17:03 20 August 2018
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    Beantragung von Arbeitsvisum

    „Abfälle zum Essen“: Zeitung über Lage ukrainischer Gastarbeiter in EU

    © Sputnik / Natalia Seliverstova
    Politik
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    Ukrainer werden immer öfter zu Betrugsopfern bei der Arbeitsbeschaffung im Ausland, schreibt die ukrainische Webseite Obozrevatel.

    Nach der Einführung der EU-Visafreiheit für die Ukraine seien viele ukrainische Bürger zur Jobsuche nach Europa gereist, ohne die Möglichkeit zur Ausstellung entsprechender Papiere gehabt zu haben. Andere rechneten damit, mit Hilfe eines polnischen Arbeitsvisums in anderen europäischen Ländern – Deutschland, Norwegen oder Finnland – Arbeit zu finden. Eben darin bestehen laut dem Portal zwei Hauptfehler der Arbeitsuchenden.

    Diese Situation nutzten so genannte Vermittler aus, um sich die Taschen zu füllen, so das Portal. „Billige“ Arbeitskräfte seien auch ein gefundenes Fressen für Betrüger. Diese richteten regelrechte Arbeitslager in Europa ein, in denen Ukrainer unter unmenschlichen Bedingungen lebten.

    Eines der häufigsten Betrugsschemas ist laut der Webseite die Arbeit mit polnischem Arbeitsvisum oder gar biometrischem Pass in Europa. Zwar hätten einige Jobanwärter Glück und würden vorübergehend eingestellt. Doch in den meisten Fällen werde man abgeschoben.

    Das Portal schildert die Story der Ukrainerin Oksana, die nach Polen gereist war, um dort einen Monatslohn von 1000 US-Dollar zu erhalten, wie ihr versichert wurde. Stattdessen landete die Frau in einem Arbeitslager, wo ihr der Pass und das Handy weggenommen wurden.

    Man gehe mit den Gastarbeitern wie mit Tieren um und gebe ihnen Abfälle zu essen, so das Portal. Oksana konnte fliehen und sich an die Polizei wenden. Der Jobvermittler drohte in sozialen Netzwerken, ihre Kinder zu töten, sollte sie sich bei der Polizei beschweren. Die Affäre wird jetzt von den polnischen Rechtsschutzorganen untersucht.

    Experten empfehlen den Ukrainern, die zur Arbeitsuche ins Ausland reisen wollen, die jeweilige Vermittleragentur sorgfältig auf Zuverlässigkeit zu prüfen und eine Kopie ihres Reisepasses anfertigen zu lassen.

    Die Chefin der politischen Partei „Batkiwschtschina“ („Vaterland“), Julia Timoschenko, hat am 7. August erklärt, dass die im Ausland arbeitenden Ukrainer ihr Geld an die Angehörigen in der Ukraine schickten und damit die ukrainische Wirtschaft unterstützten. Nach Angaben der Nationalbank der Ukraine haben die Arbeitsmigranten seit Jahresanfang 4,5 Milliarden US-Dollar für den Staatshaushalt verdient. 

    Nach Angaben des Ministeriums für Sozialpolitik der Ukraine werden jährlich neun Millionen Ukrainer als Saison-Arbeiter im Ausland eingesetzt.

     

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