05:59 21 Oktober 2018
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    Bundeswehr-Soldaten während der Übungen (Archiv)

    „Aufbau einer Söldner-Truppe“: Bundeswehr erwägt Aufnahme von Ausländern

    © AFP 2018 / PATRIK STOLLARZ
    Politik
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    Deutschlands Streitkräfte leiden seit dem Ende der Wehrpflicht unter Personalnot. Im Bundesverteidigungsministerium soll es Überlegungen geben, Ausländer in die Bundeswehr aufzunehmen, schreibt „Die Augsburger Allgemeine“ am Samstag. Die Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht hat die angeblichen Pläne der Regierung heftig kritisiert.

    Nach den Informationen des Blattes soll im Ministerium diskutiert werden, ausländischen Rekruten im Gegenzug zum Eintritt in die Truppe einen deutschen Pass anzubieten. „Die Bundeswehr wird aufwachsen. Hierfür brauchen wir qualifiziertes Personal. Wir prüfen daher alle möglichen Optionen sorgfältig durch“, zitiert die Zeitung eine Sprecherin des Amtes.

    Dabei soll es sich vor allem darum handeln, die Bundeswehr für EU-Ausländer zu öffnen, schreibt das Blatt unter Berufung auf den verteidigungspolitischen Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Florian Hahn. Der Idee stehe er durchaus offen gegenüber. „Im Rahmen der europäischen Freizügigkeit könnten hier moderne Modelle entwickelt werden.“ Allerdings müsse bei jedem Soldaten das besondere Treueverhältnis gesichert sein.

    Würden Bürger weiterer Staaten aufgenommen, gar gegen das Versprechen, einen deutschen Pass zu bekommen, drohe die Bundeswehr zu einer Art Söldnerarmee zu werden, meint Karl-Heinz Brunner, der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Landesgruppe Bayern im Bundestag.

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    Bei anderen Ausländern müsse die Reihenfolge sein, dass sie zuerst deutsche Staatsbürger werden – und dann Bundeswehrsoldat. „Wer im Rahmen der Integration den deutschen Pass erwirbt, ist herzlich eingeladen“, so Brunner.

    EU-Ausländer für den Dienst in der Bundeswehr zuzulassen sei nicht neu, bestätigt das Verteidigungsministerium gegenüber „Der Augsburger Allgemeinen“. Sowohl für zivile Beamte als auch für Soldaten sei es bereits heute nach geltendem Recht möglich, „freilich in einem sehr eng definierten Rahmen für Personen mit besonders gesuchten Qualifikationen“. „Im Moment wird sehr intensiv geprüft, wie diese Möglichkeiten künftig erweitert werden können“, beruft sich die Zeitung auf eine Quelle im Ministerium.

    Sahra Wagenknecht kommentierte die angeblichen Pläne der Bundesregierung, Ausländer für die Bundeswehr anzuwerben und im Gegenzug die deutsche Staatsbürgerschaft anzubieten, scharf. „Was für ein grotesker Plan! Ich finde: Wir brauchen keinen Aufbau einer Söldner-Truppe, die Kriege führt in aller Welt, sondern endlich eine friedlichere Politik!“ schrieb die Fraktionsvorsitzende auf Facebook.

    Die Wehrpflicht in Deutschland war im Jahr 2011 unter dem damaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgesetzt worden. Die letzten Kreiswehrersatzämter schlossen zum 30. November 2012, an deren Stellen traten sogenannte Karrierecenter der Bundeswehr.

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    Tags:
    Kritik, Integration, Wehrpflicht, Ausländer, CSU, SPD, Die LINKE-Partei, Bundeswehr, EU, Sahra Wagenknecht, Deutschland