04:01 04 Juli 2020
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    Das westliche „liberale Weltordnungskonzept“ ist nach Einschätzung Valentina Matwijenkos gescheitert. In der Entstehung neuer Machtzentren sieht die Vorsitzende des Föderationsrates (russisches Parlamentsoberhaus) eine wichtige Tendenz der aktuellen internationalen Beziehungen.

    Im System der internationalen Beziehungen sei es zu einer Spaltung gekommen, die die Entwicklung neuer Machtzentren fördere, sagte Matwijenko in einem Interview mit der Zeitschrift „Internationales Leben“.

    Der Oberhauschefin zufolge sei der Liberalismus des US-amerikanischen Modells in jener Form, wie er in den USA und vielen europäischen Ländern besteht, „für einen bedeutenden Teil der Menschheit“ unattraktiv. Dieses Modell wirke erschreckend und abstoßend auf die übrige Welt.

    Nach Auffassung von Matwijenko habe der moderne Liberalismus seine Grundprinzipien eingebüßt, die ihm jahrhundertelang zugrunde gelegen und Menschen angezogen hätten.

    Sie verstehe darunter „den Verlust der Grundprinzipien wie Humanismus, Rede-, Meinungs- und Informationsfreiheit sowie Toleranz“. An deren Stelle sei „die Missachtung traditioneller Werte“ gekommen; wahrheitsgetreue Informationen seien durch so genannte Fake News und durch Intoleranz gegenüber dem Andersdenken, vor allem in der politischen Sphäre, abgelöst worden.
    Innerhalb der westlichen Länder würden zahlreiche destruktive Prozesse und Auseinandersetzungen vor sich gehen, so Matwijenko.

    Nach ihrer Meinung sei der Westen im Grunde genommen zum Hauptgenerator von Turbulenzen, zunehmendem Chaos und Unkalkulierbarkeit in den internationalen Beziehungen insgesamt geworden. Im aktuellen System der internationalen Beziehungen sei es zu einer Spaltung gekommen, so die Oberhaus-Chefin.

    „Ich meine damit die Entstehung von neuen Wirtschafts- und Finanzzentren wie China, Indien und Brasilien. Im Anmarsch sind weitere Staaten von Asien und Afrika. Es vollzieht sich eine Annäherung, eine Koordination von Handlungen“, präzisierte die Parlamentarierin.

    Die Spitzenländer der so genannten neuen Weltordnung seien Russland und China, so Matwijenko weiter. Das neue System werde auch durch die Gremien wie die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, BRICS und die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EAWU) herausgebildet.

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    Tags:
    Weltordnung, Liberalismus, Föderationsrat, Walentina Matwienko, Valentina Matwijenko, Westen, EU, China, Indien, Russland, USA