02:41 21 Oktober 2018
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    Partei- und Fraktionsvorsitzenden der AfD Alexander Gauland (archiv)

    „ZDF goes Antifa“ oder AfD-„Maulheldentum“? Gauland-Interview sorgt für Furor im Netz

    © AP Photo / Markus Schreiber
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    Ilona Pfeffer
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    Ignoranz und Konzeptlosigkeit wird Alexander Gauland und seiner Partei nach dem ZDF-Sommerinterview von Abgeordneten der anderen Parteien vorgeworfen. Die AfD ihrerseits ist empört darüber, dass das ZDF nicht verhindert hat, dass Demonstranten mit Zwischenrufen das Gespräch störten.

    Am Sonntag strahlte das ZDF sein Sommerinterview mit Alexander Gauland, dem Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Alternative für Deutschland, aus. Seither sorgt das 18-minütige Video für Wirbel. Die AfD echauffiert sich über die Art und Weise, wie ZDF-Journalist Thomas Walde das Gespräch aufgezogen hat und warum der Sender nicht verhindern konnte, dass das Gespräch durch Buh-Rufe von Störern unterbrochen wurde. Dagegen kritisieren die Abgeordneten der anderen Parteien Gauland dafür, dass er keine Konzepte und Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit vorlegen konnte.

    Fest steht: Niemanden hat das Sommerinterview mit Alexander Gauland kalt gelassen. Auf Twitter ist es am Montag nicht umsonst eines der meistdiskutierten Themen unter den Parlamentariern. Inhaltlich ging es bei dem Gespräch, das bei sommerlich heißen Temperaturen auf einem Schiff in Potsdam stattfand, um Klimawandel, Rente, digitalen Wandel, Wohnungsnot und deutsche Wurzeln. Relativ schnell wurde dem Zuschauer klar: Thomas Walde wollte den AfD-Chef mit seinen Fragen dahin steuern, wo es weh tut.

    Dass Gauland nicht an den menschengemachten Klimawandel glaubt und Klimaschutzorganisationen künftig nicht mehr unterstützen will. Dass er „persönlich keine enge Beziehung zum Internet“ hat und seine Partei noch nicht genügend darüber nachgedacht hat, wie man Arbeitsplätze angesichts der Digitalisierung schützen könne. Auch beim Thema Wohnungsnot bleibt Alexander Gauland vage und sagt, es müsse mehr Geld in Wohnungsbau und Hausbau gesteckt werden. Beim Thema Rente steuert der ZDF-Moderator auf den vermeintlichen Dissens innerhalb der AfD hin und konfrontiert Gauland mit Aussagen seines Co-Parteichefs Jörg Meuthen, der einen Systemwechsel bei der Finanzierung möchte. Gauland selbst räumt hingegen ein, er glaube nicht, „dass wir vom Umlagesystem wegkommen“.

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    Eine „abgekartete Angelegenheit“ sieht im Gauland-Sommerinterview sein Parteikollege Frank Pasemann.

    Die SPD-Abgeordnete Saskia Esken kontert mit Verweis darauf, dass es zum Berufsbild des Journalisten gehört, Fragen zu stellen.

    Antworten auf die Fragen von Thomas Walde haben offenbar auch andere Parlamentarier in Gaulands Worten nicht finden können. Canan Bayram (Grüne) vermisst ein Interesse an Sacharbeit seitens der AfD:

    FDP-Mann Markus Hildebrand argumentiert in eine ähnliche Richtung.

    Der CDU-Abgeordneter Sebastian Steineke bescheinigt dem AfD-Chef, bei Zukunftsthemen „blank“ zu sein.

    Fabio De Masi (Linke) setzt noch einen drauf:

    Aus den Reihen der AfD selbst erntet das ZDF-Sommerinterview in erster Linie dafür Kritik, dass der Sender nicht verhindern konnte, dass sich gegen Ende des Gesprächs plötzlich Störer mit Buh-Rufen und abfälligen Bemerkungen in Richtung Alexander Gauland zu Wort meldeten. Ein Kameraschwenk zeigte drei Demonstranten, die sich an der parallel zum Anlegesteg gelegenen Straße aufgestellt hatten. Auf ihren Schildern war zu lesen „Schämen Sie sich!“, und sie riefen immer wieder „Buh“ und „widerlich“. Wo die Personen so plötzlich herkamen und wer sie waren, wurde nicht aufgeklärt. ZDF-Moderator Walde beschloss, das Interview fortzusetzen.

    Für die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD Beatrix von Storch war diese Szene symbolisch:

    Ihr Parteikollege Dirk Spaniel hingegen zitiert den Chefredakteur der „Jungen Freiheit“ und sieht hinter der Störaktion die Antifa.

    Das ZDF-Sommerinterview hinterlässt gemischte Gefühle. Alexander Gauland konnte tatsächlich die meisten Fragen nicht souverän beantworten, verwies jedoch darauf, dass seine Partei nicht vorschnell sein wolle und an nachhaltigen Konzepten arbeite. Und ja, es gehört zum Job eines Journalisten, Fragen zu stellen, gerade auch die unbequemen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.  Wenn aber das Interview den Anstrich bekommt, dass es dem Fragesteller ausschließlich darum geht, den Interviewpartner in die Ecke zu drängen, bekommt das Gespräch einen unangenehmen Beigeschmack. Zumal mit den Störern im Hintergrund.

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    Tags:
    Reaktion, Interview, Twitter, CDU, ZDF, FDP, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Die LINKE-Partei, Jörg Meuthen, Fabio De Masi, Alexander Gauland, Deutschland