12:34 21 November 2018
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    Kalibr-Rakete-Start während der Übungen der Kaspischen Flottille (Archiv)

    Kaspisches Meer: Russland setzt „Kalibr“-Raketen an Kehlen von US-Basen

    © Sputnik / Denis Abramow
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    Die Kaspische Flottille entwickelt sich für Russland zu einem wichtigen Instrument bei der Abschreckung der USA. In Kaspijsk sei ein vollwertiger Marinestützpunkt eingerichtet worden, berichtete der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch auf einer Dienstreise in Dagestan.

    „Jetzt werden im Rahmen der Verbesserung des Stationierungssystems der Flottille Erkundungsarbeiten für die Entwicklung der Kaspischen Bucht sowie der Bau von Objekten am Hafen Machatschkala durchgeführt. Die Großreparatur der Gebäude und Einrichtungen zur Stationierung des in diesem Jahr zu bildenden 177. Regiments der Marineinfanterie wird abgeschlossen und eine übungstechnische Basis für eine Einheit im Kampf gegen Unterwasser-Diversionskräfte und Mittel geschaffen“, erklärte der Minister bei einer Sitzung in Kaspijsk.

    Die Umstationierung des Hauptstützpunkts der Kaspischen Flottille von Astrachan nach Kaspijsk sei Anfang April bekanntgegeben worden. Laut Schoigu ist die Verlegung der Flottille ein wichtiges Element für die Sicherheit in der Kaspischen Region. Über die Gründe dieses Beschlusses und die Fristen der Umsetzung sei damals keine Auskunft erteilt worden.

    Astrachan wurde erst nach dem Zerfall der Sowjetunion zum Hauptstützpunkt der Kaspischen Flottille. Die sowjetische Flottille wurde zwischen den Kaspi-Anrainern Kasachstan, Aserbaidschan und Turkmenistan aufgeteilt. Der russische Teil sollte aus Baku nach Machatschkala und Astrachan verlegt werden. Die Hauptaufgabe der Kaspischen Flottille war der Schutz der Interessen Russlands in den Gebieten, wo es Ölvorkommen und Anti-Terror-Aktivitäten gab.

    Ende 2015 gab Schoigu bekannt, dass der Anteil der neuen Schiffe und Boote in der Kaspischen Flottille auf 85 Prozent erhöht worden sei. Der Flottille gehörten mehr als 70 Schiffe an. Darunter seien zwei Küstenwachschiffe des Projekts 11661K (Tatarstan und Dagestan), drei kleine Raketenschiffe des Projekts 21631 (Grad Swijaschsk, Uglitsch, Weliki Ustjug), vier kleine Artillerieschiffe des Projekts 21630 (Astrachan, Wolgodonsk, Machatschkala) u.a.

    Es waren die Schiffe der Kaspischen Flottille, die für den Beschuss der IS-Objekte* in Syrien mit den Marschflugkörpern Kalibr-NK  herangezogen worden seien. Insgesamt habe es 44 Starts gegeben. Experten zufolge ist die Kaspische Flottille heute einer der am besten vorbereiteten Verbände und nach ihren Möglichkeiten der Baltischen Flotte überlegen.

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    Der Stützpunkt in Kaspijsk soll bereits Ende 2018 in neuer Gestalt vollständig in Betrieb sein. 2019 soll die Einrichtung der neuen Marinebasis endgültig abgeschlossen werden.

    Am 12. August regelten die Staatschefs der fünf Kaspi-Anrainer endgültig die Frage des Rechtsstatus des Kaspischen Meeres. Die Unterzeichnung des Übereinkommens wurde erst möglich, als Russland sein Vetorecht auf die Verlegung der Gaspipeline aus Turkmenien nach Aserbaidschan widerrief und der Iran nicht mehr auf die Aufteilung des Kaspischen Meeres in fünf gleiche Teile beharrte.

    Russland verzichtete teilweise auf sein Vetorecht im Tausch dafür, dass alle Länder der Region dem Verbot der Stationierung von Militärkräften von Dritten wie den USA oder einem Nato-Land im Kaspischen Meer zustimmen. Zudem behält sich Russland das Recht vor, die Wasserfläche außer territorialer und Fischereizonen als Einsatzgebiet der Kaspischen Flottille zu nutzen.

    Warum setzt der Kreml auf das Kaspische Meer und die Kaspische Flottille? „Es war ein guter Schritt, dass der Kreml auf das Vetorecht bei der  Verlegung der Gaspipeline verzichtete“, meint der Militärexperte Michail Alexandrow. „Es war sehr schlecht, als Gazprom unsere außenpolitischen Beschlüsse diktierte. Beispielsweise die Unterstützung der Ukraine und der Bau von South Stream nach Bulgarien – ein Projekt, bei dem Russland scheiterte; plus der Bau von Nord Stream-2, in den Russland sehr viel Geld steckte und mittlerweile unklar ist, was  daraus wird. Meines Erachtens drängte Gazprom lange Zeit dem Staat seine Tagesordnung auf. Gott sei Dank wurde im Falle des Kaspisches Meeres der Konzern etwas auf die Seite geschoben, damit er seine kommerziellen Interessen nicht als die gesamtrussischen darstellt“, so der Experte.

    Natürlich sei es für Moskau aus Sicht der Sicherheit und Stabilität in der Region sehr wichtig, dass es dort keine fremde Militärpräsenz gebe. Das sei gewährleistet worden, was viel wichtiger als die Gaspipeline sei, die über das Kaspische Meer verlegt werden könne. Auch angesichts der Tatsache, dass es derzeit auf dem europäischen Markt sehr viel Gas gebe und auch die Amerikaner dorthin kommen würden. Die USA würden wohl von zusätzlichen Gaspipelines in Europa nicht begeistert sein, so der Experte.

    Was die wichtigsten Möglichkeiten für Russland im Kaspischen Meer betreffe, würde vor allem die offene Kommunikation mit dem Iran beibehalten, darunter militärisch. Aus Sicht der Sicherheit könnte immer Munition und Militärtechnik an den Iran geschickt werden, falls die USA den Iran angreifen. Dabei müsste nicht um die Zustimmung der anderen Kaspi-Anrainer gebeten werden, so der Experte. 

    Ein anderer wichtiger Aspekt sei die freie Navigation der Militärschiffe im gesamten Kaspischen Meer. Bei einer Destabilisierung in Turkmenistan bzw. Aserbaidschan könnten reibungslos die Gewässer befahren und den legitimen Regierungen militärische Hilfe geleistet werden.

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    Sehr wichtig sei auch die fehlende Militärpräsenz von externen Kräften. Wenn die Nato damit gerechnet habe, eine Rolle bei Kontroversen zwischen Russland und anderen Ländern der Region zu spielen, sei sie gescheitert. Angesichts der Strategie der USA zur Zerstörung des Irans, wäre es für die Amerikaner wichtig, im Kaspischen Meer präsent zu sein. Doch jetzt sei es zu spät.

    Mit der Beschaffung von nichtnuklearen strategischen Waffen in Form der Kalibr- und Kinschal-Raketen spiele das Kaspische Meer eine sehr wichtige Rolle für Russland. Das ermögliche unserer Flottille, weit entfernte  Ziele im Nahen Osten, Persischen Golf, Roten Meer und sogar im Mittelmeer mit Raketen anzugreifen.

    In einem geschlossenen und relativ sicheren Gewässer seien die russischen Schiffe von Gegnern  kaum angreifbar. Aus dieser Entfernung könne man weder mit Marschflugkörpern, noch mit ballistischen Raketen bewegliche Ziele treffen. Das ermögliche der Kaspischen Flottille garantiert Schläge gegen die US-Stützpunkte in der Region, was angesichts der aktuellen Militärstrategie – eine nichtnukleare strategische Abschreckung der USA – äußert wichtig für Russland sei, so der Experte.

    Bezüglich der Frage, warum der Stützpunkt aus Astrachan nach Kaspijsk verlegt worden sei, äußerte der Experte die Meinung, dass es in Kaspijsk bessere Bedingungen für die Hafeninfrastruktur gebe. Zudem ermögliche der neue Stützpunkt einen schnelleren Aufbau von der Flottille. Sollte die Kaspische Flottille ihre Stellungen zum Abfeuern der Marschflugkörper beziehen, muss sie nicht mehr die Strecke von Astrachan bis Kaspijsk zurücklegen. Diese 200 bis 300 Kilometer könnten eine wichtige Rolle unter Berücksichtigung der Reichweite der Raketen spielen.

    Maquette vom Gebiet Kaliningrad bei Militärübungen (Archivbild)
    © Sputnik / Igor Sarembo
    Laut dem Experten sollte man allerdings nicht von einer eindeutigen Überlegenheit der Kaspischen Flottille gegenüber der Baltischen Flotte sprechen. Die Baltische Flotte umfasse nicht nur Schiffe, sondern auch Küstenschutzsysteme und Fliegerkräfte. Man könne aber auch nicht von einer Schwäche der Baltischen Flotte sprechen, so der Experte. In der Sowjetunion sei die Kaspische Flottille für den Fall eines Konfliktes im Nahen Osten notwendig gewesen – für die Verlegung der sowjetischen Truppen in den Iran. Jetzt sei sie zu einem Instrument der strategischen nichtnuklearen Abschreckung geworden. Das heiße, dass die Rolle der Kaspischen Flottille deutlich gestiegen sei, schlussfolgert der Experte.

    * Der Islamische Staat (IS) wurde durch Beschluss des Obersten Gerichts Russlands vom 29. Dezember 2014 als Terrororganisation eingestuft, seine Tätigkeit in Russland ist verboten

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    Basis, Bau, Interesse, Verteidigung, Stützpunkt, Kalibr-Rakete, Sergej Schoigu, Kaspisches Meer, USA, Russland