07:41 19 August 2018
SNA Radio
    ein Junge mit der Syriens Flagge in Quneitra, die syrische Regierungstruppen zurückgewonnen haben

    Friedensprozess in Syrien muss angepasst werden – Experte

    © REUTERS / Omar Sanadiki
    Politik
    Zum Kurzlink
    Natalia Pawlowa
    7620

    Am 30. und 31. Juli findet die zehnte Gesprächsrunde im „Astana-Format“ in Sotschi statt. Die Hauptphase des Kampfes gegen den IS* ist abgeschlossen, nun kommt es auf die Wirtschaftserholung und die Rückkehr der Flüchtlinge an. Wer wird sich diesem Prozess anschließen?

    Heute bedürfe die Krisenbeilegung in Syrien einer Anpassung, meint Andrej Baklanow, Außenpolitikexperte und ehemaliger Botschafter Russlands in Saudi Arabien (2000-2005).

    „Jetzt stehen wir vor einer qualitativ neuen Etappe: Alle Formate der syrischen Beilegung erfordern ein grundsätzliches Umdenken, eine Anpassung und vielleicht auch einen Übergang zu neuen Formaten und Instrumenten“, sagte er bei einem Rundtischgespräch in der russischen Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya.

    Nach dem Sieg über die Terrorgruppe Islamischer Staat* in Syrien rücken die politische Beilegung und der Wiederaufbau des Landes in den Vordergrund.

    Baklanow zufolge beginnt die Gemeinschaft erst jetzt, die neue militärpolitische Lage in Syrien zu erfassen. Praktisch gesehen, sei die Aufgabe zur IS*-Bekämpfung im Wesentlichen erfüllt worden, was nicht nur an der militärischen Niederlage der Gruppe, sondern auch am organisierten Abzug der Militanten zu erkennen sei.

    In Bezug auf die Faktoren, die zur IS*-Niederlage in Syrien beigetragen haben, wies der Experte darauf hin, dass der Sieg über die Terroristen nicht auf die Handlungen der internationalen Koalition oder eine „pünktliche“ Umsetzung der UN-Resolution № 1624 zurückzuführen sei.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Wenn der Bundesregierung Argumente fehlen: „Angriff auf Syrien war erforderlich“

    „Eine ehrliche Antwort ist, dass der Sieg von der syrischen Regierung unter Präsident Bashar Assad errungen wurde. Ausschlaggebend war eine direkte militärische und aktive politische Beteiligung Russlands. Als Begleitfaktor kam die Teilnahme des Irans und der Türkei dazu. Die Rolle der USA und der westlichen Koalition kann nicht mit einem Plus-, sondern eher mit einem Minuszeichen bewertet werden. Auch die Uno hat noch nicht ihre historische Rolle bei der syrischen Beilegung gespielt. Das Genfer Format war wichtig, funktionierte aber nicht gut. Wegen der Position des Westens und der arabischen Länder entsprach die Rolle der Vereinten Nationen nicht der UN-Satzung.“

    In diesem Zusammenhang, fügte der Experte hinzu, sollten diejenigen, die den IS* besiegt haben, sich zunächst mit der Zukunft des Landes befassen und einen Kompromiss mit der Opposition eingehen.

    „Ich denke, dass sich die Opposition den Bemühungen der Regierung anschließen sollte, die Regierung sollte die Ursachen der Krise von 2011 ehrlich analysieren und den Weg gehen, den sie in den Jahren 2011 und 2012 eingeschlagen hat“, so der Diplomat.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Russland lässt Welten aufeinanderprallen

    Die von der syrischen Regierung zuvor verabschiedeten Gesetze über Wahlen, Mehrparteiensystem, Kommunalverwaltung und Massenmedien sowie die Kommission für einen Dialog mit der Opposition nennt Baklanow eine gute Entscheidung.

    „Es ist notwendig, dies zu festigen und die Bereitschaft zu Kompromissen mit dem Volk und zu überfälligen Veränderungen zu zeigen“, sagte er.

    Gleichzeitig betonte der Arabist, dass sich internationale Organisationen, einschließlich der Uno, auf den Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft und die Probleme der Flüchtlinge konzentrieren könnten, „ohne sich in die politische höhere Strategie einzumischen“.

    Am 30. und 31. Juli findet die zehnte Gesprächsrunde im  „Astana-Format“ in Sotschi statt. An den Friedensgesprächen sollen Russland, die Türkei und der Iran sowie der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, teilnehmen. Die USA verzichten zwar auf ihre Teilnahme an den Gesprächen im Astana-Format, wollen jedoch weiterhin mit Russland in Bezug auf Syrien unter der UN-Schirmherrschaft kooperieren.

    *Terrororganisation, die in Russland verboten ist.

    Zum Thema:

    Lawrows geheim(nisvoll)e Syrien-Mission
    Syrien droht Israel mit baldiger Reaktion auf abgeschossenen Suchoi-Kampfjet - Medien
    Zahlreiche Tote bei Terroranschlag im Süden Syriens
    Tags:
    Flüchtlinge, Rolle, Niederlage, Friedensprozess, Regelung, IS, UN, Iran, Türkei, USA, Astana, Russland, Syrien
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren