06:20 16 Dezember 2018
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    Markus Söder (Archiv)

    Kuriose Entscheidung: Bayerischer Rundfunk legt TV-Duell mit Söder auf Eis

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    Politik
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    Marcel Joppa
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    Das war bisher Tradition: Wenige Wochen vor einer bayerischen Landtagswahl stellte sich der amtierende Ministerpräsident stets in einem TV-Duell dem nach Umfragen stärksten Herausforderer der Opposition. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Der Bayerische Rundfunk hat die Pläne mit einer kuriosen Begründung auf Eis gelegt.

    Bis zu 1,3 Millionen Menschen verfolgten im September 2013 das TV-Duell zwischen CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer und seinem SPD-Herausforderer Christian Ude im Bayerischen Rundfunk. Dafür, dass es „nur“ um Landespolitik ging, eine durchaus bemerkenswerte Quote. Doch nun, im Vorfeld der kommenden Landtagswahl im Freistaat, will der Bayerische Rundfunk (BR) auf dieses TV-Format verzichten.

    Der Hintergrund: Bislang war fast immer die SPD nach Umfragen die zweitstärkste Partei in Bayern, das TV-Duell fand also zwischen dem CSU-Ministerpräsidenten und dem SPD-Gegenkandidaten auf das Amt statt. Die Umfragen in diesem Jahr ergaben allerdings grundverschiedene Werte im Vergleich zu den vergangenen Wahljahren.

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    Kein Duell-Partner für Söder?

    Klar ist, Markus Söder würde als amtierender Ministerpräsident einen festen Platz im TV-Duell haben. Laut letzten Umfragen liegt seine Partei bei rund 37 Prozent. Auf Platz zwei folgen nun allerdings mit 17 Prozent die Grünen. Die Spitzenkandidatin der einstigen Ökopartei in Bayern, Katharina Schulze, ist mit 33 Jahren zu jung, um Ministerpräsidentin zu werden. Am Duell um das Spitzenamt im Freistaat darf sie nicht teilnehmen.

    Auf Platz drei der Umfragen liegt die AfD mit rund 13 Prozent. Da sich die Partei in Bayern jedoch auf keinen gemeinsamen Spitzenkandidaten einigen konnte und deshalb im Freistaat mit sieben Kandidaten – je ein Kandidat pro Wahlkreis – angetreten ist, fällt auch hier eine Teilnahme am TV-Duell aus. Fraglich ist auch, ob Ministerpräsident Söder überhaupt mit einem AfD-Kandidaten in den TV-Ring gestiegen wäre.

    Keine Frage, die SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen wäre wohl sofort für einen Schlagabtausch im Bayerischen Rundfunk bereit. Doch ihre Sozialdemokraten liegen in den Umfragen mit 12 Prozent gerade einmal auf Platz vier. Ein TV-Duell zwischen Söder und Kohnen wäre also kaum zu rechtfertigen.

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    Der BR arbeitet nun an gleich mehreren Formaten, um die Situation zu lösen. Eine große Runde mit allen Parteien, die an oder über der Fünf-Prozent-Hürde liegen, ist für den 12. September geplant. Vermutlich sind das CSU, SPD, Grüne, Freie Wähler, FDP und die AfD. Doch anstelle Markus Söder würde daran lediglich der CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer teilnehmen wollen.

    „Ausgleich“ mit neuen Formaten

    Darüber hinaus soll es einzelne „Wahlarena“-Auftritte im BR für die Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien geben. Der Grüne Ludwig Hartmann diskutiert am 2. Oktober live mit 100 Bürgern in Straubing, Hubert Aiwanger von den Freien Wählern am 3. Oktober in Fürth, SPDlerin Natascha Kohnen am 9. in Augsburg, CSU-Ministerpräsident Markus Söder am 10. in Bad Aibling. Alles natürlich um 20:15 Uhr zur besten Sendezeit. Da AfD, FDP und Linke aktuell nicht im bayerischen Landtag vertreten sind, plant der BR nach eigenen Aussagen zusätzliche Drehs, um diesen Parteien ein Forum zu geben.

    Ganz vom Tisch soll das traditionelle TV-Duell aber noch nicht sein: Der BR betonte, dass man die nächste Wahlumfrage Mitte September abwarten wolle. Sollten sich die Mehrheiten dann entscheidend geändert haben, wolle man das Duell noch einmal überdenken. Nach einer solchen großen Verschiebung in den Umfragen sieht es aktuell aber eher nicht aus.

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    Tags:
    Wahl, Landtag, TV-Duell, Markus Söder, Bayern, Deutschland