch für die Islamophobie der AfD bringt der Friedensaktivist Verständnis auf. Sein Argument: „Die Selbstbestimmung der Völker“, welche auch die kulturelle Ebene erfasse. „Wenn die deutsche Bevölkerung sagt, dass sie eine Überfremdung wahrnimmt und die politischen Entscheidungen in diese Richtung nicht weiter abgleiten sehen will, dann ist das ein völkerrechtlich verbrieftes Recht der deutschen Bevölkerung“, so Rothfuß.

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    Am 18. Juni wurde Prof. Dr. Rainer Rothfuß in den ehrenamtlichen Stiftungsrat der Desiderius-Erasmus-Stiftung, einer parteinahen Stiftung der AfD, eingeladen.

    Das komplette Interview mit Prof. Rainer Rothfuß zum Nachhören:

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    Tags:
    Beziehungen, Friedensinitiative, Medien, Druschba Friedensinitiative, CDU, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland, Russland
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