06:38 21 Oktober 2018
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    Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Angela Merkel (CDU) bei Sitzung der Bundesregierung (Archivbild)

    SPD überholt CDU: Deutsche Parteien wachsen erstmals seit 30 Jahren

    © AFP 2018 / Tobias Schwarz
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Das gab es seit fast 30 Jahren nicht mehr: Die Parteien in Deutschland verzeichnen wieder mehr Mitglieder. Dabei überholt die SPD sogar die CDU, doch den stärksten Zuwachs verzeichnet eine andere Partei. Von einer Trendwende kann man laut Experten aber noch nicht sprechen, denn um das Politikinteresse hierzulande ist es nicht gut bestellt.

    Die SPD hat einer Studie des Politologen Prof. Dr. Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin zufolge im vergangenen Jahr ihren Vorsprung als mitgliederstärkste Partei ausgebaut. Die Sozialdemokraten kamen Ende 2017 auf 443.152 Mitglieder, das sind 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dieser Zugewinn sei keine Überraschung, so Niedermayer:

    „Der Zuwachs der Mitglieder in der SPD war erwartet worden, denn der sogenannte Schulz-Hype nach der Nominierung von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten führte in den ersten Monaten des Jahres zu einer Welle von Neueintritten.“

    Ebenso gab es anscheinend eine große Zugkraft bei wichtigen SPD-Mitgliederentscheiden.

    Goodbye Merkel?

    Auf Platz zwei der mitgliedsstärksten Parteien landet die CDU, sie schrumpfte allerdings auf knapp 426.000 Mitglieder. Gemeinsam mit der bayerischen Schwesterpartei kommt die Union bundesweit allerdings auf mehr als 565.000 Mitglieder. Gleichzeitig waren CDU und CSU aber auch die einzigen im Bundestag vertretenen Parteien, die 2017 ein Mitglieder-Minus zu verzeichnen hatten.

    Linder-Partei triumphiert

    Alle gegenwärtigen Oppositionsparteien im Bundestag gewannen im Jahr 2017 Mitglieder hinzu. Die Grünen legten als viertstärkste Partei um 5,6 Prozent auf 65.065 Mitglieder zu. Sie behaupteten den vierten Platz gegenüber der FDP, die die Linkspartei als fünftgrößte Partei überrundete. Die FDP kam nach einem Zuwachs um 17 Prozent auf 63.050 Mitglieder, danach profitierten die Freien Demokraten am stärksten von dem Mitglieder-Plus.

    US-Einfluss auf deutsche Parteien

    Die Partei die Linke legte erstmals seit 2009 wieder zu und wuchs um 5,8 Prozent auf 62.300 Mitglieder. Siebtgrößte Partei blieb die AfD, die mit einem Zuwachs von 10,4 Prozent 27.621 Mitglieder hatte. Die Gründe für einen Parteieintritt seien laut dem Politologen Niedermayer vielfältig:

    „Bei der SPD, den Grünen und der Linkspartei trug der sogenannte Trump-Effekt, eine Eintrittswelle nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA im November 2016, zu der Steigerung bei.“

    Im Bundestagswahljahr 2017 sei die Eintrittswelle noch deutlich größer ausgefallen als 2013.

    Doch keine Trendwende…

    Von einer Trendwende kann man laut Niedermayer aber nicht sprechen. Zwar habe man jetzt den deutlichsten Zugewinn seit 1990 zu verzeichnen, aber:

    „Nimmt man allerdings alle Parteien einschließlich der AfD zusammen, so ist seit 1990 die Zahl der Parteimitglieder um knapp die Hälfte gesunken.“

    Dieser Mitgliederverlust seit 1990 – den nur die Grünen nicht erlitten hätten – sei aber in sehr unterschiedlichem Maße aufgetreten. Am stärksten habe es die Linke getroffen, die Ende 2017 weniger Mitglieder hatte als die PDS Ende 1990. Auch FDP, SPD und CDU erlitten hohe Verluste.

    Gibt es eine Alternative?

    Bundesweit waren Ende 2017 insgesamt rund 1,7 Prozent der beitrittsberechtigten Bevölkerung Mitglieder einer Partei. Keine hohe Zahl und Spiegel einer grassierenden Politikverdrossenheit. Übrigens nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Die einzige Ausnahme: Die Britische Labour Party. Seit der linke Jeremy Corbyn dort 2015 den Vorsitz übernahm, hat die Partei mehr Mitglieder gewonnen (rund 180.000), als die regierenden Konservativen insgesamt haben (etwa 150.000). Bürgernah, sozial und teilweise revolutionär – ein Vorbild, das Schule machen könnte.

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    Parteien, Vergleich, Mitgliedschaft, Mitglieder, Anzahl, Die LINKE-Partei, Linkspartei, PdL, FDP, CSU, SPD, CDU, Bundestag, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, Alice Weidel, Jörg Meuthen, Sahra Wagenknecht, Katja Kipping, Bernd Riexinger, Wolfgang Kubicki, Christian Lindner, Cem Özdemir, Markus Söder, Horst Seehofer, Andrea Nahles, Angela Merkel, Olaf Scholz, Deutschland