10:52 18 August 2018
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    Sammelbüchse bei der Spendeaktion Brot für die Welt (Archivbild)

    „Brot für die Welt“ kritisiert: „Augenwischerei in der Flüchtlingspolitik“

    © AP Photo / Thomas Kienzle
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    Paul Linke
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    „Brot für die Welt“ zeigt sich „alarmiert“: Mit 70 Millionen Flüchtlingen stieg auch die Anzahl der Hungernden weltweit um 38 Millionen auf 815 Millionen Menschen an. Doch Entwicklungshilfe werde heute für Flüchtlingsabwehr missbraucht. Dabei von Fluchtursachenbekämpfung zu reden, sei „Augenwischerei“, findet die Präsidentin des Hilfswerks.

    „Evangelischer Entwicklungsdienst – Brot für die Welt“ stellte am Montag seine Jahresbilanz 2017 vor. Daraus geht hervor, dass sich im vergangenen Jahr die Zahl der Flüchtlinge um drei Millionen auf 70 Millionen Menschen weltweit erhöht hat. Hauptsächlich durch die Zuspitzung der Lage im Südsudan, in Syrien und Myanmar. Damit stieg auch die Zahl der Hungernden weltweit um 38 Millionen auf nun 815 Millionen Menschen an, während zuvor die Zahl ein Jahrzehnt rückläufig war. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von „Brot für die Welt“, sagte bei der Pressekonferenz: „Das muss uns alarmieren, nicht nur weil es Fluchtgründe schafft. Leider geht es in Deutschland derzeit jedoch vor allem darum, wie Entwicklungszusammenarbeit am effektivsten Flüchtlinge aus Europa fernhalten kann. Hier von Fluchtursachenbekämpfung zu reden, ist Augenwischerei.“

    „Waffenexporte lassen“

    Die Präsidentin warnte zugleich vor überzogenen Erwartungen:

    „Wir dürfen Entwicklungszusammenarbeit weder instrumentalisieren noch überfrachten. Schon ein Blick auf die Haupttreiber von Flucht und erzwungener Migration zeigt, dass kriegerische Konflikte, Ernährungskrisen und klimabedingte Zerstörung von Lebensgrundlagen eine nachhaltige und ressortübergreifende Politik erfordern. Das muss eine Politik sein, die auch die eigene Mitverantwortung für die Fluchtursachen wie Waffenexporte und unfaire Handelsbeziehungen anerkennt."

    Man soll nicht nur das Richtige tun, sondern auch das Falsche lassen, forderte Füllkrug-Weitzel im Hinblick auf den Konflikt im Jemen und deutsche Waffenexporte nach Saudi-Arabien. Als Beispiel nannte sie auch die mutmaßlich illegal nach Mexiko gelieferten G36-Sturmgewehre von Heckler und Koch, mit denen nachweislich auf Demonstranten geschossen worden sei.

    Mit Sorge sieht die Hilfsorganisation den weltweiten Trend, Entwicklungsgelder auch für sicherheitspolitische und militärische Aufgaben oder Migrationskontrolle zu nutzen. So bemängelt Füllkrug-Weitzel, dass das europäische Instrument für Stabilität und Frieden, kurz IcSP, welches ausdrücklich für die Verhütung von Gewaltkonflikten und für zivile Aktivitäten der Friedensförderung bestimmt war, 2017 für Militärhilfe geöffnet wurde.

    „Humanität und Solidarität“

    Die Präsidentin erklärte mit Blick auf Flucht- und Wanderbewegungen: „Wir brauchen Humanität und Solidarität. Wir brauchen eine humane, solidarische und entwicklungsförderliche Gestaltung der Migration. Wir sind überzeugt, dass dafür internationale Vereinbarungen und nicht nationale Alleingänge nötig sind.“ Der Verhandlungsprozess rund um das Pariser Klima-Abkommen könnten so als Vorbild angesehen werden.

    Zur Überwindung von Armut, Hunger und Ungerechtigkeit standen dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen 2017 insgesamt 282,2 Millionen Euro zur Verfügung. Das waren 3,2 Prozent mehr als 2016.

    In mehr als 90 Ländern arbeitet „Brot für die Welt“ mit lokalen Partnern zusammen. Das Hilfswerk wurde 1959 gegründet. Es unterstützt Menschen unabhängig von ihrer Volks- oder Religionszugehörigkeit.

    Tags:
    Flüchtlingswelle, Flüchtlinge, Flüchtlingskrise, Armut, Migranten, Brot für die Welt, Heckler & Koch, Südsudan, Myanmar, Mexiko, Syrien, Deutschland
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