07:01 19 Dezember 2018
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    Wahlplakat von Recep Tayyip Erdogan (Symbolbild)

    Berner Reitschule mit Erdogan-Plakat: Friedlicher Protest oder Aufruf zum Mord?

    © AP Photo / Lefteris Pitarakis
    Politik
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    Ilona Pfeffer
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    Anlässlich des bevorstehenden Berlin-Besuchs von Recep Tayyip Erdogan rufen radikale Linke aus dem Umfeld der Berner Reitschule erneut mit provokanten Plakaten zum Protest auf.

    Ein schwarz-weißes Portrait eines Mannes mit einem roten Fadenkreuz, das sich auf seine rechte Schläfe richtet. Mit einem solchen Transparent ruft derzeit die Reitschule Bern zum Protest gegen den Deutschland-Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf. In roten Lettern steht unter seinem Konterfei: „ERDOGAN TREFFEN. 28./29 Sep. Berlin“. Die sich in Kombination mit der Abbildung ergebende Doppeldeutigkeit ist gewollt.

    Es ist nicht das erste Mal, dass im Zusammenhang mit der Reitschule fragwürdige Aufrufe gegen den türkischen Staatspräsidenten auftauchen. Ende März 2017 berichteten Schweizer Medien von ähnlichen Motiven.  Bei einer Demonstration in Bern war ein Transparent mit der Aufschrift „Kill Erdogan“ zu sehen. Abgebildet war das türkische Staatsoberhaupt, auf dessen Kopf eine Pistole gerichtet war. Laut dem Tagesanzeiger vom 31.03.2017 hatte das Plakat zu „diplomatischen Verstimmungen zwischen Ankara und Bern geführt, zumal die Polizei nicht eingegriffen hatte“. Erdogan habe sich wegen des „Mordaufrufs“ „empört“ gezeigt. Einem anderen Bericht der Zeitung zufolge wurde gegen den Urheber des Plakats ein Strafverfahren eingeleitet. Die Gruppierung Revolutionäre Jugend hatte sich nach der Anti-Erdogan-Kundgebung zur Fertigung des Banners bekannt.

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    T-Shirts mit dem gleichen Motiv wurden im Restaurant Sous Le Pont der Berner Reitschule verkauft. Die Behörden rieten vom Tragen der T-Shirts in der Öffentlichkeit ab, schritten jedoch nicht ein.

    Auch im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Staatsbesuch von Recep Tayyip Erdogan in Berlin ruft die Revolutionäre Jugend zu Protesten gegen den „Despoten aus Ankara“ auf.

    „Wir sind uns darüber im Klaren, dass es (derzeit) schier unrealistisch ist, dieses Treffen zu verhindern, was aber realistisch ist, ist den politischen Preis dafür in die Höhe zu treiben. Dies kann durch eine Vielzahl unterschiedlicher Aktionen und Aktionsformen, beispielsweise Verkehrsbehinderungen, Blockaden, Besetzungen und/oder Angriffe von beteiligten institutionellen Einrichtungen und Unternehmen in der ganzen Stadt für Einschränkungen und Unruhe sorgen“, heißt es im Aufruf.

    Es müsse niemandem mehr erklärt werden, dass die Türkei ein faschistischer Staat sei, der zur Zeit seine Vernichtungsphantasien und neoosmanischen Expansionspläne unter anderem gegen Kurd*innen, Alevit*innen, Jesid*innen und Oppositionelle intensiviere. Vielmehr müsse es der radikalen Linken darum gehen, den Verantwortlichen aufzuzeigen, dass ihre Handlungen Konsequenzen nach sich ziehen.

    „Den Besuch Erdogans stören, blockieren, sabotieren, angreifen!“ heißt die Kampfansage, mit der der Aufruf endet.

    Die Reitschule ist ein aus einer Hausbesetzung entstandenes alternatives Kulturzentrum in Bern.  Neben diversen Kulturveranstaltungen engagieren sich die Mitglieder des Vereins „Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule IKuR“ explizit auch politisch. In ihrem Manifest heißt es:

    „Die Reitschule ist ein politisch-kulturelles Zentrum, das unter anderem via Kultur politische Inhalte vermittelt, eine Widerstandskultur, die die teilweise auch gewinnbringende Veranstaltungen dazu nützt, untergründiges möglich zu machen. Die politische Arbeit soll durch die kulturelle Arbeit geprägt sein und umgekehrt.“

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    Tags:
    Besuch, Radikale, Plakat, Mord, Diktatur, Gewalt, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Deutschland