20:04 19 November 2019
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    Einwohner der türkischen Stadt Zonguldak vor einem Plakat mit Ex-Bundesteam-Spieler Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan

    „Dumm und undankbar“ – Box-Europameister Ünsal Arik kritisiert Özil und Erdogan

    © AFP 2019 / Demiroren News Agency
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    Der deutsch-türkische Profi-Boxer und amtierende Europameister Ünsal Arik kritisiert Ex-Nationalspieler Mesut Özil in der „DFB-Erdogan-Affäre“. „Sportler haben das Recht auf eine eigene, auch politische Meinung“, sagt er im Sputnik-Interview. „Aber so einen Diktator zu unterstützen, das geht nicht.“ Auch viele Deutsch-Türken sehen das laut Arik so.

    „Ich finde das Verhalten von Mesut Özil einfach dumm und undankbar“, sagte Box-Europameister Ünsal Arik gegenüber Sputnik. Die Diskussion sei mittlerweile derart ausgeufert, dass es schon lange nicht mehr nur um den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan geht. „Dies ist mittlerweile ein Türkei-Deutschland-Krieg geworden. Meine Landsleute sind jetzt so emotional und voller Stolz geladen. Man kann mit niemandem mehr in Ruhe darüber sprechen. Sogar die größten Erdogan-Gegner sind plötzlich Erdogan-Fans geworden. Rein aus Prinzip, weil sie jetzt alle gegen Deutschland sind.“

    Die ganze Diskussion habe zu einem Riss in der Gesellschaft geführt. Der aktuelle Box-Europameister wünscht sich nun in der Debatte um Özil, Erdogan und die Fußball-Nationalmannschaft eine Rückkehr „zu Vernunft und Demokratie“. „Seinen Rücktritt finde ich nicht schön. Das passt auch nicht zu Mesut Özil. Weil er ein Weltklasse-Spieler ist. Er ist Weltmeister. Er hat bei den größten Vereinen Europas gespielt.“

    Özil als „Erdogans Marionette“?

    Wie er sich jetzt verhalte, sei einem Spieler seines Ranges unwürdig. Er benehme sich wie „eine Marionette“ von Erdogans Partei AKP.

    „Ich glaube“, so Box-Champion Arik, „ich bin nicht der einzige Mensch, der sich wünscht, dass Erdogan weggeht. Es gibt noch viele türkische Fans, viele demokratisch denkende Menschen, die sich das wünschen. Ich hoffe und bete, dass die Türkei den Weg in die Demokratie zurückfindet.“

    Der Athlet findet, „ein Sportler hat genauso ein Anrecht auf eine politische Meinung. Wir sind auch nur Menschen, die einen Beruf ausüben.“ Dennoch müssten Sport-Profis auch mit Konsequenzen und Reaktionen umgehen.

    „So hätte der DFB reagieren können“

    „Das Beste wäre gewesen“, gab der Box-Europameister mit Blick auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu bedenken, „noch vor der Weltmeisterschaft beide an die Seite zu nehmen und zu sagen: ‚Leute, ihr habt euch politisch engagiert. Das finden wir nicht in Ordnung. Somit müsst ihr zu Hause bleiben.‘ Deutschland hat genug andere talentierte Spieler, die es verdient hätten und wahrscheinlich leidenschaftlicher für das Land spielen als Gündogan und Özil.“

    Selbstverständlich lehnt Arik jegliche rassistische Äußerung und Beleidigung ab. „Das ist natürlich sehr respektlos“, kommentierte er mit Blick auf Kommentare über Özil, die teilweise weit unter die Gürtellinie gingen. „So etwas sagt man nicht. Man nimmt solche Wörter nicht in den Mund. Kein Mensch verdient eine Beleidigung. Jeder kann sich professionell ausdrücken.“ Leider gebe es das Problem des Rassismus weltweit – nicht nur in Deutschland.

    Umfrage: Mehrheit kritisiert Özils Verhalten

    Der in der bayrischen Oberpfalz aufgewachsene Profi-Boxer und amtierende Europameister gilt seit langem als Kritiker von Erdogan, dem Staatspräsidenten der Türkei. Daher verwundern seine Aussagen zum Wirbel um den deutsch-türkischen Fußball-Star Mesut Özil wenig.

    Fußballspieler Mesut Özil (Archivbild)
    © AFP 2019 / Christof Stache
    Ünsal Mukadder Arik begann seine Boxer-Karriere in Regensburg. In seiner Gewichtsklasse hat er schon mehrere internationale Titel gewonnen. Darunter unter anderem 2016 den „World Champion“-Titel der World Boxing Union (WBU) und den europäischen Titel der International Boxing Federation (IBF). Zuletzt gewann er im Mai 2018 die Europameisterschaft der Universal Boxing Federation (UBF) mit einem Sieg über den Georgier Nikoloz Berkatsaschwili in Augsburg.

    Laut einer aktuellen Umfrage des TV-Senders „RTL“ begrüßen 66 Prozent der Deutschen den Rücktritt Özils aus dem deutschen Team. 84 Prozent der Befragten (darunter auch viele Deutsch-Türken) sind allerdings der Meinung, dass seine Stellungnahme „zu spät kam.“. Nur 19 Prozent können Özils Rassismusvorwürfe nachvollziehen. Die Mehrheit (70 Prozent) ist der Ansicht, dass berechtigte Kritik an seinem Verhalten geübt wurde.

    Das komplette Radio-Interview mit Box-Europameister Ünsal Arik zum Nachhören:

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    Tags:
    Sport, Meinungsfreiheit, Nationalmannschaft, Nationalelf, Rassismus, Deutscher Fußball-Bund (DFB), AKP (”Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung”), Ünsal Arik, Ilkay Gündogan, Recep Tayyip Erdogan, Mesut Özil, Oberpfalz, Bayern, Regensburg, Augsburg, Russland, Deutschland