07:41 19 August 2018
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    der chinesischen Weltraumforschungsbasis in der Provinz Neuquén

    Aufruhr im Hinterhof: USA besorgt über Chinas wachsende Stärke in Lateinamerika

    CC BY 2.5 / Casa Rosada / space station of China in the Neuquén province
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    Die im argentinischen Patagonien gelegene chinesische Weltraumforschungsbasis hat die Aufmerksamkeit der „New York Times“ auf sich gezogen. Sie bezeichnet sie als „eines der krassesten Symbole“ der chinesischen Neuerungen in der Region. Welche Interessen verfolgt das Reich der Mitte dabei? Und warum ist man in Washington darüber beunruhigt?

    Die US-Zeitung hat der chinesischen Weltraumforschungsbasis in Argentinien einen großen Beitrag gewidmet, in dem die Gründe für ihre Installierung in der Provinz Neuquén analysiert wurden. Dieses Gebiet befindet sich unter der militärischen Kontrolle Chinas und ist Teil eines anspruchsvollen Projekts Pekings zum Flug auf die dunkle Mondseite.

    „Die Basis liegt ganz nah an einer argentinischen Unterwasserplattform im Atlantischen Ozean und an einem strategischen Beobachtungspunkt der Antarktis, wo China einen riesigen Forschungs- und Militärstützpunkt hat“, erläuterte Gustavo Cardozo vom argentinischen Zentrum für internationale Studien in einem Interview für Sputnik.

    Der Bau des chinesischen Weltraumbeobachtungskomplexes in Argentinien, dessen Gelände sich auf etwa 200 Hektar erstreckt, resultiert aus den Verhandlungen der Regierung der ehemaligen Präsidentin Cristina Kirchner (2007 bis 2015) mit der Administration Xi Jinpings.

    Cardozo zufolge hat diese Basis die Aufgabe der „militärischen Beobachtung“ der Situation in der Region. In den letzten Jahren steckt Peking immense Gelder in solche Projekte, um seinen Status als großer Akteur in Lateinamerika zu untermauern.

    De facto ist dieser Stützpunkt Teil eines großen Weltraumkommunikationsnetzwerks, das für Chinas Einsätze außerhalb der Erde bestimmt ist.

    „China ist entschlossen, in den Weltraum zu gehen und dort mit den USA zu konkurrieren. Dieser Militärstützpunkt ermöglicht nicht nur die Weltraumkontrolle, weil Patagonien in Argentinien und der südliche Teil Chiles sehr günstig für die Beobachtung des Weltraums sind“, so der Experte: „Aus meiner Sicht hängt Chinas Hauptinteresse mit der Antarktis zusammen.“

    Für Peking sei dieser Kontinent „strategisch wichtig“, wenn man die dortigen Bodenschätze bedenke. In letzter Zeit hätten die USA nicht nur die Antarktis, sondern auch Südamerika vernachlässigt, und die Chinesen wüssten, wie sie davon profitieren könnten, ergänzte Cardozo: „Unter Donald Trump ist diese Kluft zwischen Washington und den anderen Ländern Lateinamerikas tiefer geworden. China übernimmt Räume, die die USA verlassen, und zwar mithilfe von großen Investitionen.“

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    Damit werde die militärische Präsenz Chinas immer größer, denn auf solchen Basen wie in Neuquén seien Aktivitäten der argentinischen Forscher „minimal“, fuhr der Experte fort. Das Gelände werde von chinesischen Militärs überwacht, „und die Einwohner dieses Gebiets dürfen dieses Gelände nicht betreten“.

    Cardozo zufolge „wird China in zehn Jahren eine äußerst wichtige Rolle in der Region spielen“, was mit der strategischen Bedeutung Lateinamerikas als Lieferant von Lebensmitteln und Rohstoffen zusammenhänge.

    Als Beispiel führte der Analyst Investitionen in den Ausbau des Panamakanals und den Bau von neuen Wasserwegen zwecks Handelsförderung an. Das sei Teil des chinesischen Projekts zur Einbeziehung Lateinamerikas in die „Neue Seidenstraße“.

    Es gebe aber einen Unterschied zwischen China und den anderen Großmächten, die früher oder später Interesse an Lateinamerika zeigten. Die Volksrepublik betrachte andere Länder als Partner, weil sie viel Wert auf die Selbstbestimmung der Völker lege und ihre Souveränität respektiere, betonte Cardozo.

    Gleichzeitig bestimme der so genannte Washingtoner Konsens eine ganze Reihe von Regeln, denen die Länder, die von den USA direkt oder indirekt Hilfen bekommen, zu folgen haben. „Heutzutage können wir sagen, dass es einen gewissen Pekinger Konsens gibt, der sich auf die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten von Ländern stützt“, so der Experte: „China will als Land respektiert werden, dann würde man auch seine Außenpolitik unterstützen.“

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    Tags:
    Investitionen, Konkurrenz, Basis, Weltraumforschung, Donald Trump, Argentinien, Antarktis, Weltraum, Lateinamerika, USA, China
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