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    Proteste im Irak, 13. Juli 2018

    Warum Iraker jetzige Einmischung von USA und Uno gut finden

    © AFP 2018 / Haidar Mohammed Ali
    Politik
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    Die USA und die Vereinten Nationen spielen im Irak eine bedeutende Rolle, was die inneren Angelegenheiten des Landes angeht. Wie bewerten die Iraker selbst diese ausländische Einflussnahme auf die politische Lage in ihrer Heimat? Zwei irakische Experten haben gegenüber Sputnik diese Frage beantwortet.

    Die US-Botschaft in Bagdad hatte am Montag dem irakischen Volk und der Regierung ihre Unterstützung beim Kampf gegen die Korruption und der Stärkung der Wirtschaft ausgesprochen. Am selben Tag rief die Uno alle Konfliktseiten im Irak zu einem Dialog auf, damit eine neue Regierung gebildet und die Forderungen der Protestler im Süden des Landes erfüllt werden können.

    Der irakische UN-Berater für Wirtschaft, Fallah al Lami, hat gegenüber Sputnik erklärt, warum die irakische Bevölkerung die Einflussnahme der USA derzeit nicht ablehnt:

    „Der Irak ist ein souveräner Staat mit seiner eigenen Verfassung und Regierung. Und jede ausländische Einmischung wird als Anspruch auf die Souveränität wahrgenommen. Aber momentan freuen sich alle Iraker über den Druck seitens der Uno. Die Leute brauchen auch Menschenrechtsorganisationen, die für ihre Rechte einstehen und die Lage im Lande beobachten.“

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    Die Uno übe derzeit jedoch einen ziemlich schwachen Druck  auf die irakische Regierung bei der Umsetzung der Reformen und dem Kampf gegen die Korruption aus. „Die Vereinten Nationen werden eine entschiedenere Politik scheuen, weil sich die Amerikaner mit der Lage im Irak befassen. Wenn die Organisation mehr Druck ausüben würde, hätte es die heutigen Krisen nicht gegeben“, so der Experte weiter.

    Wasiq al Hashimi, der Strategie-Experte aus Bagdad, sagte gegenüber Sputnik, die US-Botschaft verfolge die Situation im Irak sehr genau und gebe keine voreiligen Erklärungen ab. „Die Amerikaner haben die Forderungen der Protestierenden gründlich untersucht und die entstandene Lage bewertet.“ Denn an den heutigen Demos stellen laut al Hashimi unterschiedliche Gruppen und politische Kräfte ihre eigenen Forderungen. Unter anderem treffen dort die Interessen des Iran, der USA und Saudi-Arabiens aufeinander.

    „In die inneren Angelegenheiten des Irak mischen sich viele ausländische Kräfte ein, doch die wichtigsten Akteure sind die USA und der Iran. Der Iran hat sich bereits einen großen Vorteil verschafft, indem er auf die Wahl des Premierministers, des Präsidenten und der Parlamentsabgeordneten Einfluss genommen hat. Jetzt zielt er auf die Bildung einer neuen Regierung ab und will sie maximal schiitisch gestalten“, betont der Strategie-Experte.

    Zu diesem Zweck wolle Teheran die Regierungsbildung möglichst hinausschieben. „Die Amerikaner wollen den iranischen Einfluss wiederum eindämmen, daher treten sie für eine baldige Regierungsbildung im Irak ein.“ Washington sei also daran interessiert, die Situation im Lande zu stabilisieren, um seinen eigenen Einfluss zu festigen.

    Beide irakische Experten sind sich einig, dass die heutige Einmischung seitens der USA und der Uno in die politische Lage im Nahost-Land mehr Nutzen als Schaden bringen wird.

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    Tags:
    Wahlen, Regierung, Korruption, Politik, Einfluss, Einmischung, Proteste, Uno, Washington, USA, Iran, Irak