12:11 15 Oktober 2018
SNA Radio
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin (r.) im Schloss Meseberg

    Achse Moskau-Ankara-Berlin gegen USA nicht möglich – Russlandexperte Rahr

    © REUTERS / Axel Schmidt
    Politik
    Zum Kurzlink
    Nikolaj Jolkin
    3112312

    Nach dem Treffen von Wladimir Putin und Angela Merkel auf Schloss Meseberg und im Vorfeld des Besuchs von Erdogan in Berlin zweifelt der Politologe Alexander Rahr, ob die Achse Moskau-Ankara-Berlin zustande kommen kann. Einer engeren Kooperation dieser Länder stehen Rahr zufolge trotz des hohen Drucks durch die USA entscheidende Faktoren entgegen.

    In einer Videokonferenz mit russischen Experten erklärte der Osteuropa-Historiker und Projektleiter im Deutsch-Russischen Forum Alexander Rahr, Deutschland könne nicht ohne Rücksicht auf seine europäischen Verbündeten handeln. „Aber Europa will sich auch unter Merkel, unter dem Bundeswirtschaftsminister Altmaier und dem französischen Präsidenten Macron nicht Amerikas Knüppel beugen. Es will seine Unternehmen schützen. Amerika ist zu weit gegangen, führt gegen alle Handelskriege, übt auf alle Druck aus.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: Aus Duell Trump-Erdogan wird Putin als Gewinner hervorgehen – westliche Medien

    Europa wird dagegen laut Rahr auf die USA einreden, ihr Verhalten zu ändern. Falls Amerika den Druck fortsetze, werde sich Europa kollektive Schritte zum Widerstand gegen Amerikas Zwang überlegen müssen. „Auf der anderen Seite wollen die USA nicht zulassen, dass die transatlantische Konzeption der westlichen Welt von der Konzeption Kontinentaleuropa abgelöst wird, wobei Frankreich, Deutschland und Russland die erste Geige spielen würden, während Amerikas Stellung in Europa schwächer würde.“

    Deutschlands Wiedervereinigung, erinnert sich der Experte, habe sich nur unter der Voraussetzung vollzogen, in der Nato zu bleiben und das wichtigste integrierende Glied für europäische und transatlantische Prozesse zu sein. „In diesem Geiste sind alle deutschen Eliten erzogen worden. Ich kenne keinen einzigen deutschen Politiker, abgesehen vielleicht von den Hinterreihen der Alternative für Deutschland, der sich für ein Bündnis mit Russland gegen Amerika stark machen würde. Die jetzigen Eliten können sich darauf nicht einlassen, schon wegen ihrer Überzeugung, ihrer Ausbildung und der ganzen Mentalität nicht.“

    Russland, Deutschland und die Türkei werden ihre Bemühungen zur Friedensregelung in Syrien zu bündeln und Voraussetzungen für die Heimkehr der Flüchtlinge zu schaffen, ist sich der Politologe sicher. Ihm zufolge ist der Westen im Begriff, seine Forderung des unverzüglichen Rücktritts von Assad aufzugeben, „da klar geworden ist, dass diese Position nur zum Chaos führt und die Friedenssicherung und der Wiederaufbau der Region nur gemeinsam mit Assad möglich sind. Russland kann dank seinen Möglichkeiten Assad beeinflussen, damit er das Land für die Flüchtlinge öffnet, die in Europa steckengeblieben sind, um ihnen die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: Gipfel von Moskau, Ankara, Berlin und Paris? US-Außenministerium kommentiert erstmals

    Dies würde übrigens auch Merkels Amtszeit als Kanzlerin retten, in der Deutschland und ganz Europa von Flüchtlingen überschwemmt worden sind, glaubt der Experte.

    „Diese Menschen werden eine Aussicht auf Heimkehr unter dem Schutz des Westens bekommen, dorthin werden Investitionen für den Wiederaufbau ihrer Häuser und der ganzen Infrastruktur fließen. Im Balkan ist dies alles nach der Zerstörung Jugoslawiens erfüllt worden, auch in Afghanistan. Warum sollte dies nicht auch in Syrien unter Russlands Schirmherrschaft gelingen?“

    Für Russland würde dies ein kolossaler Gewinn auf der Weltbühne sein, schlussfolgert Alexander Rahr. „Putin sieht das auch ein. Deswegen ist er auch nach Deutschland gekommen, nicht wegen der Ukraine, sondern um ein ernsthaftes Gespräch über Syrien zu beginnen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Sanktionen oder Diplomatie? Was US-Bürger von Beziehungen zu Russland halten
    London wird EU und Trump zu Verschärfung von Anti-Russland-Sanktionen auffordern
    Sanktionen wegen Krim-Reisen? Emir Kusturica erklärt, warum er keine Angst davor hat
    Tags:
    US-Sanktionen, Migranten, Flüchtlinge, Wiederaufbau, Baschar al-Assad, Wladimir Putin, Angela Merkel, Deutschland