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    Das ZDF fragt: "Supermächte - Russlands Rückkehr?" - Dabei ist Russland längst da!

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    Andreas Peter
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    In einer dreiteiligen Serie hat sich das ZDF mit Supermächten beschäftigt. Nachdem im ersten Teil Ängste über China und im zweiten Teil die neue US- Parole "America First" thematisiert wurden, war im dritten Teil Russland an der Reihe. "Russlands Rückkehr?" fragte der Titel. Leider erhielten die Zuschauer als Antworten nur alte Feindbilder.

    Die Dokumentation glänzt mit respektablen Gesprächspartnern. Aber leider sind sie nur Staffage für ein Russland-Bild, dessen Abmessungen, Farben und Motive aus der Vergangenheit stammen. Russland ist weder das Zarenreich noch die Sowjetunion. Russland braucht nicht zurückzukehren, wie es der Titel suggeriert. Russland ist schon da. Und offenbar können einige immer noch nicht damit umgehen.

    Sendezeit wird damit verschwendet, weitschweifige Ausflüge in die russische Geschichte zu unternehmen, um Verbindungen zu Wladimir Putin zu konstruieren bzw. ihm Denkweisen zu unterstellen, die fast schon an üble Nachrede grenzen.

    Wer sagt eigentlich, dass Russland Super-Macht sein möchte?

    Eine Frage stellen sich die Autoren nicht. Möchte Russland überhaupt wieder eine Supermacht sein? Vielleicht ist die Ära von Supermächten ja vorbei? Vielleicht genügt Russland der Status einer atomaren Großmacht, die nicht mehr überall ihre Pflöcke einrammen muss? Vielleicht beruhen die Diskrepanzen zwischen dem Westen und Russland auch auf diesem grundlegenden Missverständnis?

    Einer der Experten sprach es – ungewollt – sogar an. Der Historiker Matthias Stadelmann warf, wie üblich, mit dem Gestus westlicher moralischer Überlegenheit, Russland verwerfliches Verhalten vor:

    „Es ist definitiv so, dass in Russland ein imperiales Denken nach wie vor präsent ist, man findet auch gar nichts dabei. Das ist oft schwer kompatibel mit Europäischen Vorstellungen. Wobei man in Russland natürlich sagt, die Europäische Union verhält sich doch genauso imperial. Sie hat nur Polen und die baltischen Länder und Rumänien und wen auch immer in Ost- und Mitteleuropa aus unserem Einflussraum herausgelöst und sich selbst zugeschlagen. Also, man beurteilt auch die Welt in Russland nach der eigenen Sichtweise.“

    Dass Stadelmann Russland aus der westlichen Sichtweise beurteilt, kommt ihm natürlich nicht in den Sinn. Obwohl es der Westen ist, der seine Maßstäbe anderen aufzwingen will. Mit Parolen wie "Die USA verteidigen ihre vitalen Interessen am Golf" oder "Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt." Aber wehe, jemand wagt es, sich diesem wahrhaft imperialen Auftreten entgegen zu stellen.

    Russland möchte keine Supermacht, Russland möchte Respekt

    Auf die Idee, dass Russland einfach nur mit Respekt behandelt werden möchte, auf den Gedanken, dass Russland es sich verbittet, Belehrungen von Staaten und Organisationen entgegenzunehmen, die Regeln brechen, wenn es ihren Interessen nützt, dieser Grundansatz ist den Autoren offenbar nie in den Sinn gekommen. Obwohl ihre Gesprächspartner ihnen entsprechende Hinweise gegeben haben. Etwa der Historiker, Wjatscheslaw Nikonow:

    „Russland ist ein Land mit einem sehr starken Identitätsgefühl, mit einem Verständnis für sein Wesen im Zentrum der Kräfte, selbstbewusst und nicht gewillt, irgendjemandes Belehrungen anzuhören. Russland möchte kein Lehrling sein, dem irgendein weiser Lehrer Lektionen erteilt.“

    Oder noch einmal Matthias Stadelmann:

    „Was man gerne als Erbe bewahren möchte, das ist die Gleichrangigkeit. Das ist das Mitspracherecht, man möchte bei wesentlichen Dingen gefragt werden. Man möchte auf Augenhöhe behandelt werden, auf Augenhöhe verhandeln, das ist das, was man mitnehmen möchte.“

    Putin will weder die Sowjetunion noch den Kommunismus zurück

    Was ist an einem solchen Wunsch eigentlich verwerflich? Im Übrigen wollen weder Putin noch die Mehrheit der Russen die Sowjetunion zurückhaben. Auch wenn Putin der Ansicht ist, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion für ihn die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts ist. Aber Putin hat zur Sowjetunion auch anderes gesagt. Nur passte das wohl nicht ins Konzept des Filmes. 1999 in einem 15-seitigen Grundsatzpapier, das bei Historikern als Milleniumsbotschaft bekannt ist, schrieb Putin in der Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ unter anderem, dass der Kommunismus eine Sackgasse war, auf der sich die Sowjetunion 70 Jahre lang bewegt habe. 2016 ließ er in einem heftigen Disput mit Wissenschaftlern erkennen, dass er Lenin verachtet. Die Kommunisten in Russland wissen genau, dass sie auf Unterstützung von Putin nicht zu setzen brauchen.

    Will der Westen die Sowjetunion zurück? Als Feindbild?

    Vielleicht rühren die ständigen Unterstellungen und Denunziationen westlicher Medien von der Erkenntnis her, dass Russland eben nicht abgeschrieben und erledigt ist, sondern sehr real als eine Macht vorhanden ist, die selbstbewusst sagt und zeigt, was sie will und was nicht. Genauso wie es die westlichen Staaten jeden Tag tun. Vielleicht ist es ja der Westen, der die Supermacht Sowjetunion zurückhaben will? Weil er sie als perfektes Feindbild braucht?

    Tags:
    TV-Sendungen, Dämonisierung, Feindbild, Weltmacht, Lügenpresse, Kritik, Medien, ZDF, Wladimir Putin, Sowjetunion, UdSSR, Deutschland, USA, Russland
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