13:16 24 Januar 2020
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    Überflüssig wie ein Kropf – Will Trump nun auch noch einen Währungskrieg mit China?

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    © REUTERS / Damir Sagolj

    Der Handelskrieg mit China reicht dem US-Präsidenten offenbar noch nicht. In einem Fernsehinterview hat Donald Trump China unterstellt, die eigene Währung abzuwerten, um seine Exporte zu verbilligen. Internationale Medien befürchten nun auch noch das Aufflammen eines Währungskrieges zwischen den USA und China. Doch China hat andere Interessen.

    Donald Trumps liebster Feind war China schon im Wahlkampf:

    „Denn wir können nicht weiter erlauben, dass China unser Land plündert, denn das ist es, was sie tun.”(Donald Trump, 1. Mai 2016, Fort Wayne, Indiana)

    Jetzt als Präsident macht er so weiter. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC am 20. Juli unterstellt er China Manipulation der Wechselkurse: „In China fällt die Währung wie ein Stein, und unsere Währung geht hoch, und ich muss Ihnen sagen, es ist zu unserem Nachteil."

    Angeblich werte die chinesische Regierung ihre Währung, den Yuan, ab, um Exporte zu verbilligen und dem US-Dollar zu schaden. Doch ausgerechnet der Internationale Währungsfonds, IWF, in dem die USA den Ton angeben, verteidigt China. James Daniels, stellvertretender Direktor der Asien- und Pazifik-Abteilung, erklärte sechs Tage nach Trump, ebenfalls bei CNBC, der Yuan sei "fair bewertet".

    China hat kein Interesse an schwachem Yuan

    Das sehen auch die meisten professionellen Beobachter so. Die Abwertung des Yuan habe rein marktbezogene Gründe, vor allem die schwächelnde Konjunktur Chinas. Peking habe im Moment überhaupt kein Interesse an einem schwachen Yuan. Denn der könne innenpolitischen Druck aufbauen, weil die Effekte aus Strafzöllen plus abgewertetem Yuan eine doppelte Preiserhöhung für chinesische Verbraucher bedeuten. China will vieles, aber ganz sicher keinen komplett unnötigen Finanzkrieg.

    China hat Interesse an Abkopplung vom Dollar

    Aber vielleicht wollen ihn die USA, um chinesische Pläne zu sabotieren, die die USA herausfordern? China ist schon lange bemüht, sich und andere interessierte Staaten von der überproportional hohen Bindung an die US-Ökonomie und den US-Dollar zu lösen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Russland und China finden „Achillesferse“ der USA

    In der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) sind Staaten zusammengeschlossen, die 40 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Sie ist die größte zwischenstaatliche Organisation neben der Uno. Sowohl in der SCO als auch im BRICS-Verbund sind auch Russland und China liiert. Die BRICS-Staaten haben eine Neue Entwicklungsbank gegründet, wie Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem BRICS-Treffen 2015 in Ufa noch einmal bekräftigte:

    „Während des Treffens im erweiterten Format haben wir den Abschluss des Prozesses zur Schaffung der Neuen Entwicklungsbank begrüßt und einen Pool von ausländischen Währungsreserven gebildet, mit einem totalen Umfang von 200 Milliarden Dollar.“

    Im September 2017 wurde der Grundstein für das Hauptquartier der Bank in Shanghai gelegt. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer sind an dieser Bank interessiert, weil sie es leid sind, für IWF-Kredite Bedingungen zu akzeptieren, die eigentlich von den USA diktiert werden, da sie den IWF dominieren.

    >>Andere Sputnik-Artikel: “Für Eindämmung Chinas”: Kissinger empfiehlt Trump Freundschaft mit Russland

    China will Dominanz von IWF, USA und US-Dollar brechen

    Genau deshalb initiierte China 2015 ein weiteres Gegenmodell zum IWF, die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank. Damals entbrannte ein knallharter Streit. Denn trotz Drohungen aus Washington beteiligten sich mit Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien gleich vier der wichtigsten Verbündeten der USA an der Bank, die inzwischen 61 Mitglieder hat.

    Nicht nur China hat damit begonnen, seine Währungsreserven in Form von US-Staatsanleihen umzuschichten, und immer häufiger wird darüber diskutiert, den US-Dollar als zentrale Verrechnungseinheit für internationale Geschäfte abzulösen. Das wäre das Ende des Geschäftsmodells USA.

    Vielleicht liegt ja hier einer der wahren Gründe für die wütenden Attacken von Donald Trump?

    Zum Thema:

    Trump droht mit Zöllen auf Waren aus China im Umfang von 500 Milliarden Dollar
    Trumps Handelskrieg wird Apple zu schaffen machen – FT
    Bank of America: Wie Trump-Juncker-Vereinbarung neue Zollrunde mit sich bringen kann
    Tags:
    Feind, Wahl, Manipulationen, Dollar, Yuan, Währung, CNBC, BRICS, IWF, Donald Trump, USA, China
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